Cindy aus Marzahn: Eben noch im Netto, jetzt schon in der "New York Times"

Aus dem "Quatsch Comedy Club" in die US-Presse: Die Berliner Prekariats-Komödiantin Cindy aus Marzahn hat es nicht nur ins Samstagabend-Programm des ZDF geschafft - nun brachte sogar die "New York Times" ein großes Porträt über die 41-Jährige. Wartet nun Weltruhm?

"New York Times"-Titelseite vom Samstag: Cindy aus Marzahn beherrscht die Homepage Zur Großansicht
The New York Times

"New York Times"-Titelseite vom Samstag: Cindy aus Marzahn beherrscht die Homepage

Hamburg/New York - Machen wir uns nichts vor, Deutschland wird zurzeit von zwei Frauen repräsentiert: Angela Merkel, natürlich, und seit diesem Samstag, Ilka Bessin. Die eine steht als eiserne Kanzlerin für den Zusammenhalt Europas qua Sparmaßnahme, die andere verkörpert als Ghetto-Prinzessin Cindy aus Marzahn das, was dabei bisher herausgekommen ist: eine verarmte, enthemmte Mittelschicht, die im pinken Pyjama herumläuft und unter "Alzheimerbulimie" leidet.

Bessin, 41, hat in den vergangenen fünf Jahren einen rasanten Aufstieg von einer prekarisierten Ost-Berliner Hartz-IV-Empfängerin zum schrillen Sidekick von Markus Lanz bei "Wetten, dass..?" erlebt, Deutschlands größter TV-Show. Warum ausgerechnet eine Armutskarikatur mit ihren frechen, selbstironischen Patzereien zum Superstar der deutschen Comedy wurde, wenn Germany doch als beinahe einziges europäisches Land der Rezession trotzt, das fragte sich wohl auch Nicholas Kulish, Berlin-Korrespondent der "New York Times" - und bot seinem ehrwürdigen Blatt eine Geschichte über Ilka Bessin an. Die nun prompt veröffentlicht wurde.

Am Samstag herrschte Cindy aus Marzahn, wie immer mit Tiara, als großes Aufmacherbild sogar über die Online-Titelseite der Zeitung. Auch in der Printausgabe findet sich das als "Saturday Profile" gekennzeichnete Feature unter der Überschrift "An Accidental Comedian of the People" - und beschreibt Bessins erstaunlichen Karriereweg als glückliche Verkettung von Zufällen, voller Verwunderung über die Macken und Maskeraden, die sie ihrer Kunstfigur Cindy verliehen hat, um, wie Kulish schreibt, "Niedriglöhne und Second-Hand-Läden auf eine große Bühne zu bringen".

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Cindy aus Marzahn: Bin ich noch bei RTL - oder schon beim ZDF?
Wie sich Bessin einst als Kellnerin beim "Quatsch Comedy Club" bewarb, am Telefon aber den Talent-Booker erwischte, der sie ermutigte, am Stand-up-Wettbewerb mitzumachen, das ist eine so typische "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Aufstiegsgeschichte, die Amerikaner einfach faszinieren muss. Man erwartet nun mindestens Auftritte bei Letterman und Conan O'Brien, wenn nicht im Komödien-Olymp von "Saturday Night Live". Vielleicht lässt uns Cindy aus Marzahn, der Messie-Gegenpol zu Merkels Kontrollwahn, im Ausland ja ein wenig menschlicher aussehen.

bor

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insgesamt 104 Beiträge
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1. Oh Gott..
pfeiffffer 22.12.2012
das war also der Weltuntergang.
2. heute mal ganz ohne Häme
mickt 22.12.2012
Schön, mal keine Häme. Well Done! Schönes Weihnachten liebe SPONS.
3. Fehler ohne Ende
dr.demut 22.12.2012
Bessin, 41, hat in den vergangenen Jahren fünf Jahren einen rasanten Aufstieg von einer prekarisierten Osterberliner ..................... Jahren 5 Jahren ?????? Oster-Berliner ?????? Leute gehts noch ?????
4.
zynik 22.12.2012
Zitat von sysopAus dem Quatsch Comedy Club in die US-Presse: Die Berliner Prekariats-Komödiantin Cindy aus Marzahn hat es nicht nur ins Samstagabend-Programm des ZDF geschafft - nun brachte sogar die "New York Times" ein großes Porträt über die 41-Jährige. Wartet nun Weltruhm? Cindy aus Marzahn: "New York Times" porträtiert deutschen Comedy-Star - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/leute/cindy-aus-marzahn-new-york-times-portraetiert-deutschen-comedy-star-a-874465.html)
Einige würdige Repräsentantin der intellektuellen Zustände in Deutschland.
5.
loops-2000 22.12.2012
Ich finde es irgendwie beschämend dieses Deutschlandbild. Zum einen ist sie nicht besonders lustig, (das kann Volker Pispers (http://www.youtube.com/watch?v=I3WwjEhiDjs) besser) zum anderen auch nicht besonders adrett.
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