Hasselhoff wird 65 "Lieba David"

David Hasselhoff war Kult in den Achtzigern und Neunzigern: Vor fast 30 Jahren begann einer seiner größten Fans, ihm einen Brief zu schreiben. Jetzt, zum 65. Geburtstag von "The Hoff", ist er fertig geworden.

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Lieba David,

verzeih, dass dieser Brief so spät kommt; ich habe fast 30 Jahre für ihn gebraucht. Aber jetzt, zu Deinem 65. Geburtstag, sollst Du ihn endlich haben.

Als ich begann, ihn zu schreiben, warst Du in etwa so alt wie ich jetzt. Es sollte ganz klassische Fanpost werden, wie ich sie aus der "Bravo" kannte. Ich wollte Dir damals erzählen, dass ich nicht nur "Looking for Freedom" toll fand, wie all die Mädchen, die Dir zujubelten.

Nein, ich kannte mich aus: Von meinem besten Freund Florian hatte ich mir Dein allererstes Album "Night Rocker" auf Kassette überspielt und auswendig gelernt. Ich war empört, dass es nur die Österreicher auf Platz 1 ihrer Charts hievten und es in Deutschland gerade mal Platz 30 erreichte.

Ich wollte Dir von meinen zwei größten Triumphen erzählen damals. Der erste: Nachdem ich sie bekniet hatte, schenkte mir die schöne Ilona aus dem Judoverein den kompletten Starschnitt von Dir - dieses Poster in Lebensgröße, zusammengeschnipselt aus unzähligen "Bravo"-Heften, auf dem du das rote "Knight Rider"-T-Shirt trägst. Ilona brauchte ihn nicht mehr, sie hörte jetzt New Kids. Und ich konnte es zu den anderen 65 Postern hängen.

Der zweite Triumph: Ich berührte Kitt, Deinen sprechenden Sportwagen. Du hattest ihn mitgebracht zu deinem Konzert; das rote Pendellicht sauste unter der Motorhaube hin und her; er stand in der Deutschlandhalle hinter Absperrgittern und Sicherheitsleuten. Aber mit meinen zehn Jahren war ich schnell genug, durch die Gitter zu fassen, ohne dass es jemand merkte.

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David Hasselhoff: Der ewige "Knight Rider"

Wie wenig damals reichte, um einen Zehnjährigen zu begeistern, nicht nur musikalisch. Wäre ich heute zehn und hätte Dein Auto berührt, hätte ich wahrscheinlich ein Selfie davon oder eine Snapchat-Story daraus gemacht. Noch wahrscheinlicher wäre mir Dein Auto aber ziemlich egal: Mein Smartphone hätte mehr Rechenleistung als Dein schwarzer Trans Am aus den Achtzigern. Und der Mercedes meines Opas könnte besser selbstständig einparken.

Aber es waren andere Zeiten damals, im Fernsehen versuchte Alf, die Katze der Familie Tanner zu fressen, und Captain Picard flog mit einem neuen "Raumschiff Enterprise" im ZDF dorthin, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen war. Helmut Kohl war noch nicht tot, er war noch nicht mal Kanzler der Einheit, sondern einfach nur der Bundeskanzler, über den meine Eltern zwar fluchten, den sie aber nicht abwählen konnten, weil man in West-Berlin eben nicht richtig mitmachen durfte bei der Bundestagswahl.

Deine Show in der Deutschlandhalle, das war mein erstes Konzert. Ich hatte meiner Mutter erlaubt, mich zu begleiten, und Du spieltest zwischendurch ein Beatles-Medley für sie. Die "taz" überschrieb ihren Konzertbericht später mit "Das singende Sandmännchen", weil ich nicht der einzige Gerade-So-Teenager im Publikum war und meine Mutter nicht die einzige Erziehungsberechtigte. Ich klebte den Zeitungsausschnitt zu den anderen in mein Album.

