Boris Becker "Es ist ein Fakt, dass ich heute Diplomat von Zentralafrika bin"

"Ich als weißer, blauäugiger Deutscher genieße größten Respekt in Afrika": In einem Interview bezeichnet sich Boris Becker als Diplomat der Zentralafrikanischen Republik. Der Außenminister des Landes sieht das anders.

Boris Becker (Archivfoto)
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Die Stimmung zwischen manchen Vertretern der Zentralafrikanischen Republik und ihrem bekanntesten deutschen Repräsentanten ist getrübt. Das Hin und Her zur Frage, ob Boris Beckers Diplomatenpass echt ist und ob der frühere Tennisstar dadurch diplomatische Immunität genießt, trägt die Züge einer Farce.

Becker hat sich nun selbst dazu geäußert. "Es ist aber nun eine Realität, es ist ein Fakt, dass ich heute Diplomat von Zentralafrika bin", sagte er in einem per Video veröffentlichten Interview des "Top Magazin Frankfurt". Becker selbst hatte Ende April seine Ernennung zum Attaché für Sport, Kultur und humanitäre Angelegenheiten via Twitter durch Staatspräsident Faustin Archange Touadéra öffentlich gemacht.

Er habe den Pass im April von Daniel Emery Dede bekommen, dem Botschafter des Landes in Brüssel. Mehr könne er dazu nicht sagen. Tatsächlich hatte Dede bestätigt, die Tennis-Legende habe einen Diplomatenpass und könne sich in einem Insolvenzverfahren auf diplomatische Immunität berufen.

Diese Aussage steht in Widerspruch zu der Position des Außenministers der Zentralafrikanischen Republik. Charles-Armel Doubane bestreitet, dass Becker diplomatische Immunität genießt. Der Diplomatenpass sei eine Fälschung, die Seriennummer passe zu Dokumenten, die gestohlen worden seien. Auch die Unterschrift auf dem Pass habe er nicht geleistet. Man werde eine Untersuchung starten, wer den gefälschten Pass an Becker ausgestellt habe.

Die Frage, ob Becker diplomatische Immunität genießt, ist für ein Insolvenzverfahren gegen den 50-Jährigen in London wichtig. Der dreimalige Wimbledonsieger war im Juni 2017 von einem Konkursgericht in London wegen unbeglichener Schulden für zahlungsunfähig erklärt worden. Becker bestreitet, pleite zu sein und bezeichnet das Verfahren als "Farce".

In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass er die Position als Attaché nutzen will, um sein Insolvenzverfahren zu beenden. Seine Anwälte verwiesen in diesem Zusammenhang auch auf seine angebliche diplomatische Immunität.

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Nach Bekanntwerden des juristischen Manövers war Beckers deutscher Anwalt dem Verdacht entgegengetreten, Becker habe diesen Status angestrebt, um sich dem Verfahren zu entziehen. Das bekräftigte Becker nun in dem Interview. Der Posten habe nichts mit dem Verfahren in der britischen Hauptstadt zu tun. "Es ist richtig, dass mein Diplomatenstatus einige Privilegien beinhaltet. Zum Beispiel Immunität bei den besonderen Fällen, das muss man prüfen, aber das ist für mich nicht vordergründig wichtig."

Das britische Insolvenzrecht sieht vor, dass ein Insolvenzverwalter das Vermögen des Betroffenen sichert und irgendwann zu Geld macht. Das Verfahren endet in der Regel bereits nach einem Jahr. Demnach wäre Becker am 21. Juni schuldenfrei gewesen.

Becker sagte nun, das Insolvenzjahr, das eigentlich diese Woche habe enden sollen, sei bis Ende Juli verlängert worden. Dann werde entschieden, ob sein Insolvenzjahr abgelaufen sei oder nicht.

"Mein normales Leben sollte weitergehen"

Diese Aussage passt jedoch nicht so recht zu Berichten britischer Medien. Demnach hat das Gericht angekündigt, die Frage der diplomatischen Immunität Beckers zu prüfen. Bis das abgeschlossen ist, ruht demnach das Insolvenzverfahren. Für den 5. Oktober ist ein Gerichtstermin angesetzt - dann soll beraten werden, wie es weitergeht.

Er habe seine Schulden beim Insolvenzverwalter bezahlt, sagte Becker. "Mein normales Leben sollte weitergehen." Der Hauptgläubiger, eine englische Privatbank, meine aber, er schulde mehr als doppelt so viel aufgrund von 25 Prozent Zinsen. Dies sei aber "weder rechtskräftig, noch rechtswirksam". Das sei der Grund, warum man sich vor Gericht noch nicht einig geworden sei.

Vage blieb Becker bei der Frage, wie sein Engagement für das bitterarme Zentralafrika konkret aussehen wird. Er habe in Afrika ein sehr gutes Netzwerk, sagte er - und kündigte an, bald nach Bangui zu fliegen, um sich mit den Verantwortlichen zu besprechen - gemeint ist offenbar die Regierung.

Er habe auch aufgrund seiner familiären Situation Rassismus und Vorurteile erlebt. Er werde sein Bestes tun, um diese Vorurteile zu verändern. "Ich als weißer, blauäugiger Deutscher genieße größten Respekt in Afrika und in Asien", sagte Becker.

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ulz/dpa



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