Bewegende Videobotschaft Ellen DeGeneres kämpft gegen Cyber-Mobbing

Der Selbstmord des 18-jährigen Tyler Clementi hat Talkshow-Moderatorin Ellen DeGeneres sichtlich verstört. In einer Videobotschaft prangerte sie nun unter Tränen das Mobbing von homosexuellen Teenagern in den USA an. "Wir müssen diese Epidemie stoppen!"

Getty Images

New York - Die Selbstmordserie unter homosexuellen Teenagern entsetzt viele Menschen in den USA. Allein in den vergangenen drei Wochen haben sich vier Jugendliche umgebracht, nachdem sie zuvor im Internet von Schulkameraden und Kommilitonen wegen ihrer sexuellen Orientierung gemobbt worden sind.

Am Mittwoch wurde nun der Leichnam des 18-jährigen Tyler Clementi aus dem Hudson gezogen. Er hatte vergangene Woche auf seiner Facebook-Seite angekündigt, sich von der George Washington Bridge zu stürzen. Zwei seiner Kommilitonen an der Rutgers Universität in New Jersey sollen ihn zuvor heimlich beim Sex mit einem Jungen gefilmt und das Video dann ins Internet gestellt haben.

Ungewohnt ernst meldete sich jetzt eine der prominentesten Homosexuellen der USA zu Wort. "Ich bin sehr traurig über den Tod von Tyler Clementi", sagt Talk-Moderatorin Ellen DeGeneres in einer Videobotschaft auf ihrer Website. "Schon wieder ein Leben auf diese sinnlose Art und Weise zu verlieren, ist tragisch."

Die Moderatorin erinnerte daran, dass sich allein im September drei weitere homosexuelle Schüler und Studenten nach Anfeindungen wegen ihrer sexuellen Orientierung umgebracht hätten. In Kalifornien erhängte sich der 13-jährige Seth Walsh, nachdem er zuvor in der Schule gehänselt worden war. Asher Brown, ebenfalls 13 Jahre alt, schoss sich in Texas in den Kopf. Nach Angaben seiner Eltern war er zuvor zwei Jahre lang der Häme seiner Schulkameraden ausgesetzt gewesen. Billy Lucas, 15, setzte seinem Leben ein Ende, weil Klassenkameraden seine sexuelle Orientierung und die Art seiner Kleidung in Frage gestellt hatten.

"Das muss für uns alle ein Weckruf sein", forderte DeGeneres in ihrer Botschaft. "Mobbing unter Teenagern ist zu einer Epidemie in diesem Land geworden. Wir haben die verdammte Pflicht, das zu ändern."

Die beiden Kommilitonen, die das Video von Tyler Clementi ins Netz gestellt haben sollen, müssen sich wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten vor Gericht verantworten. Staatsanwalt Bruce J. Kaplan kündigte an: "Sollte sich herausstellen, dass Schwulenhass bei dem Vorfall eine Rolle gespielt hat, wird das eine empfindliche Strafe nach sich ziehen." Bis zu fünf Jahre Haft drohen den beiden mutmaßlichen Cyber-Mobbern.

Strafen für die Täter sind das eine. DeGeneres will in ihrem aufrüttelnden Statement, in dem die lesbische Moderatorin sichtbar mit den Tränen kämpft, vor allem den unzähligen anonymen Opfern Mut machen, die in den USA unter der Homophobie ihres Umfelds leiden müssen. "Ich weiß, was ihr durchmacht", sagte DeGeneres, die seit 2008 mit der Schauspielerin Portia de Rossi verheiratet ist. "Glaubt mir, die Dinge werden eines Tages einfacher werden. Aber ihr müsst am Leben bleiben, um es zu erleben."

kng/AP



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