Pretenders-Frontfrau Chrissie Hynde empört mit Aussagen zu Vergewaltigung

"Wenn du keinen Vergewaltiger anlocken willst, trage keine hohen Absätze": Chrissie Hynde, Frontfrau der Band Pretenders, hat sich in einem Interview über sexuelle Gewalt geäußert. Ihre Meinung stößt auf heftige Kritik.

Getty Images

US-Rocksängerin Chrissie Hynde hat dem "Sunday Times Magazine" ein Interview gegeben. Darin spricht sie ausführlich über Vergewaltigungen - und wer die Schuld dafür trägt. In manchen Fällen die Frauen, meint Hynde. "Wenn ich in Unterwäsche herumlaufe und betrunken bin? Wessen Schuld kann es sonst sein?" Wenn eine Frau zurückhaltend angezogen sei, für sich bleibe und angegriffen werde, sei wohl der Angreifer schuld.

Anlass für Hyndes Äußerungen ist ein sexueller Übergriff, den sie als junge Frau erlitt. Sie gab sich die Verantwortung dafür, als 21-Jährige von einer Rockergruppe aus Ohio zu sexuellen Handlungen gezwungen worden zu sein. Ein Mitglied der Gruppe habe sie unter einem Vorwand in ein leerstehendes Haus gebracht. "Wie man es auch immer betrachtet, war all dies mein Tun und ich übernehme die volle Verantwortung."

Bei Rockern müsse man wissen, worauf man sich einlasse, auch wenn sie damals naiv gewesen sei, sagte Hynde. Die Männer hätten unter anderem Aufnäher mit der Aufschrift "Ich Herzchen Vergewaltigung" an der Kleidung gehabt. Auf die Frage, ob die Rocker ihre Verletzlichkeit ausgenutzt hätten, sagte Hynde: "Wer mit dem Feuer spielt, wird verbrannt. Das ist kein Geheimnis, oder?"

Hynde beließ es aber nicht dabei, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Sie sagte auch, Frauen könnten durch ihr Verhalten und Outfit quasi eine Mitschuld an Vergewaltigungen haben. Wenn man sehr provokativ auftrete, locke man jemanden an, der ohnehin schon aus dem Gleichgewicht geraten sei - "tut das nicht!" Das sage doch schon der gesunde Menschenverstand.

"Wenn du keinen Vergewaltiger anlocken willst, trage keine hohen Absätze, mit denen du nicht vor ihm weglaufen kannst." Wenn man etwas trage, das "Komm her und f*** mich" sage, sollte man besser gut zu Fuß sein. "Ich denke nicht, dass ich damit etwas Kontroverses sage, oder?"

"Die Verantwortung liegt allein beim Täter"

Oh doch. Was jemandem mit gesundem Menschenverstand zu dem Thema auch einfallen könnte, schreibt etwa die Autorin des "Sunday Times Magazine"-Interviews. Sie habe mit Hynde über Vergewaltigung und Verantwortung diskutiert und sei über die Ansichten der Sängerin schockiert gewesen - genauso wie Hynde schockiert gewesen sei, dass man nicht einer Meinung sei.

Die Auffassung der Journalistin teilte etwa Lucy Hastings, Chefin der Organisation "Victim Support", die sich für Gewaltopfer einsetzt: "Opfer sexueller Gewalt sollten sich nie verantwortlich fühlen für die entsetzliche Tat, die sie erlitten haben", sagte Hastings laut BBC.

Die US-Organisation Rainn, die Opfern sexueller Gewalt hilft, teilte mit, es sei wichtig zu begreifen, dass ein Vergewaltigungsopfer nie Schuld habe, ganz egal, wie die Umstände des Übergriffs auch seien. "Die Verantwortung liegt allein beim Täter." Sich selbst die Schuld zu geben, wie Hynde es beschreibe, halte viele Opfer davon ab, sich zu offenbaren und Hilfe zu bekommen.

Auch auf Twitter gab es scharfe Kritik an Hynde. Stellvertretend für viele Äußerungen steht dieser Tweet:

ulz/dpa

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