Die doppelten Hogers "Lügen kann ich nicht leiden" - "Aber flunkern darf man schon"

Die eine gilt als herbe Diva, die andere als ihre Kopie. Die Schauspielerinnen Hannelore und Nina Hoger sind Mutter und Tochter, Kolleginnen - Freundinnen, sagen sie, sind sie nicht. SPIEGEL ONLINE traf beide zum Gespräch.


SPIEGEL ONLINE: Nina Hoger, der Gedanke "Oh Gott, ich bin wie meine Mutter!" - hatten Sie den schon oft?

Nina Hoger: Nein!

Hannelore Hoger: Als du noch jünger warst, haben die Leute oft gesagt: 'Du bist die Kopie deiner Mutter'. Wir sahen uns wirklich ähnlich.

SPIEGEL ONLINE: Hat Sie das genervt?

Nina Hoger: Genervt hat es mich, wenn man mich früher als "kleine Hannelore" titulierte. Aber das ist heute nicht mehr so. Das empfand ich als respektlos. Ich bin keine kleine Hannelore. Vielleicht meinten sie es auch nett, aber es kam anders an.

Hannelore Hoger: Das war von den Leuten instinktlos. Die haben sich nichts dabei gedacht. Von einfühlsamen Menschen kam so etwas aber nicht.

Nina Hoger: Das stimmt.

SPIEGEL ONLINE: Wie würden Sie sich gegenseitig charakterisieren?

Hannelore Hoger: Du bist eine temperamentvolle, leidenschaftliche, intelligente Person.

Nina Hoger: Meine Mutter ist außerdem tolerant und sehr großzügig. Sie hat ein großes Herz.

Hannelore Hoger: Nina ist auch sehr impulsiv, aber nicht ganz so schrecklich wie ich. Ich bin ja eher jähzornig. Manchmal könnte ich gegen die Wand treten.

SPIEGEL ONLINE: Mit Regisseur Peter Zadek waren Sie zwei Jahrzehnte lang zerstritten, Sie liefen beide wie beleidigte Leberwürste durch die Welt.

Hannelore Hoger: 20 Jahre sind auch lang. Zu lang, übrigens! Er hat es versucht, da wollte ich nicht. Als ich es versucht habe, wollte er nicht. Nun haben wir aber das Kriegsbeil begraben.

SPIEGEL ONLINE: Knallt es bei dem wuchtigen Temperament auch zwischen Ihnen beiden?

Nina Hoger: Ab und zu schon, aber das dauert dann keine 20 Jahre! Das war schon immer so in unserer Familie: Es gab kein Unter-den-Tisch-Kehren.

Hannelore Hoger: Konfliktscheu sind wir gar nicht.

Nina Hoger: Es wird immer alles sofort ausgesprochen - im Positiven wie im Negativen. Bei uns wird nichts auf Halde gelegt. Das ist toll, da staut sich nichts an. Manchmal vielleicht etwas wild, aber dafür sind wir auch nicht nachtragend. Also ich bin überhaupt nicht nachtragend.

Hannelore Hoger: Ich schon.

Nina Hoger: Nur eines kann ich nicht leiden, das ist Lügen. Wenn ich angelogen werde, bin ich gnadenlos. Da habe ich auch schon Freundschaften beendet.

Hannelore Hoger: Aber ein bisschen lügen gehört auch dazu. Also flunkern darf man schon.

Nina Hoger: Flunkern ist was anderes. Eine Lüge ist ein Vorsatz.

Hannelore Hoger: Eine Notlüge muss erlaubt sein. Ich bin da nicht so gnadenlos. Dafür bin ich nachtragend, also ich vergesse nicht so leicht.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie denn verzeihen?

Hannelore Hoger: Verzeihen muss man können. Und zwar ganz. Entweder man verzeiht es oder man verzeiht es nicht. Wenn man nur halb verzeiht, hat es keinen Sinn. Aber das bedeutet, dass beide Seiten dazu bereit sind, es zu lassen oder sich zumindest auszusprechen. Viele Männer haben dazu nicht die Energie und Haltung und sind feige. Feigheit kann ich auch nicht leiden. Ich mag es gerne, wenn es direkt zugeht. Wobei man auch nicht immer jedem - peng! - die Wahrheit an den Kopf schleudern muss. Aber im Kern offen sein. Konflikte aushalten. Das tun wir beide.

