Bushidos Bekanntenkreis: Dicke Freunde

Von Felix Bayer und

Bushidos dicke Freunde: Stinkefinger im Duett Fotos
picture alliance/ Eventpress Schulz

Wie eng sind die Bande zwischen Bushido und einem Berliner Unterwelt-Clan? Ausgerechnet einem Mitglied der Großfamilie soll der Rapper eine umfassende Vollmacht erteilt haben. Bushido selbst beschrieb das Verhältnis zu den Palästinensern mit dem "Mafia-Prinzip".

"Die Geschichte des Hustlers, des Gauners, ist die Geschichte, für die HipHop erfunden wurde", sagt der New Yorker Rapper Jay-Z in seiner hochgelobten Künstlerbiografie "Decoded". "Die Geschichte des Gauners hat im Rap ihre Form gefunden, und diese Form wurde dadurch zu einer Kunst."

Von Kunst ist derzeit relativ wenig die Rede, wenn es um Deutschlands wohl bekanntesten Rapper geht: Bushido. Dafür wird um so mehr über Gaunerei geschrieben - ja sogar über Kontakte zum Organisierten Verbrechen.

Seit der "Stern" berichtet hat, dass Bushido Arafat A., Mitglied einer mehrfach vor Gericht geladenen Großfamilie, eine Generalvollmacht erteilt habe, die A. den Zugriff auf Bushidos Geld, Immobilien und Firmen ermögliche, gerät die Gangster-Facette des Anis Mohamed Youssef Ferchichi - so der bürgerliche Name des HipHoppers - wieder stärker in den Blick. (Mehr zum Thema am Sonntagabend bei SPIEGEL TV um 22.35 Uhr auf RTL.)

Und wer ihn sucht, findet ihn auch auf einer Übersicht von Fotos, erstellt vom Landeskriminalamt, überschrieben mit "VS - Nur für den Dienstgebrauch". Auf dem Plakat, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, sind mehr als ein Dutzend Personen abgebildet, die meisten tragen den Nachnamen A. Doch es tauchen auch andere Namen auf, darunter: Anis Mohamed Youssef Ferchichi.

Drohungen gegen Kamerateam

Es ist nicht die beste Gesellschaft, in der Bushido da zu sehen ist. Familie A. ist in Berlin bekannt, auch bei der Polizei. Der Clan libanesischer Palästinenser ist eine von mehreren Großfamilien in der Stadt, bei denen einige Mitglieder schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Eine Auswahl:

Ali A.: Im Oktober 2010 soll Ali A. einen 37-Jährigen in einen Streit verwickelt und ihm ins Gesicht gestochen haben. Derzeit sitzt Ali A. laut "Stern" eine Haftstrafe ab.

Yasser A.: Er wurde im September 2012 zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt; zudem verhängte das Gericht zwei Jahre Führerscheinsperre. Nach Überzeugung des Gerichts war er 2009 mit dem Auto auf einen Mann zugesteuert, um ihn einzuschüchtern. Zudem habe Yasser A. im Juni 2010 einen anderen Mann mit einer Waffe bedroht.

Mohamed A.: Er wurde als einer der Drahtzieher des Überfalls auf einem Pokerturnier in Berlin zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und drei Monaten verurteilt. Laut Gericht soll er per Handy das Startsignal für die Tat gegeben haben.

Arafat A.: Er wurde zu vier Mona ten Haft auf Bewährung und 3000 Euro Geldbuße verurteilt, weil er nach Überzeugung des Gerichts "psychische Beihilfe" leistete, als sein Bruder Yasser im Juni 2010 einen Mann mit einer Waffe bedrohte. Ob Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt wurden, ist nicht öffentlich bekannt.

Arafat A. gilt als enger Vertrauter Bushidos, zeigte sich mit dem Rapper auch schon bei öffentlichen Terminen. Als das Verfahren gegen Arafat A. und seinen Bruder lief, drehte ein Kamerateam von SPIEGEL TV im Gerichtsgebäude. Sein Bruder Nasser und mehrere andere Männer konfrontierten die Journalisten aggressiv - und die Sicherheitskräfte schauten fast ausnahmslos zu.

"Setz' deine Regeln mit Gewalt durch"

Einmal soll Arafat A. Bushido einen großen Gefallen getan haben, indem er dafür gesorgt haben soll, dass der Rapper aus seinem Vertrag mit dem Label Aggro Berlin herauskam.

Die Geschichte kommt leicht verfremdet auch im Film "Zeiten ändern dich" über Bushidos Leben vor. Darin spielt Moritz Bleibtreu Arafat A., der den Rapper unter Drohung aus seinem Vertrag beim Plattenlabel Hardcore (im echten Leben Aggro Berlin) befreit. Auf der Deutschlandpremiere am 3. Februar 2010 in Berlin herzten sich A. und Bushido auf dem roten Teppich.

In seiner Autobiografie schreibt Bushido, er habe sich "gegenüber Arafat und seiner Familie verpflichtet" gefühlt. Das Verhältnis zur Familie A. ließe sich mit "dem Mafia-Prinzip" beschreiben, so Bushido selbst. Sprich: Du musst alles für die Familie tun, aber sie tut auch alles für dich.

Mit Gewalt und Aggression bringt man Bushidos öffentliche Auftritte gemeinhin nicht in Verbindung. 2012 machte er ein Praktikum bei dem CDU-Bundestagsabgeordneten Christian Freiherr von Stetten. Seit er seine Autobiografie veröffentlichte und diese dann mit dem deutschen Starschauspieler Bleibtreu auch noch verfilmt wurde, gilt Bushido als talkshowtauglich. Da gibt er sich handzahm. Als eine Art geläuterter Haudrauf.

"Das habt ihr nun davon"

Dabei stellte er seine Vergangenheit am Beginn seiner Karriere strategisch heraus: Dass er als Schüler wegen Drogengeschäften festgenommen worden war, verbreitete das Halbweltflair, das zur Gangsta-Rapper-Persona dazugehört. Und als solcher wurde er von seinem Label Aggro Berlin auch offensiv inszeniert - Bushido rappte die passenden Texte dazu, und dass die Alben wegen jugendgefährdender Inhalte indiziert wurden, war eine gute Werbung. Dass er mal den Satz "Wir vergasen jede Tunte" geschrieben habe, dafür entschuldigte sich Bushido mehrfach - aber schließlich habe er das Verb geändert in "verarschen".

Alles kein Problem, so dachte man wohl auch beim Burda-Verlag, als der ihm 2011 den sogenannten Integrations-Bambi verlieh. Andere, wie Peter Plate von der Band Rosenstolz, kritisierten den Preisträger wegen schwulen- und frauenfeindlicher Äußerungen.

Wenn in Interviews kriminelle Aktivitäten der Familie A. angesprochen wurden, reagierte Bushido oft einsilbig: "Wahrscheinlich werden viele Leute mit vielen Sachen in Verbindung gebracht", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" 2012.

"Das habt ihr nun davon, ich geh in die Politik", rappte Bushido in dem Song "Euer Bester Feind" - und kündigte Pläne an, eine Partei gründen zu wollen, zu deren Zielen laut "FAS"-Interview neben der Euro-Abschaffung auch die Senkung des Spitzensteuersatzes gehören solle. Steuern seien nämlich "legales Schutzgeld". Nun soll ihm laut "Stern" das Finanzamt auf den Fersen sein, es werde wegen Steuerhinterziehung ermittelt.

Bushido war gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht zu einer Stellungnahme bereit.

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