Britischer Skandal-Künstler Zu unmoralisch für die USA?

Dem verhaltensauffälligen Künstler Sebastian Horsley ist am Flughafen in New York die Einreise aus Großbritannien verweigert worden. Die kuriose Begründung: Er sei "moralisch verkommen". Der Fall sorgt selbst in Amerika für Spott.


Sebastian Horsley ist kein Mann der leisen Töne. Der britische Künstler prahlt gern, mit Tausenden Prostituierten geschlafen und jede denkbare Droge genommen zu haben. Auf den Philippinen ließ er sich einst an ein Kreuz nageln und dabei filmen.

Schriller Künstler Horsley: Moralisch verkommen? Das sieht er auch so
REUTERS

Schriller Künstler Horsley: Moralisch verkommen? Das sieht er auch so

Auch bei seiner Ankunft am Flughafen von Newark in diesem Monat stach der 45-jährige Maler heraus. Er trug einen hohen Zylinder und eine knallrote Samtweste. Der Künstler war in bester Partylaune - eine ganze Horde Freunde wartete in New York, um mit ihm die Veröffentlichung seines Buches "Dandy in the Underworld" zu feiern.

Nur: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind die USA zumindest bei der Einreisepolitik nicht mehr. Als Horsley gerade seine Finger auf eine der Erkennungsmaschinen legen wollte, so schildert es die International Herald Tribune", baten ihn Grenzbeamte in einen kahlen Nebenraum. Und da musste der selbsternannte Dandy acht Stunden lang unbequeme Fragen beantworten: Ob er schon einmal verhaftet worden sei? Wie er zu Drogen stände? Und vor allem: Wie sein Verhältnis zu Kate Moss sei, der bekannten Kokain-Sünderin?

Horsley erzählte den Beamten bereitwillig von seinen Exzessen. Nur bei Moss konnte er nicht recht weiterhelfen. Die kennt er nämlich gar nicht. Doch das half ihm nicht. Die Beamten händigten Horsley schließlich ein Formular aus, ihm werde die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert. Grund: Eine obskure Vorschrift des US-Einwanderungsrechts sieht eine Verweigerung der Einreise wegen "moralischer Verkommenheit" vor, zum Beispiel, wenn jemand wegen einer moralisch verwerflichen Straftat verurteilt wurde (wozu Drogenmissbrauch gehört) - oder eine frühere Drogenabhängigkeit zugibt.

Der verblüffte Horsley musste mit dem nächsten Flieger nach London zurück. Die Buchfeier in New York fand ohne ihn statt.

Dem Buchverkauf hat's nicht geschadet

Moralische Verkommenheit? Den Begriff können selbst in den USA nur wenige Kenner des Einwanderungsrechts definieren. Und für wen soll das eigentlich gelten? Immerhin ist leicht nachzuweisen, dass Amerikas Grenzen regelmäßig bekannte Drogensünder, Kunden von Prostituierten oder ähnlich moralisch verwerfliche Gestalten überqueren. US-Medien wiesen gleich genüsslich darauf hin, man lasse doch auch "Rolling Stones"-Mitglied Keith Richards ständig einreisen - der offen zugab, gar die Asche seines verstorbenen Vaters mit Kokain geschnupft zu haben. Kurz vor Horsleys Problemen musste New Yorks Gouverneur Eliot Spitzer wegen einer Prostituierten-Affäre zurücktreten.

Neues Horsley-Buch: Dandy auf Tour
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Neues Horsley-Buch: Dandy auf Tour

Und so hat Horsley gar eine klitzekleine inneramerikanische Debatte ausgelöst, gar auf der staatstragenden Kommentarseite der "Washington Post". Da stand gestern zu lesen, der Brite sei zwar nicht der ideale Schwiegersohn. Aber gewalttätig oder gefährlich sei er wohl kaum. Deshalb acht Stunden auf ihn zu verschwenden, zeige nur, dass die Beamten grundfalsche Maßstäbe anlegen würden.

Horsley erzählte gerade der "New York Times", er sei enttäuscht und verletzt - schließlich liebe er Amerika. Doch sein Verlagshaus vermeldet, die Verkaufszahlen von Horsleys Buch seien nach dem Vorfall prompt in die Höhe geschnellt. Glaubt man der Blog-Gerüchteküche, ist der Künstler auch bereits demonstrativ zu einer Konferenz in New York im April eingeladen worden. Dann müssten die US-Behörden also neu entscheiden.

Sollten die ihre Kriterien nicht ändern, hegt Horsley freilich wenig Hoffnung. Der Brite hält sich nämlich nach eigener Aussage für absolut moralisch verkommen.

gps



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