Depardieus Malheur im Flugzeug: Lass laufen, Obelix!

Wer muss, der muss, das gilt auch für Gérard Depardieu. Kaum war sein Flugzeug in Paris auf die Startbahn gerollt, da drückte den Schauspieler die Blase. Die Klos waren zu, die Stewardessen uneinsichtig. Da traf Obelix eine einsame Entscheidung.

Gérard Depardieu: Malheur im Flieger Fotos
AFP

Paris - Was ist ein Zeichen dafür, dass man vom Publikum verehrt wird? Ein Stern in Hollywood? Der Oscar? Gérard Depardieu hat eine sehr französische Antwort auf diese Frage bekommen. Zweifel an seiner Narrenfreiheit bei seinen Landsleuten kann es nun nicht mehr geben.

Kurz vor dem Abheben eines Air-France-Flugs von Paris nach Dublin urinierte er in den Gang des Flugzeugs - und niemand protestierte. "Alles ist höflich abgelaufen", sagte eine Passagierin dem Sender Europe 1.

Als die Anschnallzeichen aufleuchteten, erhob sich der 62-Jährige am Dienstagabend mit einer beachtlichen Alkoholfahne aus seinem Sitz und sagte "Ich will pinkeln, ich will pinkeln." Die Flugbegleiterin forderte den prominenten Fluggast daraufhin auf, noch eine Viertelstunde zu warten, bis die Maschine in der Luft sei.

Doch Geduld gehört nicht zu Depardieus Stärken. "Ich kann nicht warten", habe er gerufen, wie eine Mitreisende berichtete. "Und dann stand er auf und machte auf den Boden".

Was dann passierte, illustriert, wie sehr die Franzosen ihren Star verehren. "Keiner sagte ein Wort", berichtete eine Augenzeugin. Der Schauspieler habe sich wieder hingesetzt, und das Flugzeug sei noch mal in die Parkposition zurückgekehrt, um gereinigt zu werden. Die Maschine startete dann zwei Stunden später. Air France bestätigte den Vorfall.

Im Umfeld von Depardieu werden die Geschehnisse indes etwas anders dargestellt: Nachdem die Flugbegleiter ihm trotz mehrfacher Verschiebung des Abflugs den Gang auf die Bordtoilette nicht gestatteten, habe der Schauspieler versucht, sich in eine leere Flasche zu erleichtern. Dabei sei etwas Urin auf den Teppich gespritzt. Depardieu habe nicht provozieren wollen und sogar angeboten, den Teppich selbst zu säubern, sagten Vertraute des Schauspielers.

Die Flugbegleiterinnen seien aber wenig verständnisvoll gewesen: Anstatt sein Hilfsangebot für die Teppichreinigung anzunehmen, habe der Franzose das Flugzeug verlassen müssen. Im Gespräch mit Verantwortlichen der Fluggesellschaft habe Depardieu aber den Eindruck gehabt, dass diese die "unflexible Einstellung" der Flugbegleiterinnen eingesehen hätten. Der Schauspieler habe keine Strafe zahlen müssen, hieß es. Sowohl sein Umfeld als auch die Fluglinie wiesen Berichte zurück, wonach Depardieu betrunken gewesen sei.

Depardieu ist einer der weltweit bekanntesten französischen Schauspieler, berühmt wurde er unter anderem durch die Filme "Cyrano de Bergerac" und "Green Card - Scheinehe mit Hindernissen". Bereits dreimal spielte er in den "Asterix"-Filmen den dickbäuchigen Obelix.

Der Schauspieler war schon mehrfach durch Grobheiten aufgefallen. 2005 beschimpfte er seine Landsleute als "blöd", weil sie ihn in einem Auftritt in einer britischen Talkshow für betrunken hielten. Zwei Jahre später musste sich Depardieu in Italien vor Gericht verantworten, weil er einem Fotografen einen Kopfstoß verpasst hatte.

jbr/AFP

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