Angebliche Fälschung Verwirrung über Boris Beckers Diplomatenpass

In Boris Beckers Insolvenzverfahren und dem Streit über seine Position als Attaché der Zentralafrikanischen Republik gibt es die nächste Volte: Angeblich ist der Diplomatenpass des Ex-Tennisstars eine Fälschung.

Boris Becker
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Boris Beckers Diplomatenpass der Zentralafrikanischen Republik soll eine mit einem gestohlenen Blankopass erstellte Fälschung sein. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP und beruft sich auf den Büroleiter von Außenminister Charles-Armel Doubane, Chérubin Moroubama.

Becker ist seit April Sonderattaché der Zentralafrikanischen Republik für Sport und kulturelle Angelegenheiten in der Europäischen Union. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass er die Position nutzen will, um sein Insolvenzverfahren zu beenden.

Beckers Anwälte verwiesen in diesem Zusammenhang vor einem britischen Gericht auch auf seinen Diplomatenpass. Der dreimalige Wimbledonsieger war im Juni 2017 von einem Konkursgericht in London wegen unbeglichener Schulden für zahlungsunfähig erklärt worden. Becker bestreitet, pleite zu sein und bezeichnet das Verfahren als "Farce".

Beckers Stellenbeschreibung gebe es nicht in den Regierungsdatenbanken, wird Moroubama nun zitiert. Der fragliche Ausweis, von dem AFP eine Kopie einsehen konnte, ist auf den 19. März 2018 datiert und trägt eine Seriennummer, die nach Angaben des Büroleiters zu "2014 gestohlenen Blankopässen passt".

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Boris Becker: Up and down, up and down

Außerdem seien die Unterschrift und der Stempel auf dem Dokument nicht die des Außenministers. Darüber hinaus habe das dort angegebene Aufgabengebiet "Finanzen" "nichts mit sportlichen Fragen zu tun".

Diese Aussage deckt sich mit einer Mitteilung von Außenminister Doubane. Er hatte gesagt, damit Becker offizieller Diplomat sein könne, bedürfe es auch der Unterschrift des Außenministers. "Ich habe entsprechende Dokumente nie unterzeichnet", sagte Doubane.

In einem Interview mit der Deutschen Welle wurde Doubane vorgehalten, es gebe einen entsprechenden Pass Beckers - zudem würden sich Pässe des Landes verkaufen "wie geschnitten Brot". Doubane antwortete, er müsse Beckers Pass sehen, um ihn in Hinblick auf Stempel und Unterschrift prüfen zu können. Abgesehen davon sei von ihm nie ein gültiger Pass verkauft worden. Doubane ist seit 2016 im Amt.

Insolvenzverfahren ruht vorerst

Um die Verwirrung komplett zu machen, hatte sich auch der Botschafter des Landes in Brüssel, Daniel Emery Dede, in die Diskussion eingemischt. Er hatte Becker in einer Pressemitteilung einen vom Präsidenten ernannten Diplomaten genannt. Becker selbst hatte Ende April seine Ernennung via Twitter öffentlich gemacht.

Fraglich ist angesichts des ganzen Hin und Her ohnehin, ob ein Diplomatenstatus überhaupt Relevanz für das Insolvenzverfahren hat. Das Gericht in London hat angekündigt, die Frage der diplomatischen Immunität Beckers zu prüfen. Bis das abgeschlossen ist, ruht das Insolvenzverfahren. Für den 5. Oktober ist ein Gerichtstermin angesetzt - dann soll beraten werden, wie es weitergeht.

Das britische Insolvenzrecht sieht vor, dass ein Insolvenzverwalter das Vermögen des Betroffenen sichert und irgendwann zu Geld macht. Das Verfahren endet in der Regel bereits nach einem Jahr. Demnach wäre Becker am 21. Juni schuldenfrei gewesen - diese Frist ist nach der Ankündigung des Gerichts nun hinfällig.

Bereits am 31. Mai hatte Insolvenzverwalter Mark Ford bei Gericht verlangt, die Frist zu verlängern. Offenbar hat er Beckers Vermögenslage noch nicht abschließend klären können. In einem Statement rügte Ford, Becker habe ihm Informationen vorenthalten.

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ulz/AFP



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