"Django Unchained": Aktivisten fordern Boykott von Action-Figuren

Trivialisierung der Sklaverei, Respektlosigkeit gegenüber Afroamerikanern: US-Bürgerrechtsaktivisten üben heftige Kritik an Action-Figuren zu Quentin Tarantinos neuem Film "Django Unchained" - und fordern einen Boykott. Der Regisseur und die Hersteller des Spielzeugs schweigen zu den Vorwürfen.

Tarantino-Film: Action-Figuren von "Django Unchained" in der Kritik Fotos
AP

Los Angeles - Quentin Tarantino hat es wieder einmal geschafft. Kaum ist sein Film "Django Unchained" in den Kinos, gibt es heftige Kritik. Und ausnahmsweise konzentriert sich die nicht allein auf die Gewaltszenen - sondern auf Spielzeug. Unter den Merchandising-Artikeln zum Film sind auch Plastikfiguren, den Rollen der Hauptdarsteller nachempfunden. Mehrere davon - Jamie Foxx, Kerry Washington und Samuel L. Jackson - sind Afroamerikaner und spielen Sklaven.

Dass diese Charaktere nun in Form von Action-Figuren zu kaufen sind, kommt bei einigen Bürgerrechtsgruppen gar nicht gut an. Die Interessengruppe National Action Network rief zu einem landesweiten Boykott der Figuren auf. Der Verkauf der Figuren sei "höchst respektlos gegenüber unseren Vorfahren und der afroamerikanischen Gemeinschaft", sagte ein Sprecher der Organisation. "Der Film ist für Erwachsene, aber diese Action-Figuren sprechen Kinder an." Man wolle nicht, dass Sklaverei zur Farce gemacht werde.

Najee Ali vom Projekt Islamic Hope sagte, er habe den Film zweimal gesehen und finde ihn sehr gut. "Aber wir können diese Art der Kommerzialisierung nicht unterstützen." Er wisse von keinen Hitler-Puppen, die an Tarantinos Film "Inglorious Basterds" angelehnt seien. Die Figuren aus "Django Unchained" seien "ein Schlag ins Gesicht unserer Vorfahren" und trivialisierten die Schrecken der Sklaverei.

Laut "New York Daily News" äußerten sich weder der Puppenhersteller National Entertainment Collectibles Association noch der Lizenzpartner The Weinstein Company zu der Kritik. Auch Tarantino hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert - wohl aber zu Kritik, der Film sei zu brutal. Die Wahrheit während der Zeit der Sklaverei sei tausendmal schlimmer gewesen als das, was er zeige.

In dem Film spielt Jamie Foxx einen Sklaven, der kurz vor dem amerikanischen Bürgerkrieg einen blutigen Rachefeldzug gegen Sklavenbesitzer und -aufseher antritt. Außer Foxx spielen Kerry Washington, Leonardo DiCaprio, Christoph Waltz und Samuel L. Jackson mit. Bei der Deutschland-Premiere des Films in Berlin übten sich deutsche Promis als Revolverhelden. "Django Unchained" ist für fünf Golden Globes nominiert.

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14  Bilder
"Django Unchained"-Premiere: Pistolen-Poser

ulz/AP

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insgesamt 57 Beiträge
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1.
gbk666 09.01.2013
Action Figuren von der Art werden fast nur von Erwachsenen gekauft.(Die im Kopf oft noch nicht so ganz erwachsen sind......was auch gut so ist)
2. US-Medien und NGOs
el-gato-lopez 09.01.2013
Zitat von sysopTrivialisierung der Sklaverei, Respektlosigkeit gegenüber Afroamerikanern: US-Bürgerrechtsaktivisten üben heftige Kritik an Action-Figuren zu Quentin Tarantinos neuem Film "Django Unchained" - und fordern einen Boykott. Der Regisseur und die Hersteller des Spielzeugs schweigen zu den Vorwürfen. "Django Unchained": Aktivisten fordern Boykott von Action-Figuren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/leute/django-unchained-aktivisten-fordern-boykott-von-action-figuren-a-876666.html)
Ein Blick in die seriösen US-Medien bzw. Blogs genügt, um zu sehen, dass da von kleineren und kleinsten Gruppen laut gegen den Film gezetert wird. Das Funktionsprinzip ist immer das gleiche, je kleiner die NGO, desto lauter und provokanter muss man auftreten, um Gehör und Spendengeld zu bekommen. Das zwanghafte, bisweilen hysterische Bemühen eines Opferstatus scheint zumindest dem Grossteil der jetzigen afroamerikanischen Interessengruppen als Relikt vergangener Zeiten und wenig selbstbestimmt und problembezogen zu gelten. Die seriösen Gruppen wissen, dass sie sich angesichts des tatsächlich weitverbreiten Alltagsrassismus/Diskriminierung mit einem Einschiessen auf diesen Film primär nur lächerlich machen würden. PS: Der Verweis auf ausgerechnet die NY Daily News = New Yorker BILD zeugt mal wieder von grandioser Unkenntnis deutscher Journalisten über die Medienlandschaft der USA; man zitiert im Falle GB ja auch gern die SUN oder DailyMail...)
3.
kai-zen 09.01.2013
man kann sich über alles aufregen... als nächstes kommen die Schotten und wollen Figuren von Mel Gibson´s William Wallace verbieten lassen. Die alten Römer könnten auch aufkreuzen und den "Gladiator" verbieten lassen... sind auch alle im gestorben...
4. Von der Mücke zur Elefantenherde
verteidigungslinie 09.01.2013
Tatsache ist - die meisten Sklaven waren Schwarze - das ist real und geschichtlich belegt. Aber wer sonst nichts zu tun hat...
5.
twan 09.01.2013
Zitat von MundräuberinTarantinos Schandwerk Inglorious Basterds hat mich als Deutsche genau so beleidigt. Nur leider haben wir als geborene Täter keine durchsetzungsfähige Lobby.
Nennt sich künstlerische Freiheit. Wie ich meine, das Simon Wiesenthal Centre soll sich mal nicht über Augstein aufregen(der gibt nur seine Meinung über einen STAAT wieder), sage ich ihnen als "Deutsche": regen sie sich mal nicht so auf, der Waltz war doch ein adretter Nazi. Dass er nicht nett war, war wohl wirklich früher teilweise so. Guten abend
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