Prozess wegen sexueller Nötigung Hauptbelastungszeugin erneuert Vorwürfe gegen Cosby

Er soll sie erst betäubt und dann missbraucht haben: In einem erneuten Prozess gegen US-Fernsehstar Bill Cosby stand nun Andrea Constand im Zeugenstand - und forderte Gerechtigkeit.

Bill Cosby
AP

Bill Cosby


Im neu aufgerollten Strafprozess gegen Bill Cosby wegen sexueller Nötigung gar erstmals die Hauptbelastungszeugin ausgesagt. Andrea Constand ist das einzige mutmaßliche Opfer Cosbys, dessen Vorwürfe zur Zeit der Anklage noch nicht verjährt waren.

Constand arbeitete 2004 für die Temple University in Philadelphia, deren prominentester Absolvent und Mäzen Cosby war. Die heute 45-Jährige wirft Cosby vor, sie damals in seiner Villa missbraucht zu haben. Cosby streitet die Vorwürfe ab. Es sei zwar zum Sex gekommen, aber dieser sei "einvernehmlich" gewesen.

Als Constand gefragt wurde, warum sie aussage, antwortete sie: "Damit es Gerechtigkeit gibt."

Cosby habe ihr Pillen angeboten, nachdem sie gesagt habe, dass sie gestresst sei. Er habe ihr versprochen, die Tabletten seien ihre "Freunde" und würden ihr helfen, sich zu entspannen. Stattdessen sei sie ohnmächtig geworden. Als sie wieder zu sich gekommen sei, habe Cosby gegen ihren Willen sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen. Sie sei aber nicht in der Lage gewesen, sich dagegen zu wehren.

Fotostrecke

11  Bilder
Prozess in Pennsylvania: Der Fall Cosby

Insgesamt sagen fünf Zeuginnen in dem Prozess gegen Cosby aus. Die bekannteste ist Ex-Supermodel Janice Dickinson. Die heute 62-Jährige beschuldigt Cosby, sie 1982 betäubt und vergewaltigt zu haben. Zudem hat sie ihn wegen Verleumdung verklagt, weil er sie als Lügnerin bezeichnet hat.

Cosby kann nur wegen der Vorwürfe von Constand verurteilt werden, die anderen Taten sind bereits verjährt. Cosbys Verteidiger, Thomas Mesereau, bezeichnete Constand in seinem Eröffnungsplädoyer als "Trickbetrügerin". Die 45-Jährige habe schon länger finanzielle Probleme gehabt und von dem 80-jährigen Angeklagten nur eines gewollt: "Geld, Geld, Geld."

Cosby habe der Frau bereits einige Monate nach dem Vorfall in einer außergerichtlichen Einigung 3,38 Millionen Dollar (heute umgerechnet rund 2,75 Millionen Euro) gezahlt. Staatsanwalt Kevin Steele sieht das als Schuldeingeständnis Cosbys - die Verteidigung als Beweis dafür, dass es Constand nur auf das Geld des Entertainers abgesehen hatte.

Staatsanwalt gibt sich zuversichtlich

Ein erster Prozess gegen Cosby, der in den Achtzigerjahren mit der "Bill Cosby Show" weltberühmt geworden war, war vor rund zehn Monaten geplatzt, weil die damalige Jury sich auch nach tagelangen Beratungen nicht auf ein Urteil hatte einigen können. Das jetzige Verfahren mit neuen Geschworenen kann mehrere Wochen dauern (lesen Sie hier die Hintergründe des Falls).

Bei einer Verurteilung droht Cosby eine lange Haftstrafe. Der Staatsanwalt hatte sich am Montag zuversichtlich geäußert, dass Cosby in drei Anklagepunkten wegen eines schweren sexuellen Übergriffs verurteilt wird. Die Darstellung des einstigen Fernsehstars, die Begegnung mit Constand sei einvernehmlich abgelaufen, wies Steele zurück: Angesichts der verabreichten Beruhigungsmittel sei Constand damals gar nicht in der Lage gewesen, "irgendetwas zuzustimmen".

koe/AP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.