Abbas Alizada Der afghanische Bruce Lee

Er sieht nicht nur aus wie Bruce Lee, sondern er kämpft auch so: Abbas Alizada alias Bruce Hazara begeistert Facebook-Fans auf der ganzen Welt. Der 20-Jährige aus Afghanistan will es mit seinen Kung-Fu-Kicks bis nach Hollywood schaffen.

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Hamburg - Der Topfschnitt. Das weiße Unterhemd. Die schwarze Pluderhose. Abbas Alizada sieht nicht nur aus wie Bruce Lee. Der Nunchaku. Die Tritte. Die Saltos. Der Afghane bewegt sich auch wie die Kung-Fu-Legende.

Der 20-jährige Abbas Alizada will hoch hinaus. Aus seiner vom Krieg gezeichneten Heimat Afghanistan will er sich mit Kung-Fu herausboxen. Auf Facebook verbreitet er Videos, in denen er sein Idol imitiert und sein Kung-Fu-Können demonstriert. "Ich will ein Hollywood-Star werden", sagt Alizada der Nachrichtenagentur Reuters.

Zweimal pro Woche trainiert Alizada im Darul-Aman-Palast nahe der Haupstadt Kabul. Der Palast sollte einmal das afghanische Parlament beherbergen, ist aber seit dem Bürgerkrieg in den Neunzigerjahren eine Ruine. An den Wänden sind Einschusslöcher zu sehen.

Abbas Alizada möchte ein Bild von Afghanistan liefern, das über Krieg und Verzweiflung hinausgeht. "Die Zerstörung hier macht mich traurig, aber sie inspiriert mich auch", sagt Alizada. Er sei glücklich, dass er eine positive Geschichte zu erzählen habe.

Aufgewachsen mit neun Geschwistern

Abbas Alizada stammt aus einer armen Familie mit zehn Kindern. Seine Eltern konnten die Gebühren für eine Kung-Fu-Schule nicht bezahlen. Aber durch sein Können imponierte Alizada einem Meister: Dieser nahm ihn unter seine Fittiche.

Auf Facebook nennt sich Abbas Alizada "Bruce Hazara". Die Hazara sind eine Ethnie, die hauptsächlich in Zentralafghanistan siedelt. Da Afghanistans jüngere Vergangenheit aber von ethnischen Konflikten gezeichnet ist und ein Name wie "Hazara" als Ablehnung gegenüber anderen Ethnien verstanden werden kann, will Alizada lieber "Der afghanische Bruce Lee" genannt werden.

Die Sicherheitslage in dem Kriegsland Afghanistan hat sich zuletzt wieder verschlechtert. Trotz der strengen Sicherheitsvorkehrungen gelingt es Angreifern immer wieder, Anschläge zu verüben. Zuletzt waren bei einem Bombenanschlag auf eine Trauerfeier in der nordafghanischen Provinz Baghlan mindestens neun Menschen ums Leben gekommen.

Beobachter befürchten eine weitere Zunahme der Gewalt nach dem Abzug der letzten internationalen Kampftruppen zum Jahresende. Ab dem kommenden Jahr soll eine Nachfolgemission unter Führung der Nato einheimische Sicherheitskräfte ausbilden und beim Kampf gegen die radikalislamischen Taliban weiter unterstützen.

mka/Reuters

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