Immunität im Insolvenzverfahren Ist Boris Becker überhaupt Diplomat?

Boris Becker will seine Position als Attaché der Zentralafrikanischen Republik nutzen, um ein Insolvenzverfahren zu beenden. Doch in dem Land herrscht offenbar Uneinigkeit über den Status des Ex-Tennisstars.

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In der Zentralafrikanischen Republik gibt es offenbar Zweifel am Diplomatenstatus von Boris Becker. Er sei "kein offizieller Diplomat", sagte Außenminister Charles-Armel Doubane der "Welt".

Becker ist seit April Sonderattaché der Zentralafrikanischen Republik für Sport und kulturelle Angelegenheiten in der Europäischen Union. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass er die Position nutzen will, um sein Insolvenzverfahren zu beenden.

Doch das könnte möglicherweise schwierig werden: Sein Land könne "Boris Becker vor einem Gericht nicht schützen", sagte Außenminister Doubane laut dem Zeitungsbericht. Damit Becker offizieller Diplomat sein könne, bedürfe es auch der Unterschrift des Außenministers. "Ich habe entsprechende Dokumente nie unterzeichnet", sagte Doubane.

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Boris Becker: Up and down, up and down

Seine Worte stehen in Widerspruch zu der Aussage eines anderen hochrangigen Vertreters des Landes. Erst am Sonntag hatte der Botschafter des Landes in Brüssel, Daniel Emery Dede, Becker in einer Pressemitteilung einen vom Präsidenten ernannten Diplomaten genannt. Rechte und Pflichten von Diplomaten seien durch das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen geregelt. "Wir sind überzeugt, dass sich alle Länder, die dem Übereinkommen beigetreten sind, an dieses halten", hieß es in dem Statement.

Insbesondere England habe in der Vergangenheit bewiesen, dass das Land alle Diplomaten und deren Rechte respektiere. "Das wird im Fall des Diplomaten Becker auch nicht anders sein", sagte der Botschafter laut dem Statement. Zuvor hatte Dede bereits der "Deutschen Welle" in einem Interview gesagt, dass Becker dank seines zentralafrikanischen Diplomatenausweises diplomatische Immunität genießen müsste.

Vor knapp einem Jahr erklärte ein Gericht in London den früheren Tennisstar für insolvent - auf Antrag der Privatbank Arbuthnot Latham & Co., die von Becker mehr als elf Millionen Euro fordert. Das britische Insolvenzrecht sieht vor, dass ein Insolvenzverwalter das Vermögen des Betroffenen sichert und irgendwann zu Geld macht. Das Verfahren endet in der Regel bereits nach einem Jahr. Demnach wäre Becker am 21. Juni schuldenfrei.

Am 31. Mai aber beantragte Insolvenzverwalter Ford bei Gericht, die Frist zu verlängern. Offenbar hat er Beckers Vermögenslage noch nicht abschließend klären können. In einem Statement rügte Ford, Becker habe ihm Informationen vorenthalten. Bereits im Januar bat der Insolvenzverwalter öffentlich um Hinweise - mehrere Trophäen Beckers seien nicht auffindbar.

Boris Becker könne ohne die Zustimmung der Zentralafrikanischen Republik keinem rechtlichen Verfahren unterworfen werden, teilten seine britischen Anwälte mit. Ob die Argumentation vor dem Gericht in London verfängt, bleibt abzuwarten.

Insolvenzverwalter Mark Ford sagte jedenfalls, man begrüße Beckers Auftrag, den Sport in der Zentralafrikanischen Republik zu fördern. "Wir glauben aber, dass dieses Engagement keinen wesentlichen Einfluss auf das Insolvenzverfahren hat."

Video: Boris Beckers - Gefallener Held

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jpz/dpa



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