"Delighted". Wer etwas auf sich hält, kann in Großbritannien kaum mehr Freude und Euphorie in ein Wort pressen. "Delighted" ist das "affengeil" der Upper Class. Und so fühlen sich dieser Tage angesichts der Schwangerschaft von Herzogin Catherine alle: die Queen, der Premier, die werdenden Eltern sowieso.
Wie engagiert die Briten ein Thema diskutieren und verfolgen, lässt sich bei den Buchmachern erkennen. Es gibt Themen, die sind kontrovers und trotzdem würde niemand einen Penny auf sie setzen. Und es gibt Themen, die sind nicht kontrovers, und doch wird auf alle und alles gesetzt, was damit zu tun hat.
Mädchen oder Junge? Man ist sich uneins. Aber immerhin ist die Zahl der Antwortmöglichkeiten begrenzt. Der Name? Diana wäre möglich, aber ganz schön bedeutungsschwer. Die Haarfarbe? Eher dunkelbraun als rot. (Wobei rothaarige Kinder immer die Frage aufwerfen, wer denn nun wirklich der Vater ist. Niemand weiß das so gut wie Harry.)
Man kann sogar wetten, wie lange Catherine in den Wehen liegen wird. Das mag angesichts einer Schwangerschaft im Anfangsstadium kühn erscheinen. Aber es gab auch Anbieter, die vor der Hochzeit des Paares darüber abstimmen ließen, wie wahrscheinlich es ist, dass der Mann der Queen, Prinz Philip, während der Zeremonie einschläft (was nicht passiert ist, aber durchaus möglich gewesen wäre).
Bleibt die Frage, für wen die Schwangerschaft eigentlich eine wirklich gute Nachricht ist?
Rolf Seelmann-Eggebert, Adelsexperte
Rolf Seelmann-Eggebert war immer dabei. Bei Prinz Charles und Diana, bei Prinz Charles und Camilla Parker-Bowles. Bei Kate und William. Er hat vielleicht mehr Hochzeiten kommentiert als irgendjemand sonst auf der Welt. Und er dürfte sich über die Nachricht freuen: Für ihn ist die Rente sicher. Denn er wird auch 2043, dann mit 106 Jahren, noch etwas zu tun haben.
David und Samantha Cameron, das andere Ehepaar an der Spitze des Staates
Als erstes Elternpaar im Staat hat man es manchmal ganz schön schwer. Man muss Vorbild sein für die eigenen Kinder. Und für Millionen Eltern. Als das Ehepaar Cameron im Juni 2012 seine Tochter Nancy in einem Pub vergaß, war ihm Spott und Hohn gewiss. Die Camerons dürften sich über den Nachwuchs bei den Royals freuen: Endlich richtet sich die Aufmerksamkeit auf ein anderes Paar, das den Nachwuchs in der Kneipe vergessen - und dadurch einen noch größeren Aufschrei produzieren kann.
Prinz Harry, Thronfolger-Bruder mit ausgeprägtem Freiheitsdrang
Eigentlich, so könnte man denken, ist Prinz Harry der Gekniffene: Für ihn wird es unwahrscheinlicher, selbst je den Thron zu besteigen, je mehr Kinder William und Kate zeugen. Einerseits. Doch andererseits kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass er eine diebische Freude daran hat, zwar ein bisschen vom Balkon zu winken, aber doch lieber nicht von dort zu regieren.
Pippa Middleton, die Schwester der werdenden Mutter
Sie meinen Pippa trifft es besonders hart? Zugzwang, die Konkurrenz unter Schwestern und all das? Blödsinn! Pippa ist die wahre Profiteurin der Liaison ihrer Schwester mit dem Thronfolger. Sie war der Star der Hochzeit, so schön wie die Braut, aber nicht ganz so vernünftig. Und sie weiß aus der Verbindung Kapital zu schlagen. Bestimmt auch aus dem Nachwuchs. Zum Beispiel mit dem Buch "How to Baby-Shower".
Sarah Ferguson, in Ungnade gefallene Tante des werdenden Vaters
Fergie war die Frau von Prinz Andrew. Aber in Erinnerung bleiben wird sie als die Frau, die kaum einen Fettnapf ausließ, nachdem diese Beziehung scheiterte. Sie wird sich von ganzem Herzen über den Nachwuchs ihres Neffen freuen: Endlich nuckelt mal wieder jemand anderes aus der Familie. Und das legitimerweise, ja, sogar am großen Zeh.
Estelle von Schweden, Thronfolger-Baby

Prinzessin Estelle: Gelassen bleiben und abwarten, was da kommt
Dominic Mohan, Chefredakteur der "Sun"
Natürlich hat er es gewusst, schon lange. Natürlich ist es in etwa so, als sei er dabei gewesen. Bei der Zeugung, bei der Nachricht, bei den Untersuchungen im Krankenhaus. Heute legt seine Zeitung nahe, Kates "Zustand" deute darauf hin, dass sie Zwillinge erwarte. Nun gut. "Sun"-Chefredakteur Dominic Mohan dürfte sich sehr für das Paar freuen - und nicht zuletzt für sich selbst. Kaum jemand sonst verdient mit halbwahren Geschichten so viel Geld. Und über kaum etwas kann so schön gemutmaßt werden wie über Schwangerschaften.
Prinz Charles, werdender Opa und Claus Hipp des Königreichs
Ob Prinz Charles je König wird, wer weiß das schon. Er ist länger in Warteposition als andere Menschen leben. Eins aber steht fest. Williams Vater ist das grüne Gewissen des Königreichs, ein wenig der Claus Hipp der Insel. Er zieht goldorangefarbene Möhrchen aus der Erde, verkauft Bio-Kekse. Und seine Wangen leuchten dann so rosig wie die eines Neugeborenen. Er wird sich freuen über den Nachwuchs. Endlich bewegt sich mal was.
han
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Leute | RSS |
| alles zum Thema Herzogin Catherine | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH