Beleidigung Rapper muss Kachelmann Schmerzensgeld zahlen

Pöbeln kann teuer werden: Rapper Kool Savas muss 10.000 Euro Schmerzensgeld an Jörg Kachelmann zahlen, weil er den Moderator beschimpft hat. Vor Gericht berief sich der Musiker auf die Kunstfreiheit - die Richter konnten in den Beleidigungen aber kein künstlerisches Werk erkennen.

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Berlin - Die Kunstfreiheit hilft nichts, wenn man jemanden beleidigt - diese Erkenntnis macht Kool Savas um 10.000 Euro ärmer. Der Rapper muss wegen einer durch eine Beleidigung verursachte schweren Persönlichkeitsrechtsverletzung ein Schmerzensgeld in dieser Höhe an Wettermoderator Jörg Kachelmann zahlen. Das hat das Landgericht Berlin in einem nun veröffentlichten, noch nicht rechtskräftigen Urteil entschieden.

Kool Savas, mit bürgerlichem Namen Savas Yurderi, hatte sich 2010 auf mehreren Konzerten, unter anderem in Basel und Freiburg, über Kachelmann ausgelassen. Den ehemaligen Wetter-Moderator bezeichnete der selbsternannte "King of Rap" mehrfach als "Arschloch". Auch als "verfickter Wetterfrosch", "Idiot" oder "Bastard" wurde Kachelmann tituliert. Konzertbesucher stellten Mitschnitte der Auftritte ins Internet. Auf der Homepage von "Kool Savas" wurde Kachelmann ebenfalls als "Arrrrrrrrschloch" bezeichnet.

Kachelmann klagte, weil er sein allgemeines Persönlichkeitsrecht verletzt sah. Er forderte Unterlassung und Geldentschädigung. Kool Savas berief sich auf die im Grundgesetz geschützte Kunstfreiheit. Außerdem seien die Äußerungen nur vor einem begrenzten Publikum gefallen. Er könne nichts dafür, wenn Fans illegale Konzertmitschnitte ins Internet stellen. Zwar sei Kachelmann auch auf seiner Homepage mit "Arrrrrrrrschloch" bezeichnet worden, kaum einer habe dies aber bemerkt. Denn mit der geänderten Schreibweise würden Internetsuchmaschinen den Begriff nur schwer finden.

Das Gericht folgte der Argumentation des Rappers nicht. Er habe auf Kachelmanns Kosten gezielt mit seinen Beleidigungen "Sympathie bei seinem Publikum" gewinnen wollen. Die Äußerungen seien vor allem auch deshalb nicht von der Kunstfreiheit gedeckt, weil sie im Rahmen der hier separat zu betrachtenden Moderationen zwischen den Songs gefallen seien. Und diese alleine stellten keine für ein künstlerisches Werk typische "schöpferische Gestaltung" dar, so die Berliner Richter. Kachelmann sei permanent herabgewürdigt und in seiner Ehre verletzt worden.

Die Höhe des Schmerzensgeldes von 10.000 Euro zuzüglich Zinsen sei angemessen, da nur etwa 10.000 Menschen die Äußerungen bei den Auftritten und im Internet zur Kenntnis genommen hätten. Anlass für die Beleidigungen gegen Kachelmann war die bundesweite Berichterstattung über Vergewaltigungsvorwürfe gegen den ehemaligen Wetter-Moderator. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hatte Kachelmann angeklagt, seine Freundin vergewaltigt und verletzt zu haben. Das Landgericht sprach ihn Ende Mai von den Vorwürfen frei.

Az.: 27 O 393/11

ulz/jur

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