Berlusconis Scheidungstheater "Jetzt ist Schluss"

Scheidung alla Berlusconi: Über die Medien erfuhr der italienische Premier, dass Gattin Veronica Lario die Trennung will. Der 72-Jährige rüstet nun zum Gegenschlag, prangert seine Frau an, fordert eine Entschuldigung. Die Wähler verfolgen die Seifenoper mit Amüsement, Interesse - und Frust.

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Rom - Das hat sie nun davon. Der Cavaliere ist böse, oder, wie er sagt: "Ich bin indigniert." So ließ sich Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi jetzt vernehmen, nachdem er am Sonntag durch die Medien erfahren hatte, dass seine Frau Veronica Lario nach 19 Ehejahren die Scheidung will.

"Das sind private Dinge, sehr private Dinge, die nicht in die Zeitungen gehören", beklagte sich der Medien-Tycoon am Sonntag vor Journalisten in Arcore bei Mailand. Verärgert und schlechtgelaunt reagierte der Ministerpräsident auf den offenbar selbst für ihn unerwarteten Vorstoß seiner Frau. "Ich bin besorgt und traurig", sagte er der "Stampa". Er habe eine "schwierige Situation" aus Liebe zu den Kindern aufrechterhalten, "aber jetzt ist Schluss". Er sehe "keine Möglichkeit weiterzumachen".

Lange Zeit hatte Lario, die seit 29 Jahren mit Berlusconi liiert und seit 1990 mit ihm verheiratet ist, geschwiegen. Auch aus dem politischen Alltagsgeschäft des Gatten hielt sie sich weitgehend heraus, wenngleich sie sich bisweilen kritische Randbemerkungen erlaubte. So kritisierte sie den Einmarsch der US-Truppen im Irak und setzte sich für eine liberalere Gesetzgebung in Sachen künstliche Befruchtung ein.

Anfang 2007 jedoch kam es zum ersten über die Medien ausgetragenen Ehekrach. In der römischen Tageszeitung "Repubblica" hatte Lario damals ihren Mann in einem öffentlichen Brief aufgefordert, sich zu entschuldigen - für dessen im Fernsehen scherzhaft ausgesprochenen Heiratsantrag an seine Parteikollegin Mara Carfagna, die zuvor mit aufreizenden Aktfotos für Furore gesorgt hatte.

In der vergangenen Woche dann hatte sich Lario an die Nachrichtenagentur Ansa gewendet und erklärt, Berlusconis Kandidatinnen für die im Juni anstehenden Europawahlen seien nichts weiter als "schamlose Luder im Dienst der Macht". Ihr Mann würde mit seiner "Frechheit" und "mangelnder Zurückhaltung" die Glaubwürdigkeit aller Frauen untergraben.

Ein Besuch des Premiers in einer Discothek in Neapel brachte das Fass dann offenbar zum Überlaufen. Berlusconi vergnügte sich dort auf der Geburtstagsparty einer attraktiven 18-Jährigen. "Ich kann nicht mit einem Mann zusammen sein, der mit Minderjährigen verkehrt", erklärte Lario am Sonntag und verkündete das Ende ihrer Ehe.

Berlusconi hatte zunächst offenbar noch gehofft, seine Frau werde sich beizeiten beruhigen und der ganze Skandal dem Vergessen anheimfallen. Man wolle, so der 72-Jährige, doch "keine Seifenoper inszenieren". Die allerdings war bereits in vollem Gange und wurde vom Wahlvolk interessiert verfolgt.

Im Internet kursierten sogar erste Gerüchte, wonach es sich bei der schönen 18-Jährigen, Noemi Letizia aus Caloria, gar nicht um die Geliebte, sondern die leibliche Tochter des Premiers handeln könnte. "Dann sollte man schleunigst einen DNA-Test machen", forderten Blogger auf der Internet-Seite der Wochenzeitschrift "Espresso" bissig.

"Denken die denn, ich bin verrückt?"

Am Ende könne Berlusconi von einer solchen Vaterschaft sogar noch profitieren, denn nichts liebten die Italiener schließlich mehr als eine schmalzige Telenovela. Und das Bild von einem Vater, der seine verlorene Tochter in den Arm schließt, sei allemal vorteilhafter als die Vorstellung, der Ministerpräsident könne Sex mit Minderjährigen haben.

Noemi Letizia hatte kurz nach dem Skandal im Interview mit der "Repubblica" beteuert, Berlusconi sei "ein Freund der Familie" und habe sie "so gern wie eine Tochter". Der Premier selbst sagte der "Stampa", der Vater der schönen Blonden habe ihn inständig gebeten, zu der Geburtstagsfeier zu kommen. "Ich schwöre es", so Berlusconi. "Wie kann man denn annehmen, dass ich die ganze Familie besuchen würde, wenn da etwas dran wäre - denken die denn, ich bin verrückt?"

Warum Letizia ihn Papi nenne, wollte der "Corriere della sera" wissen. "Das ist ein Scherz, sie wollte mich zuerst Opa nennen, da ist Papi schon besser, oder?" Die Vorwürfe der First Lady seien einfach unglaublich, maulte der Premier: "Sie sollte sich schämen. Das hat sie getan, um die Kinder gegen mich aufzuhetzen." Die allerdings halten sich aus der öffentlichen Diskussion um die Eltern komplett heraus. Die 23-jährige Eleonora studiert in New York Wirtschaftswissenschaften, die zwei Jahre ältere Tochter Barbara erwartet gerade ihr zweites Kind und enthält sich wie ihr in Malta weilender 21-jähriger Bruder Luigi jeden Kommentars.



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