Belästigung L'Oreal-Milliardärin Bettencourt will Tochter verklagen

Neue Runde im Streit um verschenkte Millionen: Die 87-jährige L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt hat gedroht, ihr Tochter wegen Belästigung zu verklagen. Die Dame will ihre Mutter für unzurechnungsfähig erklären lassen.

AFP

Paris - Im Streit mit ihrer Tochter Francoise geht Liliane Bettencourt jetzt in die Offensive: Am Sonntag kündigte die 87-Jährige an, ein Verfahren wegen "Belästigung" anstreben zu wollen, wie sie der Nachrichtenagentur AFP in einer handgeschriebenen Erklärung mitteilte. Sie habe aus der Presse erfahren, dass ihre Tochter erneut versucht habe, sie entmündigen zu lassen, schrieb Bettencourt. "Ich kann diese Belästigung nicht akzeptieren und auch nicht, dass sie durch mich das Image von L'Oréal oder von unserer Familie beschädigt."

Mit der Drohung scheint es der Milliardärin ernst: Er werde alle zivil- und strafrechtlichen Wege ausschöpfen, damit seine Mandantin sich nicht mehr durch ihre Tochter belästigt fühle, erklärte ihr Anwalt Pascal Wilhelm.

Bettencourts Tochter Françoise war zuvor bereits zweimal mit dem Versuch gescheitert, ihre Mutter entmündigen zu lassen, zuletzt im Juli. Es fehlte ein medizinisches Gutachten über den Gesundheitszustand der 87-jährigen Milliardärin.

Françoise Bettencourt-Meyers wirft ihrer Mutter vor, nicht zurechnungsfähig zu sein und sich von dem Künstler François-Marie Banier das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen. Im Laufe der Jahre soll Banier rund eine Milliarde Euro von seiner Gönnerin erhalten haben. Die Milliardärin hatte zudem im Sommer ihr Testament geändert und den Künstler als alleinigen Erben eingesetzt.

Banier selbst nimmt die Vorwürfe offenbar gelassen. "Sie hat mir Geld gegeben, so wie andere ihre Zeit oder ihren Körper hergeben", sagte er. "Liliane wollte, dass ich es habe. Was ist schlecht daran?" Sieben Jahre lang habe er das Geld zurückgewiesen, es dann schließlich doch angenommen. Eine Summe nannte Banier nicht.

Bettencourt und ihr Mann André hatten den heute 63-jährigen Fotografen und Künstler 1969 kennengelernt; in den achtziger Jahren waren sie eng befreundet. Die Querelen um die vermeintlichen Geldgeschenke an Banier reichen bis in Frankreichs Regierungskreise. Der Milliardärin wird vorgeworfen, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen und die konservative Regierungspartei UMP sowie Präsident Nicolas Sarkozy mit illegalen Partei- beziehungsweise Wahlkampfspenden unterstützt zu haben.

ala/AFP

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