Brett Ratner: Frech wie Oscar

Ein Ausrutscher kommt selten allein: Regisseur Brett Ratner sollte eigentlich die nächste Oscar-Nacht produzieren, es war sein Traumjob. Auf der Werbetour für seinen neuen Film aber wurde ihm sein loses Mundwerk zum Verhängnis. Nicht nur einmal.

Brett Ratner: Proben ist nur was für Schwuchteln Fotos
Getty Images

Los Angeles - Klappern gehört zum Handwerk eines Regisseurs, erst recht, wenn er gerade einen Film veröffentlicht hat. Brett Ratner führte dazu sein jüngstes Werk "Aushilfsgangster" öffentlich vor, stellte sich den Fragen der Journalisten, war zu Gast in Howard Sterns berühmter Radiosendung und trat schließlich im Fernsehen auf. Um Werbung zu machen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die PR-Tour ging gewaltig nach hinten los. Bei der Vorstellung des Films fragte ein Journalist, ob er während der Dreharbeiten einzelne Szenen mit seinen Schauspielern probe. "Was ist das, proben?", sagte Ratner. "Proben ist was für Schwuchteln."

Das war der erste Streich. Die amerikanische Empörungsmaschine lief souverän an und der Vorfall allein hätte gereicht, um Ratner die Oscar-Nacht wegzunehmen. Der 42-Jährige hätte sie im Februar kommenden Jahres produzieren sollen. Den Auftrag ist er jetzt los. Denn dann kam es noch besser.

Die meisten amerikanischen Zeitungen berichten erst gar nicht explizit über das, was Ratner bei Howard Stern und im Kabelsender G4 sagte. Denn explizit war Ratner schon selbst. Er redete über Sex: Mit wem er ihn hatte und wie. Dabei traten als Protagonistinnen auf: Lindsay Lohan und Olivia Munn, zwei Schauspielerinnen, über die die Welt nun Dinge weiß, die nicht notwendigerweise in die Hauptnachrichten passen.

Munn habe er, nun ja, besser kennengelernt, als sie am Set von "After the Sunset" herumgelungert habe. "Dann habe ich sie vergessen", sagte Ratner, um kurz darauf seine Fähigkeiten als Liebhaber zu preisen ("Ich bin wahrscheinlich der weltbeste") und seine körperlichen Vorzüge zu unterstreichen ("I have huge balls").

Es ging dann noch ein bisschen weiter so, er ließ auch nicht den Themenschwerpunkt "Geschlechtskrankheiten und Lindsay Lohan" aus und ergänzte noch ärztliche Befunde seiner überdurchschnittlichen Zeugungsfähigkeit.

Jetzt tut Ratner alles leid. Und Oscar-Boss Tom Sherak bestätigte Ratners Rückzug. "Worte haben Bedeutung und sie haben Konsequenzen. Brett ist ein guter Mensch, aber seine Kommentare waren inakzeptabel".

Im September hatte Ratner den Komiker Eddie Murphy für die Rolle des Gastgebers der Oscar-Gala angeheuert. Murphy ist ein guter Freund Ratners, er spielt auch eine der Hauptrollen in "Aushilfsgangster". Zum ersten Mal würde er durch die Glamour-Show im Kodak Theatre führen. Es war zunächst unklar, ob Ratners Rücktritt auch für Murphy Folgen haben könnte.

Vor seiner Karriere in Hollywood mit Filmen wie "Rush Hour", "X-Men: Der letzte Widerstand" und "Roter Drache" machte sich Ratner als Regisseur von Musikvideos einen Namen. Er arbeitet mit Größen wie Madonna, Mariah Carey und P. Diddy zusammen. Jackie Chan verhalf er mit den "Rush Hour"-Action-Komödien zu Weltruhm.

jbr/dpa

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