Bohlens Pöbeleien Kakerlaken im Koma

Rekordverdächtig: Dieter Bohlen, der sich in der Rolle der verbalen Dreckschleuder gefällt, soll sich in den neuen "Superstar"-Folgen in selbst für seine Verhältnisse wüsten Pöbelorgien ergehen. Sogar Bohlens beste Freunde, "Bild"-Zeitung und RTL, wenden sich mit werbewirksamem Grausen ab.


Berlin - Der Spruch klingt bekannt: "Ich kann das nicht, dieses Nette, und ich bin auch nicht der Diplomat vor dem Herrn", sagt Musikproduzent Dieter Bohlen. "Persönlich kränken will ich niemanden, nur einigen vielleicht ein bisschen drastisch sagen, dass sie scheiße singen." Ab heute Abend dürfen sich die Zuschauer bei der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" ("DSDS") wieder auf einiges gefasst machen, unter anderem auf ätzende Sprüche von Bohlen.

Bohlen beim Finale der letzten Staffel: "Durchgeorgelt"
DDP

Bohlen beim Finale der letzten Staffel: "Durchgeorgelt"

Doch so heftig wie in dieser Staffel waren die Beleidigungen Bohlens laut "Bild"-Zeitung noch nie. "Du stehst da wie ein Schwanz in der Hochzeitsnacht. Aber am Ende kommt auch bei dir nichts raus", soll der Produzent bei der Aufzeichnung zu einem Kandidaten gesagt haben. Oder: "Damit kannst du Kakerlaken ins Koma singen." - "Bei mir kommen solche Geräusche aus anderen Öffnungen", "Jeder Hasen-Pups hat mehr Power" und "Warst du in der Kirche? Siehst so durchgeorgelt aus" - Bohlen scheint sich selbst treu und kontinuierlich auf einem Niveau unter der Gürtellinie zu bleiben. Selbst vor Aussagen wie "Du singst, als wenn du 'ne Klobürste im Arsch hättest" schreckt Bohlen demnach nicht zurück.

Aber RTL. Einige der Verbalinjurien wurden dem Zeitungsbericht zufolge aus der Sendung geschnitten, damit die Zuschauer nicht dasselbe Niveau wie die "DSDS"-Kandidaten erleiden müssen. Selbst die "Bild"-Zeitung, das Blatt an Bohlens Seite, fragt sich: "Geht er diesmal zu weit?" Und titelt: "Jetzt dreht Bohlen durch!" Andererseits: Den Quoten wird es nicht schaden.

Jauch muss weichen

Gemeinsam mit seinen Jury-Kollegen, BMG-Mitbegründer Heinz Henn und der neu hinzugekommenen Anja Lukaseder, nimmt der 52-jährige Bohlen ab heute Abend erneut Tausende mehr oder weniger talentierte Sangeskandidaten unter die Lupe. Mit einem Bewerberrekord von 28.597 Kandidaten - nach Angaben des Senders doppelt so viele wie in der vergangenen Ausgabe - startet die vierte Staffel des Formats. Gecastet wurde in sieben deutschen Städten sowie erstmals auf Mallorca. Von Anfang August bis Mitte November suchte die Jury die besten Sänger aus. Der Sieger der Finalshow im Mai erhält einen Plattenvertrag.

Jeweils mittwochs und samstags (20.15 Uhr) zeigt der Sender die neuen Folgen, die mit Castings auf der spanischen Ferieninsel und in Wiesbaden starten. Die Live-"Motto-Shows" mit den zehn letzten Kandidaten laufen ab 24. Februar jeweils samstags um 20.15 Uhr. Günther Jauchs Quizshow "Wer wird Millionär?" entfällt nach Senderangaben samstags für die Zeit von "DSDS".

In den vergangenen Jahren fuhr RTL mit seiner Ausgabe der von Produzent Simon Fuller entwickelten und weltweit erfolgreichen Show stets gute Quoten ein. Die dritte Staffel sahen im Schnitt 5,74 Millionen Zuschauer. Das Finale im März 2006, bei dem Rocker Tobias Regner von den Zuschauern zum Sieger gewählt wurde, erreichte sieben Millionen. Und auch bei der neuen Staffel geht der Sender nach den Worten einer Sprecherin von einem Erfolg aus. Um die meisten früheren "Superstars" wie Alexander Klaws, Daniel Küblböck und Elli Erl ist es unterdessen wieder ziemlich still geworden.

Wasserattacke auf Jury

Auch für die neue Runde verspricht der Sender "lustige Sprüche", "phantastische Stimmen" und "schräge Kandidaten". So zum Beispiel Bewerber John, der nicht nur den Titel "Ring of Fire" vortrug, sondern bei dem laut RTL nach Kritik an seiner Darbietung offenbar die Sicherungen durchbrannten, denn er "überschüttete Dieter Bohlen und Kollege Henn mal eben mit einer Wasserladung". Jury-Mitglied und Musik- und Künstlermanagerin Lukaseder mag aber "diese ganz glatten Typen nicht so sehr, lieber einen mit Kanten und Wiedererkennungswert".

Moderiert wird die neue Ausgabe wieder von Marco Schreyl und Tooske Ragas. Die Niederländerin erwartet Anfang Februar ihr erstes Kind und wird dann eine Weile nicht auf dem Bildschirm zu sehen sein. Bei den "Motto-Shows" mit den zehn Finalisten, bei denen die Zuschauer die Qual der Wahl haben, soll die 32-Jährige nach Angaben des Senders wieder dabei sein.

"DSDS"-Veteran Bohlen hat für die vierte Staffel einen besonderen Wunsch: "Für mich wäre es wirklich ein Traum, wenn in der vierten Staffel der neue deutsche Superstar deutsch singen würde." Aber natürlich so, dass keine Kakerlaken ins Koma fallen, versteht sich. Und die "Süddeutsche Zeitung" fragt sich, "ob sich der Mann schon mal selbst singen gehört hat".

Nathalie Waehlisch, ddp



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