Geheime Dokumente: Behörden veröffentlichen mögliche Queen-Rede zu drittem Weltkrieg

Queen in Kriegsszenario: "Ernste und schreckliche Pflicht" Fotos
AP

Ein Angriff mit Chemiewaffen, Großbritannien steht vor einem nuklearen Konflikt: Als britische Beamte 1983 ein Szenario für den dritten Weltkrieg durchspielten, entwarfen sie auch eine Rede der Queen an das Volk. Nach Ablauf der Geheimhaltungsfrist wurde das Manuskript nun veröffentlicht.

London - Es war eine Übung, eine Simulation für den Ausbruch eines neuen Krieges: Unter dem Nato-Code "Wintex-Cimex 83" spielten britische Regierungsbeamte 1983 das Szenario eines dritten Weltkriegs durch. In dem Planspiel greift eine feindliche Macht "Orange" - mutmaßlich die Sowjetunion - Großbritannien mit chemischen und konventionellen Waffen an. Das Empire steht daraufhin am Rande eines Atomkrieges.

Im Zuge der Übung, das zeigen nun freigebebene Akten des Nationalarchivs, wurde auch eine Rede von Queen Elizabeth II. an das Volk entworfen.

"Wir wissen alle: Die Gefahren, die uns drohen, sind viel größer als jemals zuvor in unserer langen Geschichte", heißt es in dem Manuskript. Der wahre Feind sei nicht der Soldat mit dem Gewehr oder der Flieger, der über den britischen Städten sein Ziel sucht. Sondern die tödliche Macht missbrauchter Technologie. "Aber welche Schrecken auch immer auf uns warten: Die Eigenschaften, die schon zweimal in diesem traurigen Jahrhundert unsere Freiheit gerettet haben, werden einmal mehr unsere Stärke sein."

Die Queen hat die Rede nie gehalten, es ist unwahrscheinlich, dass sie überhaupt den Text kannte. "Der Wahnsinn des Krieges verbreitet sich erneut in der Welt, und unser tapferes Land muss sich erneut darauf vorbereiten, trotz aller Widrigkeiten zu überleben" - Sätze wie diese wurden Elizabeth II. von den Beamten in den Mund gelegt. Sie entwarfen auch Titelzeilen britischer Zeitungen, um den möglichen Verlauf des Konfliktes zu skizzieren.

Die Dokumente sind auf den 4. März 1983 datiert. Sie zeigen, wie ernst westliche Regierungen die Gefahren im Kalten Krieg nahmen. In dieser Zeit nannte US-Präsident Ronald Reagan die Sowjetunion ein "Reich des Bösen".

In der Rede lassen die Texter Elizabeth II. sagen, sie habe den Stolz und die Trauer nie vergessen, als sie im Radio hörte, wie ihr Vater George VI. sich bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs an das Volk wandte. "Nicht einen einzigen Moment hätte ich gedacht, dass diese ernste und schreckliche Pflicht eines Tages auch mir zufallen würde."

Laut "Telegraph" spricht die Queen im Szenario auch von ihrer Sorge um ihren Sohn. "Mein geliebter Andrew ist mit seiner Einheit im Einsatz. Wir beten kontinuierlich für seine Sicherheit und die Sicherheit aller Männer und Frauen, die in der Heimat oder im Ausland im Einsatz sind."

Die Dokumente wurden veröffentlicht, weil die Geheimhaltungsfrist von 30 Jahren abgelaufen ist.

hut/AP

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