Deutschlands Stimme: Zwischen Slime und Lena

Was für eine Wahl: Zwischen "Deutschland verrecke" oder "Germany douze pointes" konnte SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Mike Glindmeier aussuchen. Er entschied sich für Punk und war am Ende des Abends doch ein Fan von Lena.

Grand Prix: Wie Lena Europa eroberte Fotos
REUTERS

Ich hatte die Qual der Wahl. Wie jedes Jahr mit einem Dutzend netter Menschen eine große Grand-Prix-Sause in meinem kleinen Wohnzimmer feiern - oder zum Konzert anlässlich des 100. Geburtstages meines Lieblungsclubs FC St. Pauli gehen.

Die Wahl fiel schwer: Nach diversen Jux-Auftritten der Marke Horn oder Raab, nach peinlichen Pleiten wie denen der No Angels oder von Gracia hatte Deutschland in Person von Lena Meyer-Landrut endlich wieder eine Chance auf den Sieg beim Europakrieg ohne Waffen. Doch am Millerntor spielten meinen Jugendhelden von Slime. "Deutschland verrecke" oder "Germany douze pointes" - das war die Frage.

Ich entschied mich für den Punkrock. Das war auf den ersten Blick die richtige Wahl.

Strahlender Sonnenschein auf St. Pauli, 20.000 Leute, neben Slime Klassebands wie Kettcar oder Bela B. Die gute Laune verging mir jedoch schnell, als ich die Schlangen am Bierstand sah. Unter eine Stunde Wartezeit ging nichts, bei über 30 Grad keine gute Bedingung für ein rauschendes Open Air. Um der Sonne zu entfliehen und nicht vollständig zu dehydrieren zog ich auf die überdachte Tribüne um. Doch dort war der Sound ätzend.

Langsam bereute ich meine Entscheidung, wobei ich immerhin Slime noch mit gutem Sound und einer sensationellen Performance erlebt hatte. Jetzt noch Kettcar und ab nach Hause, so konnte ich die Punktevergabe und somit das eigentlich Spannendste am Grand-Prix noch schaffen. Nach der Zugabe ging es direkt in die U-Bahn, es folgte eine Punktlandung.

Rechtzeitig zum Schnelldurchlauf saßen wir vor dem Fernseher. Spätestens jetzt war klar: Lena holt das Ding. Ich konnte den Song zwar eigentlich nicht mehr hören, aber er war an diesem Abend einfach unschlagbar.

Wir wurden Zeuge eines historischen Momentes. Leider ohne Party. Die fand einen Abschlag vom Millerntor entfernt auf der Reeperbahn statt. Als ich die Live-Schalte sah, war ich froh, an diesem Abend nicht mehr auf St. Pauli zu sein. Dieses Jahr wird wieder mit netten Menschen bei mir zu Hause gefeiert. Komme, wer oder was da wolle!

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Germany douze pointes???
Fallysie 26.12.2010
Zitat von sysopWas für eine Wahl: Zwischen "Deutschland verrecke" oder "Germany douze pointes" konnte SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Mike Glindmeier aussuchen. Er entschied sich für Punk und war am Ende des Abends doch ein Fan von Lena. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,735778,00.html
Ich pflege zwar nicht die Sitte, jeden Rechtschreibfehler in jedem Artikel zu kommentieren (zumal der SPIEGEL hier noch äußerst positiv aus der deutschen Presselandschaft herausragt), aber "douze pointes" sieht dann doch ein bisschen zu seltsam aus.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Leute
RSS
alles zum Thema Lena Meyer-Landrut
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 1 Kommentar
Das war 2010

Glanzlichter, Tragödien, Katastrophen, Glücksmomente - auf SPIEGEL ONLINE schildern Redakteure, Reporter und Autoren, wie sie die besonderen Ereignisse des Jahres erlebten.

JANUAR

Björn Hengst und Marc Pitzke erlebten das Erdbeben in Haiti, Barbara Hans blickt zurück auf den Missbrauchsskandal in Kirchen und Schulen

FEBRUAR

Severin Weiland schreibt über FDP-Chef Westerwelle und die "spätrömische Dekadenz" , Barbara Hans erinnert an den Rücktritt der Bischöfin Margot Käßmann

MÄRZ

Axel Bojanowski mühte sich phonetisch beim Ausbruch des Eyjafjallajökull in Island

APRIL

Philip Bethge war dabei, als die Ölpest am Golf eine einmalige Naturlandschaft zu zerstören drohte

MAI

Sebastian Fischer traf der Rücktritt des Bundespräsidenten Köhler überraschend, Mike Glindmeier staunte über den Eurovisions-Siegeszug der Lena Meyer-Landruth

JUNI

Stefan Schultz beschäftigte das Comeback der Atomkraft

JULI

Julia Jüttner und Jörg Diehl über die Love-Parade-Katastrophe, Katharina Peters über Spanien als Fußballweltmeister , Jochen Leffers über die gescheiterte Schulreform in Hamburg , Hendrik Ternieden über Lothar Matthäus , Matthias Kremp über Stuxnet und die Cyberkrieger

AUGUST

Ann-Dorit Boy war Augenzeugin der Brände in Russland , Hasnain Kazim bei der Flutkatastrophe in Pakistan , Roman Büttner fuhr einen Mercedes SLS auf der Nordschleife des Nürburgrings

SEPTEMBER

Hasnain Kazim und Anna Reimann über die Thesen des Thilo Sarrazin, Florian Gathmann über Grüne auf Rekordhoch , Hendrik Ternieden über blutigen Protest bei Stuttgart 21

OKTOBER

Klaus Ehringfeld erlebte die Rettung chilenische Bergarbeiter , Simone Utler berichtete über giftigen Rotschlamm in Ungarn , Annette Langer verfolgte einen Kinderpornografie-Skandal in Belgien

NOVEMBER

Ole Reißmann und Christoph Seidler über die Castor-Transporte nach Gorleben, Yassin Musharbash über Terror-Alarmismus , Frank Patalong über IT-Sicherheit und Christian Stöcker über die Nöte von Journalisten, die ständig über Google schreiben müssen.

DEZEMBER

Yasmin El-Sharif fragt sich, wie sich die Hartz-IV-Debatte auf Kinder auswirkt, Marc Pitzke dokumentiert die Rückkehr der Gier an der Wall Street , Christoph Seidler war Augenzeuge beim Klimagipfel in Cancún , Sven Böll warnt vor teutonischer Euro-Arroganz und Niels Reise fragt sich, wohin Schweden steuern wird.