Legendärer Porno: "Deep Throat"-Star Harry Reems ist tot

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62 Minuten machten Harry Reems berühmt: Der Pornodarsteller, der mit bürgerlichem Namen Herbert Streicher hieß, wirkte in den Siebzigern im US-Kassenschlager "Deep Throat" mit - und wurde dafür sogar verurteilt. Nun ist er im Alter von 65 Jahren gestorben.

Salt Lake City - Zuletzt lebte Harry Reems zurückgezogen im US-Bundesstaat Utah und verdiente sein Geld als Makler: Wie nun bekannt wurde, ist der frühere Pornodarsteller am Dienstag im Alter von 65 Jahren gestorben. Das bestätigte eine Krankenhaus-Sprecherin in Salt Lake City. Der "Los Angeles Times" zufolge kämpfte er in den vergangenen Monaten gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Seine genaue Todesursache gab die Klinik nicht bekannt.

Reems, der in New York geboren wurde und mit bürgerlichem Namen Herbert Streicher hieß, machte der Pornofilm "Deep Throat" weltberühmt. Der Film avancierte 1972 auf dem Höhepunkt der sexuellen Revolution in Amerika zum Kassenschlager - und entwickelte sich zu einem Politikum, das schon bald nichts mehr mit dem eher anspruchslosen Sexfilm zu tun hatte. Kinobesitzer, Verleiher und Filmteam wurden mit Strafanzeigen überzogen.

Reems wurde wegen der Mitwisserschaft bei der Verbreitung von Obszönitäten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Später wurde das Urteil aufgehoben. Bis Mitte der achtziger Jahre spielte Reems in mehr als hundert Pornoproduktionen mit.

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Pornodarsteller: Harry Reems gestorben
Der 62-minütige Streifen "Deep Throat" gilt als wohl erfolgreichster Pornofilm der Geschichte. Allein in den USA spielte er mehr als 600 Millionen Dollar ein. Regisseur Gerard Damiano hatte "Deep Throat" für 25.000 Dollar an sechs Tagen in Florida gedreht, das Geld stammte - Gerüchten zufolge - zum großen Teil von der Mafia. Die damals unbekannten Darsteller Reems und Linda Lovelace spielten die Hauptrollen.

Das Filmplakat mit den roten, halb geöffneten Lippen und den blendend weißen Zähnen wurde zum Bestandteil der Popkultur. 23 Bundesstaaten setzten "Deep Throat" auf den Index, die Moralwächter liefen Sturm gegen den Film, der die Darstellung von Sex plötzlich gesellschaftsfähig machte. Denn längst hatte sich - fünf Jahre nach dem "Sommer der Liebe" - eine öffentliche Debatte über sexuelle Freizügigkeit, Gleichberechtigung der Frau und politische Autorität entzündet, die in "Deep Throat" ihr Ventil fand.

wit/dpa

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