TV-Doku über Diana Die einsame Prinzessin

Ihr Tod bewegte die Welt und brachte die britische Monarchie in Aufruhr: 20 Jahre nach Dianas tödlichem Unfall widmet sich eine neue Doku ihrem Leben - inklusive umstrittener Aufnahmen mit einem Sprechtrainer.

AP/ Lord Snowdon

Vor rund 20 Jahren, in der Nacht auf den 31. August 1997, starb Diana Frances Spencer, Prinzessin von Wales, an den Folgen eines schweren Autounfalls in Paris. Ihr Tod führte zu enormer Anteilnahme und öffentlicher Trauer, wie sie Großbritannien nie zuvor erlebt hatte. Zehntausende reisten nach London, um sich von der "Prinzessin der Herzen" zu verabschieden. Menschen brachen weinend auf der Straße zusammen, lagen sich in den Armen, trugen ein Meer von Blumen zum Kensington- und Buckingham-Palast.

Anji Hunter, Kommunikationschefin des damaligen Premiers Tony Blair, erkannte ihre Mitbürger nicht wieder: "Ich habe so etwas in meinem Leben noch nie erlebt", erinnert sie sich heute. "Ich dachte: Das sind Briten, die zugeknöpften Briten, die jetzt weinen und heulen wie die Schlosshunde. Das war schon ein erstaunlicher Anblick."

Viele Briten warfen Queen Elizabeth II., die sich mit öffentlichen Trauerbekundungen zurückhielt, Kaltherzigkeit vor. Trauer wurde zu Wut und richtete sich gegen die Königin. Dabei hatte sie vor allem Dianas Söhne William, damals 15 Jahre alt, und Harry, damals 12, abschirmen wollen. "Kümmern Sie sich um die Jungs!", rief ihr eine beinahe feindselige Menge entgegen, als sie schließlich doch ihren Rückzugsort Balmoral in Schottland verließ und mit den beiden Prinzen zurück nach London kam. "Genau das haben wir getan!", antwortete ihr Mann Philip, der seine Wut offensichtlich nur mühsam im Zaum halten konnte.

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Diana: Die "Prinzessin der Herzen"

"Ich dachte: Fühlt sich so ein Bürgerkrieg an? Erleben wir gerade den Beginn davon?", beschreibt ein Journalist rückblickend die Stimmung in diesen Tagen.

Nun, kurz vor Dianas 20. Todestag, kommen alle Erinnerungen in Großbritannien wieder hoch. Zeitzeugen erinnern in Zeitungsartikeln und TV-Dokumentationen an Diana und ihren viel zu frühen Tod. Auch William und Harry sprechen darüber, wie sie vom Tod ihrer Mutter erfuhren, wie traumatisch der Verlust war, wie sie weiterlebten.

Die Erfindung der volksnahen Monarchen

Heute nimmt vor allem die jüngere Generation der Royals ihre Aufgaben im Sinne Dianas wahr. Locker, freundlich und volksnah zeigten sich William und Kate bei ihrem jüngsten Deutschlandbesuch: Small Talk mit dem Volk, in Sneakers durch Heidelberg, ein Abend in Clärchens Ballhaus - all das hätte es ohne Dianas vorgelebte Volksnähe wohl nicht gegeben.

Als Schutzherrin der Schwachen setzte sich Diana ans Bett der Opfer von Landminen und reichte Aidskranken die Hand. Dafür wurde sie vom Volk geliebt und erlangte den Status eines Popstars - auch und gerade nach ihrer Trennung vom britischen Thronfolger Charles. "So eine Popkultur - das hatten die vorher nicht gekannt. Und das hat die auch irritiert", sagt Gloria von Thurn und Taxis über die Reaktion des konservativen Königshauses auf Diana.

Wie sich die Emanzipation von "Shy Di" zur "People's Princess" vollzog, offenbarte Diana selbst - im Gespräch mit ihrem Sprechtrainer Peter Settelen, der sie zu einer selbstbewussteren Rednerin ausbilden sollte. Von den Gesprächen existieren Aufnahmen, die im Juli in Großbritannien erstmals ausgestrahlt wurden - trotz der Proteste unter anderem von Dianas Bruder Charles Spencer.

Sie sei im Innern immer rebellisch gewesen, sagte Diana zu Settelen, aber die Rebellin sei nicht durchgekommen. Detailliert beschrieb sie auch, wie sie und Prinz Charles sich näherkamen: "Wir saßen an dem Abend beim Grillen auf diesem Strohballen und sprachen über Lord Mountbatten, dann über seine Freundin. Ich sagte: Du bist bestimmt sehr einsam. Das muss furchtbar sein, den Gang in der St.Pauls-Kathedrale entlangzugehen, und vorne steht der Sarg von Lord Mountbatten. Wie schrecklich! Du brauchst jemanden an deiner Seite. Oh, falsches Wort. Da sprang er mich fast an und begann, mich zu küssen. Seine Hände waren überall. Ich dachte: Oh, so etwas macht man doch nicht! Für den Rest des Abends folgte er mir überall hin, wie ein Welpe. Und ... ja, ich war geschmeichelt, aber auch sehr verwirrt."

Die Hochzeit mit Charles bezeichnete Diana in den Gesprächen als schlimmsten Tag ihres Lebens. Ihr sei klar geworden, dass Charles keinesfalls die Absicht hatte, seine große Liebe Camilla aufzugeben: "Ich fragte meinen Mann: Was macht diese Frau hier? Er sagte: Ich weigere mich, der einzige Prinz von Wales zu sein, der nie eine Mätresse hatte."


Die Aufnahmen mit Stimmcoach Peter Settelen zeigt SPIEGEL TV in deutscher Erstausstrahlung im Rahmen des Themenabends "Diana - Die Tragödie einer Prinzessin" am Samstag, 26. August, 20:15 Uhr auf Vox.

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gabrielle_weltsch 27.08.2017
1.
Neben all den Beweihräucherungen und Schönrednereien einer mehr als sehr kontrovers zu betrachtenden Persönlichkeit waren eigentlich nur die höflichen aber realistischeren Kommentare der Fürstin von Thurn und Taxis ertragbar
gabrielle_weltsch 27.08.2017
2.
Neben all der Beweihräucherung und Schönrednerei einer mehr als kontrovers zu betrachtenden Persönlichkeit waren nur die höflichen aber einigermassen realistischen Kommentare der Fürstin von Thurn und Taxis ertragbar
123Valentino 28.08.2017
3. Es ist ...,
immer wieder erstaunlich wie sich die Wahrnehmung, in Bezug auf eine Person darstellt , sobald man das Wort Prinzessin, Referent aber auch Kardinal oder Papst , vor dem Namen setzt. Es wird fast alles entschuldigt , das was sie tun, das was sie sagen .
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