Deutschlandlied, die erste Skandalrocker Doherty entschuldigt sich für Patzer

Maue Entschuldigung durch einen Dritten: Bei einem Live-Auftritt in München sang Pete Doherty die erste Strophe des Deutschlandlieds und sorgte für einen Eklat. Jetzt erklärte sein Manager, das Ganze sei ein Missverständnis gewesen.

ddp

München - Drei Tage nach seinem peinlichen Patzer während eines Überraschungsauftritts beim on3-Festival hat sich ein Sprecher von Skandalrocker Pete beim Bayerischen Rundfunk entschuldigt. Doherty hatte für Aufregung gesorgt, als er bei dem Spontan-Gig des Radiosenders die erste Zeile des Deutschlandlieds ("Deutschland, Deutschland, über alles") anstimmte.

Weil die erste Strophe des Liedes von den Nationalsozialisten für ihre Propaganda missbraucht worden war, wird sie heute nicht mehr gesungen. Die dritte Strophe bildet heute die deutsche Nationalhymne ("Einigkeit und Recht und Freiheit").

Auf der Facebook-Seite des Jugendsenders on3 heißt es nun, Dohertys Manager Adrian Hunter habe eine Entschuldigung im Namen des Künstlers verfasst, in dem dieser sein Bedauern darüber ausdrückt, dass durch den Vorfall Musiker und Konzertbesucher vor den Kopf gestoßen wurden.

Doherty habe bei seinem Auftritt in München dem Publikum nahe sein wollen, hieß es. Die kontroverse Natur der Zeilen des Deutschlandlieds sei ihm nicht bekannt gewesen. Doherty habe selbst jüdische Wurzeln und sei immer gegen Rassismus und Faschismus angetreten. "Das ist ein Thema, das ihm sehr wichtig ist."

"Peter ist ein aktiver Unterstützer von antifaschistischen und antirassistischen Organisationen und möchte die Gelegenheit nutzen, jeden zu ermutigen, aktiv gegen solche Doktrinen zu kämpfen", heißt es in der Erklärung.

Der zuständige Programmbereichsleiter Rainer Tief vom Bayerischen Rundfunk bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass dem Sender die von Manager Adrian Hunter unterschriebene Entschuldigung vorliege, in der Peter Doherty zitiert werde. Es sei gut, dass Doherty noch einmal alles richtig gestellt habe, weil "wir sonst nicht mehr mit ihm hätten zusammenarbeiten können".

Tief bedauert, dass über den Skandal um das Deutschlandlied die vom Sender betriebene Nachwuchsförderung ins Hintertreffen gerate: "Wir machen solche Sendungen, um junge Künstler ins Rampenlicht zu rücken. Jetzt redet niemand mehr über deren Musik, sondern nur noch über das Deutschlandlied."

Der Bayerische Rundfunk hatte erklärt, der Vorfall sei bedauerlich, aber leider nicht vorherzusehen gewesen, weil es sich um einen Live-Auftritt gehandelt habe. Der Auftritt dürfe nicht überbewertet werden, sagte BR-Sprecher Rudi Küffner. "Er singt viermal hintereinander mit schwachem Stimmchen 'Deutschland, Deutschland über alles', dann buht das Publikum so laut, dass er eh ein anderes Lied anfangen muss."

ala



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