Nach dem Terror in Paris Schwangere findet ihren Retter

Das Video ging um die Welt: Minutenlang hängt eine schwangere Frau an einem Fenstersims des Bataclan, um sich vor den Terroristen zu verstecken. Sie droht zu fallen - da kommt die helfende Hand. Nun hat sie ihren Retter gefunden.

Le Monde/Daniel Psenny

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Unter ihr bringen sich panische Menschen in Sicherheit. Sie laufen aus einem Notausgang des Bataclan, ziehen Verletzte über den Asphalt. Ein Mann humpelt davon, während aus dem Inneren der Pariser Konzerthalle immer wieder Schüsse dringen. Eine Frau hängt an einem Fenstersims des Gebäudes. Im zweiten Stock, zu weit oben, um einfach auf die rettende Straße zu springen.

Es sind beklemmende Szenen, die der "Le Monde"-Journalist Daniel Psenny festhielt, als er vergangenen Freitagabend von seiner Wohnung aus filmte, wie Konzertbesucher vor den Terroristen flüchteten, die im Bataclan 89 Menschen erschossen.

Sein Video machte nach den Pariser Attentaten mit mindestens 129 Toten schnell die Runde. Vielen Betrachtern wird die Frau am Fenster in Erinnerung bleiben. "Hilfe, ich bin schwanger", ruft sie. Ob jemand sie auffangen könne, wenn sie sich fallen lasse - aber die Leute, die in diesem Moment Angst um ihr eigenes Leben haben, hören sie nicht. Auf dem Video ist schließlich zu sehen, wie sie von einem Mann aus der Notsituation gerettet wird: Er tritt ans Fenster und zieht sie wieder nach oben.

"Das habe ich gemacht"

Die beiden verloren sich in den Wirren des Terrors im Bataclan anschließend aus den Augen - aber der Frau gelang es später, den unbekannten Retter wiederzufinden. Sie bat einen Freund, per Twitter nach dem Mann zu suchen, der sie rettete, indem er ihr die Hand reichte: "Nur um ihm Danke zu sagen", wie Frans Torreele, ein Freund der Frau, über den Kurznachrichtendienst schrieb.

Sein Tweet wurde mehr als 1900-mal retweetet und hatte Erfolg: Die Frau, die für die Öffentlichkeit anonym bleiben möchte, konnte sich inzwischen bei dem Mann bedanken. Sie sind alle wohlauf, der Helfer, die Frau und das ungeborene Baby.

Der Retter, der mit Vornamen Sébastien heißt und aus dem südfranzösischen Arles stammt, hat inzwischen mit der französischen Zeitung "La Provence" über die dramatischen Erlebnisse im Bataclan gesprochen.

Er sei nach den ersten Schüssen die Treppe nach oben gelaufen, um sich in Sicherheit zu bringen, erzählte Sébastien demnach. Ähnlich wie die Frau stieg auch Sébastien aus einem Fenster und hielt sich an einem Lüftungsschacht fest. Irgendwann sagte die Frau, sie könne nicht mehr und wolle hinein. Sie bat ihn um Hilfe. "Das habe ich gemacht."

"Es ist Krieg. Und das ist erst der Anfang"

Die Frau verlor er dann aus den Augen, dafür geriet Sébastien wenig später für quälende Minuten in die Hände der Terroristen. Als er sich erneut verstecken wollte, spürte er plötzlich den Lauf einer Kalaschnikow an seinem Bein, wie Sébastien der Zeitung erzählte. Dazu die knappe Anweisung, dass er sich auf den Boden legen solle.

15 Leute hätten sich von diesem Moment an in Geiselhaft befunden. Die Terroristen riefen demnach: "Hört ihr die Schreie? Durch sie sollt ihr die Angst spüren, die die Menschen in Syrien jeden Tag erleiden. Es ist Krieg. Und das ist erst der Anfang. Wir werden Unschuldige abschlachten."

Unterdessen hatten sich Sondereinsatzkräfte der Polizei ihren Weg ins Bataclan gebahnt, sie waren auch in die oberen Stockwerke gekommen. Mit einem Rammbock stießen die Beamten die Tür auf, hinter der die Geiseln festgehalten wurden. Sie warfen eine Blendgranate in den Raum, dann eine weitere. Wenig später war Sébastien in Sicherheit.

insgesamt 17 Beiträge
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Emil Peisker 17.11.2015
1. Videobeweis...
Ein Frau rettete die Schwangere. Ist im Video gut zusehen. Der Mann im Fesnster daneben versteckte sich etwas weniger problematisch.
tölpell 17.11.2015
2. ...
bis heute kann ich fast nicht glauben was dort geschehen ist. aber eins ist klar, diplomatisch ist nichts mehr zu retten. es ist krieg?erst der anfang? ich denke diesen verlierern der gesellschaft ist wohl nicht bewusst welche schlafende löwen sie wecken.
swandue 17.11.2015
3.
"Hört ihr die Schreie? Durch sie sollt ihr die Angst spüren, die die Menschen in Syrien jeden Tag erleiden. Es ist Krieg. Und das ist erst der Anfang. Wir werden Unschuldige abschlachten." Was kann andere Menschen davon abhalten, diesem Irrweg zu folgen, wenn nicht solche Sätze?
schaech 17.11.2015
4.
Zitat von Emil PeiskerEin Frau rettete die Schwangere. Ist im Video gut zusehen. Der Mann im Fesnster daneben versteckte sich etwas weniger problematisch.
Ich denke mal die Betroffene wird etwas besser wissen als Sie, wer oder was sie gerettet hat...
lex.squirrel 17.11.2015
5. Videobeweis?
Ich sehe auch eine Frau in einem schwarz-weiß karierten Rock, die ihre Hand austreckt. Mehr sieht man in dem Video nicht.
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