Falsche Verdächtigungen Mitschnitt dokumentiert Festnahme von "Django Unchained"-Schauspielerin

Nach der kurzzeitigen Festnahme der US-Schauspielerin Danièle Watts ist nun ein Audio-Mitschnitt des Polizeieinsatzes aufgetaucht. Der Clip spiegelt die Verärgerung Watts wider, der fälschlicherweise unsittliches Verhalten vorgeworfen worden war. 

Brian James Lucas/Chef Belive

Los Angeles - Die US-amerikanische Schauspielerin Danièle Watts ist derzeit überhaupt nicht gut auf die Polizei zu sprechen. Vor wenigen Tagen hatten Ordnungshüter sie in Los Angeles festgenommen - angeblich, weil sie für eine Prostituierte gehalten wurde. Dabei hatte Watts nach eigenem Beteuern nur harmlos-verliebt mit ihrem Freund im Auto gesessen. Jetzt ist ein Audio-Mitschnitt der Festnahme aufgetaucht.

In dem zweiminütigen Clip ist zu hören, wie ein Polizist Watts über den Sachverhalt aufklärt: Ein Zeuge habe unsittliches Verhalten gemeldet, Watts solle ihren Ausweis zeigen. Diese verweigert das mit der Begründung, nichts Unrechtes getan zu haben. Doch der Polizist beharrt darauf, den Ausweis zu sehen.

"Ist das weil ich schwarz bin und er weiß? Seien Sie ehrlich!", fragt Watts die Polizisten mit hörbar verärgerter Stimme.

Daraufhin fordert der Beamte Watts auf, aus dem Auto zu steigen. Auch das verweigert die Schauspielerin.

"Ich habe jedes Recht, Nein zu sagen!", erklärt Watts aufgebracht.

"Nein, Sie haben nicht jedes Recht, Nein zu sagen", entgegnet daraufhin der Polizist.

Die Auseinandersetzung geht weiter.

"Nein, ich sage weiterhin nein, und wenn Sie meinen Ausweis sehen wollen, dann können Sie sagen, dass ich mich meiner Festnahme widersetzt habe", sagt Watts kurz darauf.

"Das hier ist keine Festnahme, das hier ist nur eine Überprüfung", entgegnet der Polizist.

Daraufhin beteuert die Schauspielerin erneut, nichts Unrechtes getan zu haben. Dann steigt sie offenbar aus dem Wagen aus, redet sich dabei aber immer weiter in Rage. Ein Polizist fordert daraufhin weibliche Verstärkung an. Am Ende ist Watts völlig aufgelöst, schreit und weint. "Schreien Sie ruhig weiter, das hilft", kommentiert ein Polizist die Szene nur trocken. Damit endet der Mitschnitt.

Kurz darauf wurde Watts und ihr Freund Brian James Lucas festgenommen. Bei der anschließenden Befragung stellte sich aber herausgestellt, dass die beiden kein Vergehen begangen hatten. Sie kamen wieder frei.

Watts, die unter anderem im Film "Django Unchained" mitspielte, äußerte sich auf ihrer Facebook-Seite empört über die Behandlung. Auch Watts' Partner Lucas schrieb in dem sozialen Netzwerk, an den Fragen der Polizei habe er erkannt, dass "diejenigen, die uns angezeigt haben, dachten, ein tätowierter Weißer und eine sexy Schwarze in kurzem Rock können nur eine Prostituierte und ihr Kunde sein".

