Schuldenstreit mit Boris Becker Clevens öffentliche Abrechnung

Hans-Dieter Cleven verlangt von Boris Becker 36,5 Millionen Euro. In einem Interview erzählt er detailliert, wie die Schulden entstanden. Beckers Anwalt spricht von "zum Teil falschen oder irreführenden Äußerungen".

Hans-Dieter Cleven und Boris Becker 2005 in München
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Hans-Dieter Cleven und Boris Becker 2005 in München


Boris Becker schuldet seinem ehemaligen Geschäftspartner Hans-Dieter Cleven mehr als 36 Millionen Euro - das hat ein Schweizer Gericht festgestellt. Becker muss die Schulden zwar noch nicht zurückzahlen, weil eine Kündigung des Darlehens nicht ausgesprochen wurde - aber an der Höhe der Verbindlichkeiten gibt es keinen Zweifel. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung schilderte Cleven nun, wie Becker die Schulden anhäufte und warum er nicht früher vor Gericht zog.

Er habe Becker mehrmals Geld geliehen, sagte Cleven. Für eine Steuerrückzahlung und Strafzahlungen habe er dem dreimaligen Wimbledon-Sieger bis 2006 etwa 15 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Als Sicherheit sollte demnach Beckers Finca auf Mallorca dienen, die damals auf den gleichen Betrag geschätzt worden sei.

Becker soll Cleven die Finca 2015 noch einmal als Sicherheit angeboten haben - nachdem er sie kurz zuvor bereits für einen Freund in London mit einer Hypothek belastet habe, behauptet Cleven.

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Boris Becker: Up and down, up and down

"Es gab eine Darlehnsaufstellung, die regelmäßig von ihm unterschrieben wurde", sagte Cleven in dem Interview weiter. Becker habe zwischendurch auch immer mal wieder Geld zurückgezahlt. "Ich habe geglaubt, dass wir eines Tages eine Lösung finden werden", so Cleven.

Bereits Ende 2008 habe Becker ihm "alle privaten Vermögenswerte" als Sicherheit überschrieben. Dazu hätten neben der Finca auf Mallorca das Elternhaus in Leimen, Autohäuser in Ostdeutschland und die Londoner Wohnung gezählt, in der Angela Ermakova und die gemeinsame Tochter Anna lebten. Damals hätten die Schulden 20 Millionen Euro betragen.

Cleven wirft Becker vor, einige der Sicherheiten verwertet zu haben, ohne den Erlös an ihn weiterzuleiten. Im März 2015 habe er versucht, Becker zu einem notariellen Schuldanerkenntnis zu bewegen. Dies sei sein letzter Versuch gewesen, die Probleme ohne Öffentlichkeit zu lösen, sagt er.

Notartermin kurzfristig abgesagt

Becker hätte die Schuld, die er schon mehrfach eingeräumt habe, bei einem Notar bestätigen sollen. Dann hätte Cleven eine Zwangsvollstreckung durchsetzen können, wenn Becker seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen wäre. Becker habe einen vereinbarten Notartermin allerdings kurz vorher abgesagt.

Offenbar wollte Cleven es lange vermeiden, dass die Öffentlichkeit von Beckers Schulden erfährt. Deshalb habe er darauf verzichtet, beispielsweise das Haus in Leimen, in dem Beckers Mutter wohnte, mit einer Hypothek zu belasten und dieses ins Grundbuch eintragen zu lassen, sagte er in dem Interview weiter.

"In der Sache haben wir das letzte Mal im März 2015 gesprochen. Es war der letzte Versuch, die Probleme, die immer größer wurden, ohne Öffentlichkeit zu lösen", sagt Cleven.

Beckers Anwalt Christian-Oliver Moser spricht von "zum Teil falschen oder irreführenden Äußerungen". Dagegen werde er entsprechende gerichtliche Maßnahmen ergreifen. Moser wies in einer Stellungnahmen zudem darauf hin, dass Cleven zunächst angegeben habe, er werde persönlich keine Auskünfte zu dem Thema machen, nun aber doch in einer Boulevardzeitung darüber sprach.

Ende Juni hatte ein britisches Konkursgericht Boris Becker für zahlungsunfähig erklärt, weil er seine Schulden in nicht genannter Höhe bei einer britischen Privatbank nicht rechtzeitig beglichen hatte. Becker sagte der "Süddeutschen Zeitung" daraufhin, er sei nicht pleite. Seither äußert er sich nicht mehr zu seinen finanziellen Verhältnissen.

Cleven will seine Forderung gegen den früheren Tennisprofi auch in dem britischen Insolvenzverfahren anmelden.

brt

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