Belästigungsvorwürfe gegen Filmproduzenten Empörung über Donna Karans Weinstein-Verteidigung

Zahlreiche Hollywoodgrößen wenden sich von Harvey Weinstein ab. Die New Yorker Designerin Donna Karan hat ihn verteidigt - und mit ihren Äußerungen neue Empörung ausgelöst.

Harvey Weinstein und Donna Karan (2007)
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Harvey Weinstein und Donna Karan (2007)


Donna Karan wurde wohl ziemlich schnell klar, dass sie mit ihrer Verteidigung für Filmproduzent Harvey Weinstein völlig danebenlag. Nur Stunden, nachdem sie den 65-Jährigen, der mehrere Frauen belästigt haben soll, am Rande einer Show in Los Angeles verteidigt hatte, entschuldigte sich die Designerin.

"Sexuelle Belästigung ist NICHT akzeptabel und ist ein Thema, das unabhängig von der Person behandelt werden MUSS", so Karan. Sie fühle mit den Opfern der Taten und es tue ihr leid, wenn sie jemanden mit ihren Äußerungen vor den Kopf gestoßen haben sollte.

Was war geschehen? Karan hatte der "Daily Mail" gesagt, einige Frauen würden Ärger suchen. Frauen müssten sich selbst fragen, "wie präsentieren wir uns, wie fragen wir, bitten wir darum, in dem wir unsere Sinnlichkeit und Sexualität zeigen?", sagte die 69-Jährige, auf die das bekannte Modelabel DKNY zurückgeht. Bereits in der Erziehung müsse es eine Diskussion darüber geben, wie Kinder tanzen und sich anziehen.

Ein klassischer Fall von Victim Blaming. Jetzt steht Karan selbst massiv in der Kritik. Schauspielerin Rose McGowan, bekannt aus der Serie NipTuck, nannte Karan etwa "Abschaum in einem schicken Kostüm". Deren Hilfe für Weinstein sei "ein moralisches Verbrechen", schrieb die Ex von Marilyn Manson auf Twitter, die selbst von Weinstein belästigt worden sein soll.

Darstellerin Mia Farrow teilte mit: "Kein Donna Karan mehr für mich." Die Entwürfe der Designerin sind in den USA sehr beliebt, auch Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zeigt sich gerne in Karans Kleidern. In den Achtzigern hatte die Designerin die Alltagsmode mit kombinierbaren Kleidungsstücken nachhaltig beeinflusst.

"Donna Karan hat gerade ihre Karriere ruiniert. Sie kann nie wieder als Verfechterin der Frauenrechte anerkannt werden", schrieb die australische Schauspielerin Sarah Wynter.

Andere User kündigten auf Twitter am, DKNY-Kleidung zu zerstören.

Der Druck auf Weinstein wird derweil immer größer. Er wurde von seinem Filmstudio The Weinstein Company entlassen- mehrere prominente Schauspielerinnen, Regisseure und TV-Moderatoren äußerten Kritik. Meyl Streep, die Weinstein 2012 bei den Golden Globes noch einen "Gott" genannt hatte, distanzierte sich inzwischen von dem Oscar-prämierten Produzenten.

Unter anderem die bekannte Schauspielerin Ashley Judd soll zu den Betroffenen zählen. Die Vorfälle, die die "New York Times" aufgedeckt hatte, reichen fast drei Jahrzehnte zurück. Mit mindestens acht Frauen habe sich Weinstein außergerichtlich geeinigt.

apr/AP

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