John Lennons Besitz in Berlin "Yoko Ono war sehr gerührt"

Tagebücher, Notenblätter, zwei seiner typischen Nickelbrillen: Alle diese Gegenstände aus John Lennons Nachlass wurden vor Jahren geklaut - und tauchten in Berlin wieder auf. Jetzt hat die Polizei sie öffentlich gezeigt.

AP

Tagebücher und handschriftliche Liedtexte, Zigaretten und Nickelbrillen: Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft haben bei einer Pressekonferenz persönliche Gegenstände präsentiert, die einst John Lennon gehörten.

Die gezeigten Stücke sind Eigentum von Lennons Witwe Yoko Ono und waren ihr spätestens im Jahr 2006 gestohlen worden. Mehr als 100 Gegenstände tauchten nun in Berlin wieder auf.

Darunter ist ein Tagebuch, in dem Lennon noch an seinem Todestag einen Eintrag verfasst hatte. Außerdem zeigten die Ermittler zwei weitere Tagebücher aus den Jahren 1975 und 1979 sowie zwei für Lennon typische Nickelbrillen. Eine ist noch mit dem Rezept eines New Yorker Optikers vom 12. Mai 1978 versehen. Der Name des Empfängers ist auf dem braunen Zettel noch heute gut lesbar.

Gestohlen und wiedergefunden wurden auch ein Notenheft, unter anderem mit den Liedern "Woman" und "Just like starting over", das Original-Tonband einer Aufnahme eines Beatles-Konzerts vom 30. August 1965, Vertragsunterlagen, ein Musikpreis von 1980, ein Zigarettenetui mit zehn Zigaretten der Marke Gitanes und ein Schulheft von der City of Liverpool aus dem Jahr 1952. Außerdem sind diverse Postkarten, Zettel, Notizen, Rechnungen und Alltagsgegenstände dabei.

Im Juli hatte der Insolvenzverwalter eines Auktionshauses die Polizei über 86 Gegenstände informiert, die sich in den Räumlichkeiten befanden und John Lennon zugeordnet wurden. Die Kripo ermittelte, informierte die Staatsanwaltschaft und befragte Zeugen. Zuerst habe man sichergehen wollen, dass die Gegenstände echt seien, sagte der Vize-Leiter der Berliner Staatsanwaltschaft, Michael von Hagen. Sogar die auf dem Rezept angegebene Stärke der Brillengläser sei mit Lennons Werten verglichen worden. "Und wir mussten wissen: Sind es möglicherweise Dinge, die von der Witwe verschenkt wurden."

Die Ermittler nahmen Kontakt zum Anwalt von Yoko Ono auf und flogen im Herbst mit einigen Gegenständen und vielen Fotos nach New York. Im deutschen Generalkonsulat trafen sie Ono. Staatsanwältin Susann Wettley sagte: "Sie war sehr gerührt, und man hat deutlich gemerkt, dass sie an diesen Gegenstände hängt und sie natürlich auch gerne zurückhaben will."

In Berlin konzentrierten sich Experten der LKA-Abteilung 444, dem Kommissariat für gestohlene Kunst, auf Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Hehler, von dem die Gegenstände Anfang 2014 an das Auktionshaus gingen.

Am Montagmorgen durchsuchten die Ermittler dann ein Haus, ein Geschäft und eine Pizzeria des Verdächtigen. Zu ihrer großen Überraschung fanden sie im Reserverad-Kasten eines Autos des Verdächtigen eine Mappe mit weiteren Materialien von Lennon. Der mutmaßliche Hehler, ein 58-jähriger Deutscher türkischer Herkunft, sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Der mutmaßliche Dieb ist ein Türke, der von 1995 bis 2006 als Chauffeur für Yoko Ono in New York arbeitete und nun in der Türkei lebt. Er wurde 2007 in New York zu 60 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er heimlich Fotos in Onos Wohnung im Dakota Building gemacht hatte.

Die Berliner Ermittler vermuten, dass er nach und nach Gegenstände aus dem großen Apartment stahl. Die Diebstähle fielen wohl nicht sofort auf. Lennon besaß nach Aussagen der Staatsanwälte unter anderem viele Brillen und eine ganze Uhrensammlung, die noch in den Räumen lagen, in dem Personal von Yoko Ono verkehrte.

Die Objekte gelangten demnach in den nächsten Jahren zunächst in die Türkei und 2013 oder 2014 nach Berlin. Der Verkauf klappte aber in den folgenden Jahren nicht. Laut einem Gutachten des Auktionshauses soll der Wert 3,1 Millionen Euro betragen. Wie viel Geld tatsächlich bei einem illegalen Verkauf fließen würde, ist nach Einschätzung der Staatsanwälte und der Polizei aber unklar.

Schon Ende 2013 soll einer der beiden Verdächtigen eine gestohlene Uhr von Lennon über das Auktionshaus für 600.000 Euro verkauft haben, sagte Carsten Pfohl vom Landeskriminalamt. Die Uhr mit einer persönlichen Widmung hatte Ono ihrem Mann zu seinem letzten Geburtstag zwei Monate vor seinem Tod geschenkt. Ob der Käufer die Uhr wieder herausgeben muss, wird noch geklärt.

bbr/dpa



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