Der Rückfall der Christiane F. "Sie war mit jemandem zusammen, der sie nicht gut behandelt hat"

15 Jahre clean - nun der Rückfall. Christiane F. soll angeblich wieder Drogen konsumieren. Der Autor Horst Rieck, der das Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" geschrieben hat, kennt sie seit 30 Jahren. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview berichtet er von einer folgenschweren Begegnung in Amsterdam.


SPIEGEL ONLINE: Eine Berliner Zeitung berichtet, dass Christiane F., über die Sie das Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" geschrieben haben, rückfällig geworden ist. Wissen Sie, ob sie wieder Drogen nimmt?

Vor fast 30 Jahren erschienen: Die Geschichte der Fixerin Christiane F.
DPA

Vor fast 30 Jahren erschienen: Die Geschichte der Fixerin Christiane F.

Horst Rieck: Nein, ich weiß es wirklich nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wann hatten Sie zuletzt Kontakt zu Christiane F.?

Horst Rieck: Vor rund 14 Tagen.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Eindruck hatten Sie von ihr?

Rieck: Ich habe sie für sehr angespannt gehalten. Sehr schockiert und durcheinander nach den Ereignissen.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Ereignissen?

Rieck: Sie war in Amsterdam. Dort war sie wohl mit jemandem zusammen, der sie nicht gut behandelt hat. Er hat sich unter anderem offenbar in den Besitz ihres Telefonbuches oder zumindest von Auszügen des Telefonbuches gebracht. Anschließend hat er daraus Leute angerufen, um sich Geld zu beschaffen.

SPIEGEL ONLINE: Wie das?

Rieck: Er hat unter Vorspiegelung falscher Umstände erzählt, dass Christiane dringend Geld bräuchte. Auf diese Weise hat er auch Geld bekommen - was ich mindestens in einem Fall definitiv weiß.

SPIEGEL ONLINE: Geld von Ihnen?

Rieck: Nein, von mir nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wie groß ist die Chance nach den jüngsten Erlebnissen, dass Christiane F. wieder auf die Füße kommt? Die Behörden haben ja offenbar auch ihren Sohn anderweitig untergebracht.

Rieck: Grundsätzlich hat sie eine Chance. Ich denke, das ist eine Frage von Willen und Entscheidung. Dazu gehört viel Disziplin. Man weiß ja, dass bei vielen Suchtkranken ein Kind dem Leben eine Struktur gibt. Die Frage ist nun, was passiert, wenn das Kind nicht mehr da ist. Soweit ich das in den vergangenen Jahren immer mal wieder verfolgen konnte, ist sie sehr verlässlich, sorgsam und liebevoll mit ihrem Sohn umgegangen. Wenn man das Kind so sieht und nichts weiß, dann hält man ihn für einen ganz normalen Jungen.

Das Interview führte Lisa Erdmann.



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