jbe/Reuters

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insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
Septic 16.09.2014
1. Beiläufiger alltäglicher Rassismus
Als Weisser der ich bin kann ich es nur schwer begreifen aber zumindest nachvollziehen wie es sein muss wenn man ständig eine extra Portion Aufmerksamkeit durch die Polizei bekommt und es klar ist, dass die Hautfarbe der Grund ist. Der tagtägliche und beiläufige Rassismus (nicht offen und mit Beschimpfungen, nein eher subtil) lässt die Nerven blank liegen. Ich kann verstehen, dass sie so extrem reagiert obwohl es ja "nur" eine Überprüfung der Papiere ist. Weisse Päärchen werden halt nicht so überprüft. Das ist zermürbend und frustrierend. Weiss zu sein ist leider immer noch ein Privileg und man wird besser behandelt.
atech 16.09.2014
2. falsches Verhalten
ich bin mir nicht ganz sicher, vermute aber mal, dass einen durchaus auch die deutsche Polizei mit auf's Revier bitten würde, wenn man sich weigert, den Personalausweis vorzuzeigen. Denn die deutsche Polizei kann jederzeit jede Person zum Vorzeigen des Personalausweises auffordern und der Angesprochene hat die Pflicht, dem Folge zu leisten. Auch wenn man "nichts getan hat". Das zum einen. Und dann sollte sich Watts eher über die Personen aufregen, die die Polizei herbeigerufen hatten als über die Polizisten, die der Sache nur nachgegangen waren. Drittens hätte ich lieber ein Forum über die Vorgänge in Rotherham als über diese Lappalie hier. Schließlich ist Watts überhaupt nichts passiert.
ChicoMarx 16.09.2014
3.
Ich habe mir den Mitschnitt angehört und da man annehmen kann, da dieser am Beginn der Konversation anfängt, sehe ich darin 0 Rassismus. Sie wirft ihm zuerst vor ein Rassist zu sein, obwohl er lediglich um ihre ID (Personalausweiß) bittet. Der Polizist hatte kein Vergehen mehr beobachten können, deshalb sollte es auch keine Festnahme werden, sondern nur eine Dokumentation. Sie hat sich dem ohne Grund dagegen widersetzt. Kann ja sein, dass die Frau die das gemeldet hat das mit rassistischem Hintergedanken oder was auch immer gemacht hat, aber Polizist kam an und wurde als Rassist beschipft ohne mehr als nur Förmlichkeiten gesagt zu haben.
mwroer 16.09.2014
4.
Der Polizist klingt für mich extrem geduldig. Erklärt genau warum sie kontrolliert wird, weist darauf hin das es keine Festnahme ist, fordert - wie es sich gehört - eine weibliche Kollegin an. Es ist bezeichnend dass die Hautfarbe sofort von der Dame in's Gespräch eingebracht wird. Der Junge hat absolut nichts falsch gemacht - ich verstehe durchaus dass sich Farbige in den USA teilweise mit Recht benachteiligt fühlen aber Hysterie tut da nicht Not. Zumal genau solche aufgebauschten Fälle es dem nächsten, der sich vielleicht mit Recht beschwert, schwerer machen.
schmusel 16.09.2014
5.
Zitat von atechich bin mir nicht ganz sicher, vermute aber mal, dass einen durchaus auch die deutsche Polizei mit auf's Revier bitten würde, wenn man sich weigert, den Personalausweis vorzuzeigen. Denn die deutsche Polizei kann jederzeit jede Person zum Vorzeigen des Personalausweises auffordern und der Angesprochene hat die Pflicht, dem Folge zu leisten. Auch wenn man "nichts getan hat". Das zum einen. Und dann sollte sich Watts eher über die Personen aufregen, die die Polizei herbeigerufen hatten als über die Polizisten, die der Sache nur nachgegangen waren. Drittens hätte ich lieber ein Forum über die Vorgänge in Rotherham als über diese Lappalie hier. Schließlich ist Watts überhaupt nichts passiert.
So einfach machen wir uns das aber nicht. Das Fehlverhalten geht in der Ursache von der Polizei aus, die wie so oft unnötig forsch auftritt. Hätten diese Polizisten einfach mal der Situation angemessen entspannt das Gespräch gesucht, dann hätte Watts womöglich kooperiert. Da sie aber aber nichts getan haben und nur von irgendeinem Arschloch denunziert wurden, ist die Verärgerung angesichts des Auftretens der Polizei verständlich. Ausserdem ist das mit dem Ausweisen in den USA so eine Sache. Es gibt keine Pflicht für das besitzen eines Personalausweis. Einen Pass braucht nur wer das Land verlässt. Es gibt also den Führerschein oder die Sozialversicherungsnummer anhand derer die Identität festgestellt werden kann - wenn es einen Grund gibt. Den gab es hier erst die Handschellen klickten. Ich sehe da einen Fall von angemessenem zivilen Ungehorsam. Vielleicht lernen diese Polizisten daraus für ihr zukünftiges Verhalten.
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