Ich bin Dir nicht böse

Wir lernten in der Schule damals gerade "Schreiben nach Gehör", auch wenn die Methode noch nicht offiziell so hieß. Fehler waren keine Fehler, sondern "Lernchancen", auf die uns die Lehrer, die wir natürlich duzten, vorsichtig aufmerksam machten. Eltern wurden gebeten, es ebenso zu handhaben. Wenn ich ehrlich bin, habe ich nur die ersten beiden Wörter dieses Briefes damals geschrieben, die Anrede "Lieba David". Ich weiß nicht mehr, was mich damals davon abbrachte, diesen Brief zu beenden, vielleicht kam eine neue Folge "Alf" oder "MacGyver".

Fast 30 Jahre, neun Studioalben, elf "Baywatch"-Staffeln und mehrere Comeback-Versuche später, schreibe ich ihn zu Ende, um Dir zu sagen: Ich bin Dir nicht böse, dass meine Generation noch immer ausgelacht wird in aller Welt, weil wir Dir einst zujubelten.

Ich bin Dir auch nicht böse, dass die Kollegen in der Redaktion immer zuerst an mich denken, wenn es darum geht, Texte über Dich zu schreiben.

Nein, ich bin Dir dankbar, David. Denn du hast die Deutsche Einheit möglich gemacht. Nicht, weil Du die Mauer niedersangst, wie es manchmal heißt. Das ist Quatsch. Aber durch Dich wurde der Welt klar: Sie muss keine Angst vor Deutschland haben. Ein Volk, das jemandem zujubelt, der Sonnenbrille mit Leuchtdioden und dazu Glitzersakkos trägt, der als Bademeister-Darsteller Erfolge feiert - so ein Volk muss man nicht ganz so ernst nehmen. Und wir uns selbst auch nicht.

