Dieter Bohlen vor Gericht: "Ich sag immer die Wahrheit"

Auftritt eines deutschen Dampfplauderers: Musikproduzent Dieter Bohlen inszenierte seine Zeugenaussage vor dem Lübecker Landgericht als ganz große Show - peinliche Protzerei inklusive.

Lübeck - Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, heißt es im Grundgesetz. Promi-Bonus ausgeschlossen. Und daher gilt auch Dieter Bohlen, Deutschlands vielleicht bekannteste Schwatzbacke, vor dem Landgericht Lübeck als "ganz normaler Geschädigter" in einer Einbruchs- und Raubserie.

Doch Bohlens Zeugenaussage am heutigen Montag war alles andere als normal: Es herrschte Andrang, viele Neugierige hatten schon Stunden vor Prozessbeginn für einen Sitzplatz angestanden - und der 54-Jährige enttäuschte sie nicht. Den wegen Einbruchs angeklagten Thomas K. beachtete kaum jemand.

In dem bereits seit mehreren Wochen laufenden Verfahren geht es um insgesamt zwölf Einbrüche und Raubüberfälle, die dem 47 Jahre alten Angeklagten vorgeworfen werden.

"Das weiß ich nicht"

Gleich zu Beginn sorgte der prominente Zeuge für die ersten Lacher im ehrwürdigen Schwurgerichtssaal: Auf die Belehrung der Vorsitzenden Richterin Helga von Lukowicz, als Zeuge müsse er die Wahrheit sagen, sonst drohten ihm erhebliche Strafen, platzte Bohlen heraus: "Ich sag immer die Wahrheit!"

Bei Bohlens Befragung zu dem Einbruch in seine Villa wurde schnell klar, dass er mit der gut fünf Jahre zurückliegenden und versicherungstechnisch längst abgewickelten Tat weitgehend abgeschlossen hat. Was damals passiert sei? "Das weiß ich nicht", antwortete der 54-Jährige zunächst. Ob er noch wisse, wann er damals vor dem Einbruch das Haus verlassen habe? "Nö", sagte er lapidar.

So ganz verschwunden ist seine Erinnerung an jenen Samstag im Dezember 2003 aber offenkundig nicht. Er sei abends bei "Deutschland sucht den Superstar" gewesen und dann nachts noch von Köln nach Tötensen zurückgefahren. Gegen halb vier sei er angekommen, "da sah ich dann schon, dass ein Auto fehlte, Türen waren aufgebrochen".

In der Villa: Handys, Notebook, Kameras, Bargeld

Nicht nur wegen der exquisiten Hauseinrichtung und des damals nagelneuen Studio-Equipments habe sein Domizil Dieben reiche Beute geboten, erzählte Bohlen: "Ich hatte diese ganzen Weihnachtsgeschenke, die ich mir schenken wollte ..." - Gelächter - "... und natürlich auch anderen." Die habe er in seinem Keller aufgebaut gehabt: zum Beispiel einen Flachbildschirm fürs Schlafzimmer, "originalverpackt", für seine Kinder Handys und andere technische Geräte, "was Kinder sich so wünschen".

All dies hätten der oder die Täter mitgenommen, zudem unter anderem ein Notebook, Kameras, 1200 Euro in bar, drei Gitarren, Designer-Klamotten, Reisepass und Bootsführerschein, bestätigt Bohlen der Kammer. Marmor- und Parkettboden hätten sie beim Herausschleifen des Safes ramponiert.

"Am meisten ans Herz gegangen" sei ihm aber der Verlust eines Gemäldes, das er einst in der Sowjetunion für sein Musikzimmer erworben habe: das "riesengroße", abstrakte Bild eines Flügels. Dies sei eines von "bestimmt 20 oder 30" entwendeten wertvollen Gemälden. Schließlich könne er in seinem Haus voller Antiquitäten "kein Ikea-Bild an die Wand hängen", verdeutlichte Bohlen.

Carina am Steuer

Der 54 Jahre alte Musikproduzent hatte sich von seiner Freundin Carina mit einem amerikanischen Geländewagen zu dem Termin fahren lassen. Die letzten Meter legte er zur Freude der zahlreichen wartenden Fotografen, Kamerateams und Autogrammjäger zu Fuß zurück. Lässig in Jeans und taillenkurzer blauer Daunenjacke mit pelzgesäumter Kapuze betrat er kurz darauf den Gerichtssaal, in dem die überwiegend weiblichen Fans die Hälse reckten.

Sie würden ihre Überstunden abbummeln, um "ihren Dieter" mal ganz aus der Nähe zu erleben, verrieten einige Mitarbeiterinnen der Justizverwaltung. Eine Mittvierzigerin antwortete auf die Frage, was ihr an Bohlen denn besonders gefalle: "Er sieht geil aus und trägt geile Klamotten."

jjc/dpa/AP/AFP

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