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15. Februar 2013, 15:57 Uhr

ESC-Teilnehmerin Cascada

"Ich würde mir jetzt gerne die Kante geben"

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Sie kennen Natalie Horler nicht? Das wird sich bald ändern. Die 31-Jährige vertritt mit ihrem Musikprojekt Cascada Deutschland beim Eurovision Song Contest. Sie stammt aus Bonn, ist windmaschinentauglich und international sehr erfolgreich. Und sonst? Eine Annäherung in fünf Schritten.

Hamburg - Und plötzlich ist sie die neue Lena: Natalie Horler, groß, blond und ein bisschen Britney, wird als Frontfrau des Musikprojekts Cascada Deutschland im Mai beim Eurovision Song Contest in Malmö vertreten. Ihr Gewinnersong "Glorious" höre sich genau so an wie der Track von Vorjahressiegerin Loreen, lästern die Kritiker. Das mag stimmen. Doch Fakt ist, dass die 31-Jährige seit Jahren mit ihrem Euro-Dancepop Erfolg hat - und zwar lange, bevor die Schweden Loreen in die ESC-Arena schickten.

Nur wenige wissen, dass Cascada im Ausland riesige Erfolge feiert. Noch weniger wissen, dass zu dem Trio außer Horler die Musikproduzenten Yann Peifer und Manuel Reuter gehören. Einige kennen sie aus der "Deutschland sucht den Superstar"-Jury oder aus dem "Playboy", dessen August-Cover sie 2011 zierte. Wer also ist diese Frau, die Deutschland beim nächsten Grand Prix ins Rennen schickt? Eine Annäherung in fünf Schritten.

Die Bandbreite: Zwischen Schlagerfestival und MTV Awards

Mehr als 30 Millionen Tonträger hat das Cascada-Trio weltweit verkauft. Die meisten davon nicht in Deutschland. Denn Natalie Horler ist zwar eine, die bei Schlagerfestivals wie "Kölle Olé" als Höhepunkt des Tages auf die Bühne kommt - in einem mit Diamanten besetzten Slip. Sie ist aber auch eine, die bei den MTV Video Music Awards in einem Atemzug mit Lady Gaga genannt wird. Schon 2005 schafften es Cascada mit "Everytime We Touch" unter die Top Ten in den USA. Ein Markt, an dem sich selbst Robbie Williams seit vielen Jahren die Zähne ausbeißt.

Der Hintergrund: Rheinländerin mit Jazz-Papa

Natalie Horler ist zwar gebürtige Britin, wuchs aber in Bonn auf, wo sie auch nach wie vor lebt. Ihr Vater ist der Jazz-Musiker David Horler, der unter anderem als erster Posaunist und Komponist bei der WDR Big Band arbeitet. Ihre Mutter ist Englischlehrerin. Die rheinländischen Wurzeln kommen hin und wieder in Interviews zum Vorschein, wenn aus "das" ein "dat" wird. "Ich würde mir jetzt gerne die Kante geben", sagte Horler nach ihrem Sieg an diesem Donnerstag in einem ersten Interview mit dem NDR. Das ging dann leider doch nicht mehr, am nächsten Tag, dem heutigen Freitag, steht ein Konzert in Dänemark an.

Das Temperament: Sie kann ganz gut austeilen

Als Jurorin bei "Deutschland sucht den Superstar" konnte sie 2012 neben den Egomanen Dieter Bohlen und Bruce Darnell ganz gut mithalten. Zu einer Kandidatin sagte sie: "Du singst leider, wie du aussiehst." Dabei sollte gerade sie ein bisschen einfühlsamer sein: 2004 war sie bei der Castingshow "Star Search" selbst aussortiert worden. Früher habe sie noch nicht mal Karaoke gesungen, und noch heute habe sie manchmal Lampenfieber vor den Auftritten, sagte sie 2011 im ARD-"Morgenmagazin". Die Schüchternheit hat sie dann aber zügig abgelegt. Als ihr Hit "Evacuate the Dancefloor" 2009 die britische Hitparade anführte (sie verdrängte damals sogar den verstorbenen Michael Jackson von der Spitze), sagte sie später in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung: "Ich bin die deutsche Madonna."

Die Ziele: Auf den Spuren von Madonna

Vom Madonna-Status ist sie vielleicht noch ein bisschen entfernt. Aber mit "Evacuate the Dancefloor" konnten sich Cascada 2009 in mehr als 20 Ländern in den Top Ten platzieren. In Israel schaffte es der Song sogar auf Platz eins der internationalen Charts.

Das Engagement: Außerschulische Aktivitäten

Für den "Playboy" zog sich die damals 29-Jährige 2011 aus, im selben Jahr heiratete sie auch ihren Freund Maurice, ein Model. Von den Nacktbildern war er Horler zufolge nicht besonders angetan, und auch ihre ehemalige Schule dürfte eher weniger begeistert gewesen sein: Horler besuchte in Bonn die katholische Liebfrauenschule - eine erzbischöfliche Schule nur für Mädchen.

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