Herzlich, dein Oliver



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Seite 1
evavalkova 17.07.2017
1. vor Jahren, als ganz junge Mutter
war ich mit meinem Kinder in seinem Konzert.Es war schlimm.Die Erwachsenen haben sich vorgedrängelt, die Kinder konnte nichts sehen.Es war heiss und der Veranstalter hat Wasser auf die Elter gekippt.Damit sie endlich Platz machen. Dann kam er,Eltern gingen, und ich sah ihn von vorne. Ganz nah.Er war ein unglaublich schöner Mann
GyrosPita 17.07.2017
2.
Hach ja, das waren noch Zeiten damals. Keine einzige Folge "Knight Rider" verpaßt, Dienstags abends (meine ich jedenfalls das es Dienstags war) war RTL absolute Pflicht. Ein flüchtiger Bekannter von mir ist in der DDR aufgewachsen, die hatten einen in der Klasse dessen Vater bei der Volkspolizei war und zu Hause natürlich kein Westfernsehen duldete, der konnte Mittwochs morgens als einziger nicht mitreden wenn auf dem Schulhof die Folge vom Vorabend Revue passierte ;)))) Schade nur das sich auch dieser Artikel einen leicht hämischen Unterton zumindest stellenweise nicht verkneifen kann. Das er niemals einen Oscar für seine schauspielerischen Leistungen bekommen wird ist ihm völlig sonnenklar, das braucht ihm niemand zu erklären. Im Gegensatz zu der ähnlich begabten Knallcharge Til S. der sich selbst vermutlich auf einer Stufe mit de Niro oder Laurence Olivier sieht. Und das er die Mauer zum Einsturz gebracht hat, daran glaubt er selbst am allerwenigsten, das hat er kürzlich noch mal in einem Interview klargestellt. Das waren irgendwelche Möchtern-Intellektuellen die ihm diesen Größenwahn unterstellt haben. Vermutlich die gleichen Jauchespritzer die sich hier auf SpOn vor ein paar Monaten kurz an einer Serie über "Deutschlands schlimmste Events" mokieren durften. Ich mag den Kerl irgendwie, und sollte das jemand komisch finden, dann kann ich nur sagen: lieber einem Typ mit Nietenlederjacke und LED-Sonnenbrille beim Singen zujubeln, als einen dementen Bauunternehmer mit einem toten, nicht mehr zweifelsfrei zu identifizierenden Pelztier auf dem Kopf zum Präsidenten wählen und ihm die Codes für alle Atomwaffen des Landes in die Hand zu drücken ;))))
ArRah 17.07.2017
3.
Zitat von GyrosPitaHach ja, das waren noch Zeiten damals. Keine einzige Folge "Knight Rider" verpaßt, Dienstags abends (meine ich jedenfalls das es Dienstags war) war RTL absolute Pflicht. Ein flüchtiger Bekannter von mir ist in der DDR aufgewachsen, die hatten einen in der Klasse dessen Vater bei der Volkspolizei war und zu Hause natürlich kein Westfernsehen duldete, der konnte Mittwochs morgens als einziger nicht mitreden wenn auf dem Schulhof die Folge vom Vorabend Revue passierte ;)))) Schade nur das sich auch dieser Artikel einen leicht hämischen Unterton zumindest stellenweise nicht verkneifen kann. Das er niemals einen Oscar für seine schauspielerischen Leistungen bekommen wird ist ihm völlig sonnenklar, das braucht ihm niemand zu erklären. Im Gegensatz zu der ähnlich begabten Knallcharge Til S. der sich selbst vermutlich auf einer Stufe mit de Niro oder Laurence Olivier sieht. Und das er die Mauer zum Einsturz gebracht hat, daran glaubt er selbst am allerwenigsten, das hat er kürzlich noch mal in einem Interview klargestellt. Das waren irgendwelche Möchtern-Intellektuellen die ihm diesen Größenwahn unterstellt haben. Vermutlich die gleichen Jauchespritzer die sich hier auf SpOn vor ein paar Monaten kurz an einer Serie über "Deutschlands schlimmste Events" mokieren durften. Ich mag den Kerl irgendwie, und sollte das jemand komisch finden, dann kann ich nur sagen: lieber einem Typ mit Nietenlederjacke und LED-Sonnenbrille beim Singen zujubeln, als einen dementen Bauunternehmer mit einem toten, nicht mehr zweifelsfrei zu identifizierenden Pelztier auf dem Kopf zum Präsidenten wählen und ihm die Codes für alle Atomwaffen des Landes in die Hand zu drücken ;))))
Richtig, jedem ehemaligen Hasselhoff-Fan kann ich nur den Independent-Film "Kung Fury" und Hasselhoffs Titeltrack "True Survivor" empfehlen (beides auf Youtube). Eine wunderbare satirische Homage an die Action-Filme der 80er (incl. Dinosauriern, Wikingern und Kung-Fu-Hitler) und ein Beweis, dass sich Hasselhoff, zumindest retrospektiv, nicht zu ernst nimmt.
uwecux 17.07.2017
4. Kult?
Zitat von ArRahRichtig, jedem ehemaligen Hasselhoff-Fan kann ich nur den Independent-Film "Kung Fury" und Hasselhoffs Titeltrack "True Survivor" empfehlen (beides auf Youtube). Eine wunderbare satirische Homage an die Action-Filme der 80er (incl. Dinosauriern, Wikingern und Kung-Fu-Hitler) und ein Beweis, dass sich Hasselhoff, zumindest retrospektiv, nicht zu ernst nimmt.
David Hasseldoof und Kult ist ähnlich wie Fips Asmussen und Humor!
niska 17.07.2017
5.
Zitat von uwecuxDavid Hasseldoof und Kult ist ähnlich wie Fips Asmussen und Humor!
Don't hassle the Hoff! Glückwunsch, David zum 65. Wir lieben dich immer noch, und das ganz ohne ironischen Unterton!
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