Nina Hoger: Und zwar privat - aber auch in der Arbeit. Es bringt nichts, einem immer nur Honig um den Bart zu schmieren.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, am Set geht es mit den Hoger-Damen auch hoch her?

Hannelore Hoger: Wenn ich arbeite, bin ich manchmal auch heftig, das gehört ein bisschen zu meinem Naturell. Aber ich muss mich auseinandersetzen, das hat sonst überhaupt keinen Sinn. Eigentlich tut man es viel zu selten. Aber in unserem Beruf ist dafür keine Zeit. Oft kennen sich die Leute am Set gar nicht und dann knallen Menschen, Gefühle und Ansichten aufeinander.

SPIEGEL ONLINE: Und eigenartige Charaktere ...

Hannelore Hoger: ... das sowieso, weil alle Schauspieler verschieden und wahnsinnig empfindlich sind, wie kleine Kinder. Und man muss jeden letztendlich anders behandeln, was gar nicht geht. Was glauben Sie, wie empfindlich Kollegen sind?

SPIEGEL ONLINE: Sie sicher auch.

Hannelore Hoger: Ich auch, ja! Ich will gar nicht bestreiten, dass ich mich auch im Ton vergreife, aber ich mache das nicht aus Bosheit. Aber die Zeit, sich wirklich auseinanderzusetzen, hat man kaum noch. Man steht unter einem unglaublichen Zeitdruck.

SPIEGEL ONLINE: Wie würden Sie Ihre Verbindung zueinander beschreiben: Ist es ein klassisches Mutter-Tochter-Verhältnis oder eher eine Freundinnenbeziehung?

Nina Hoger: Wir werden immer Mutter und Tochter bleiben.

Hannelore Hoger: Sie ist doch mein Kind, wie soll das sonst sein?

SPIEGEL ONLINE: Es gibt ja einige, die sind wie Freundinnen zueinander. Versacken Sie auch mal zusammen an der Bar?

Hannelore Hoger: Neulich waren wir zusammen im Kino und haben danach etwas getrunken. Aber sind wir schon mal zusammen an einer Bar versackt? Also in einem Lokal schon - aber an einer Bar?

Nina Hoger: Wenn dann im Lokal.

SPIEGEL ONLINE: Es ging eher um den Umstand des gemeinsamen Abstürzens, weniger um die Lokalität.

Hannelore Hoger: Sagen wir es mal so: Nina ist schon öfter versackt, ich auch - manchmal gemeinsam, manchmal getrennt.

Nina Hoger: Wenn wir angetütelt sind, dann zu Hause. Also: Wir haben schon ein sehr vertrautes Verhältnis.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie Kummer haben, wen rufen Sie an?

Hannelore Hoger: Du rufst nicht unbedingt mich an.

Nina Hoger: Nein, nicht unbedingt. Du erfährst es ja sowieso ...

Hannelore Hoger:... ich merke es schon drei Meter im Voraus.

Nina Hoger: Ja, sie hört es am Telefonklingeln. Nein, im Ernst: an meiner Stimme. Ich brauche nur "Hallo" sagen, dann kommt sofort: "Was ist los?"

SPIEGEL ONLINE: Sie spielen in dem Weihnachtsfilm "Eine stürmische Bescherung" Mutter und Tochter wie im wahren Leben. Man sieht eine ungewohnt sanfte, mütterliche Hannelore Hoger …

Hannelore Hoger: … die Leute sind auch oft überrascht, wenn sie zu einer Lesung von mir kommen und eine völlig andere Tante da sehen. Abgesehen davon höre ich oft: "Sie sehen ja privat viel besser aus als im Film!"

SPIEGEL ONLINE: Woran liegt das denn Ihrer Meinung nach?

Hannelore Hoger: Kameramänner haben einfach keine Zeit, jemanden anständig zu beleuchten, weil das Pensum immer größer wird. Natürlich können sie eine Zwanzigjährige beleuchten wie sie wollen, die sieht immer gut aus. Aber eine Hundertjährige wie mich?! Da muss man sich schon etwas mehr Mühe geben, damit sie wenigstens wie 90 aussieht.



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