24. November 2012, 11:22 Uhr

Bundespresseball in Berlin

Krise zwo-drei-vier

Die "Financial Times Deutschland" wird eingestellt, die "Frankfurter Rundschau" ist insolvent, bei der Nachrichtenagentur dapd unklar, wie es weitergeht. Die Krise war das große Thema beim Berliner Presseball - doch mancher Politiker wollte sich die Feierlaune lieber nicht verderben lassen.

Berlin - Das Design war düster, es sollte wohl vor allem schick sein. Die Gäste spazierten über einen schwarzen Teppich, die Fotowand mit den Sponsoren glitzerte dunkel, davor stakste ein künstlicher Riesenvogel mit schwarzem Gefieder. Die Bundespressekonferenz hatte in Berlin zum Presseball geladen, 2500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien kamen. Sie aßen Austern, Thunfisch, Trüffel, Schwarzfederhuhn, geräucherte Garnelen und Schweinebrust, für die Eintrittskarten hatten sie zwischen 450 und 690 Euro gezahlt.

Und nebenbei sprachen sie über die Krise, von der Hunderte Journalisten und Verlagsmitarbeiter betroffen sind. Bundespräsident Joachim Gauck eröffnete das Fest mit einem Walzer. Zu den Gästen im Hotel Intercontinental zählten auch die Minister Daniel Bahr (FDP), Thomas de Maizière (CDU), Hans-Peter Friedrich (CSU), Dirk Niebel (FDP), Peter Ramsauer (CSU) und Philipp Rösler (FDP). Angela Merkel war nicht bei dem Fest. "Es gibt auch andere kulturelle Höhepunkte", hatte sie ihre Absage in der Vergangenheit begründet. Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier waren nicht gekommen.

Organisator Alfred Gertler sagte zur Begrüßung, er hoffe, dass zahlreiche journalistische Arbeitsplätze in den Betrieben zu retten seien. Trotzdem erwarte er ein großes Fest. Gauck sagte, Zeitungen werde es immer geben, man wisse derzeit nur nicht, wie viele. "Die Menschen wissen ganz genau, welche Veränderungen in der Medienlandschaft anstehen."

"Die Zeitungslandschaft ändert sich"

Die "Financial Times Deutschland" (FTD) soll Anfang Dezember eingestellt werden, die "Frankfurter Rundschau" (FR) vom Verlag DuMont Schauberg hatte vergangene Woche Insolvenz angemeldet, die Nachrichtenagentur dapd Anfang Oktober. Die Nürnberger "Abendzeitung" war am 29. September zum letzten Mal erschienen.

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte zu den Hiobsbotschaften: "Das sind bittere Wermutstropfen für diesen Ball." Er werde die Zeitungen vermissen, gedruckte Zeitungen würden in 20 oder 30 Jahren Nischenprodukte sein. Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, es liege ein Schatten über dem Fest.

Verteidigungsminister Thomas de Maiziére gab sich weniger beunruhigt. "Mich beschäftigt nicht so sehr die Medienkrise, sondern die Krisen in der Welt", sagte er lapidar. Verkehrsminister Peter Ramsauer sah andere Medien als Ersatz für Zeitungen auf dem Vormarsch. "Es gibt keine Wirtschaftsbranche, die immer das gleiche Geschäftsmodell verfolgt hat." Und auch Innenminister Hans-Peter Friedrich zeigte sich pragmatisch und betonte, man müsse nicht verzweifeln, der Gesamtmarkt für Medien werde nicht schrumpfen.

Entwicklungsminister Niebel sagte, er könne unbeschwert trotz Zeitungssterben auf dem Bundespresseball feiern. "Die Zeitungslandschaft ändert sich, die Lesegewohnheiten ändern sich. Darauf müssen sich die Verlage einstellen", so Vizekanzler Rösler.

Gruner + Jahr war Sponsor des Balls. Der Verlag richtete einen eigenen Empfang aus. Vorstandsmitglied Julia Jäkel fehlte; sie hatte am Vormittag in Hamburg den Angestellten der FTD das Ende der Zeitung verkündet.


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