Dennis Rodman in Nordkorea: Der will nur spielen
Nach Google-Chef Eric Schmidt kommt schon wieder ein prominenter US-Amerikaner nach Nordkorea: Diesmal ist es der ehemalige Basketball-Star Dennis Rodman. Ziel der Mission des volltätowierten Exzentrikers: Ein paar Bälle spielen mit Kim Jong Un.
Pjöngjang - Zu vermeiden war der Kulturschock vermutlich ohnehin nicht. Prominente Profisportler aus dem Westen, die Nordkorea besuchen - da ist ein scharfer Kontrast programmiert. Erheblich steigern lässt sich dieser Effekt allerdings noch, wenn man eine Figur auf die abgeschottete Volksrepublik loslässt, die selbst nach westlichen Maßstäben nicht immer alle Marmeln im Beutel hat: Dennis Rodman zum Beispiel, 51 Jahre alt, ehemaliger Basketball-Held aus der NBA und so ziemlich das Grellste, was der US-Sportzirkus in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat.
Zusammen mit drei Mitgliedern der Showmannschaft Harlem Globetrotters und einem Fernsehteam traf der Tattoo- und Piercingträger jetzt in der Hauptstadt Pjöngjang ein. Ein Sprecher des US-Medienunternehmens Vice erklärte, man werde vor Ort Material für eine neue Fernsehshow drehen. Diese soll ab April auf dem US-amerikanischen Pay-TV-Sender HBO zu sehen sein. Zudem wolle man etwas "Basketball-Diplomatie" betreiben, ein Trainingscamp für Kinder veranstalten und einige Spiele gegen lokale Teams bestreiten.
Rodman und seine Mitreisenden hoffen auch, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zu einem Basketballspiel zu locken. Kim gilt als großer Basketballfan, überhaupt ist die Sportart in Nordkorea immens populär. Vice-Gründer Shane Smith räumte ein, es sei merkwürdig, gerade den Exzentriker Rodman (Spitzname: "The Worm") und Mitglieder der Harlem Globetrotters in das international isolierte Nordkorea zu schicken. "Aber auf dem Basketballplatz einen gemeinsamen Nenner zu finden, ist eine schöne Sache", sagte er.
Bereits zu aktiven Zeiten galt Rodman als extrem schriller Vertreter seines Sports. Legendär waren neben einer kurzen Affäre mit Madonna seine stetig wechselnden Haarfärbungen in allen Tönen des Regenbogens, Rodmans 1996 erschienene Autobiografie trug den Titel "Bad as I Wanna Be". Man kann erahnen, welchen Eindruck dieser Mann auf gewöhnliche Nordkoreaner machen muss - in ihrem Land tragen selbst Zivilisten für gewöhnlich Uniform.
Umso genauer wird das Regime beobachten, was die US-Amerikaner während ihres Aufenthalts anstellen. Auf dem Programm stehen Besuche nationaler Gedenkstätten, außerdem die Besichtigung eines Trickfilmstudios und eines Skate-Parks in Pjöngjang.
Nach Google-Chef Eric Schmidt ist Rodman schon der zweite bekannte US-Amerikaner, der in diesem Jahr nach Nordkorea kommt. Der ostasiatische Staat hatte zuletzt mit mehreren Atomtests Verärgerung und Besorgnis um die internationale Sicherheit ausgelöst. Vor allem die Beziehungen zu Washington galten zuletzt als extrem belastet. "Es ist wichtig, den Nordkoreanern zu zeigen, dass Amerika nicht der Feind ist", sagte Smith.
Dennis Rodman selbst meldete sich inzwischen von unterwegs zu Wort - per Twitter. "Es ist wahr, ich bin in Nordkorea", schrieb der fünfmalige NBA-Sieger. "Ich freue mich darauf, Kim Jong Un zu treffen!" Noch viel lieber scheint er allerdings einen anderen Mann kennenlernen zu wollen - auch wenn er dafür wohl im falschen der beiden koreanischen Teilstaaten gelandet ist. "Vielleicht begegne ich ja diesem Gangnam-Style-Typen, während ich hier bin", witzelte der Basketballer.
Mit Material aus den Agenturen
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