YouTuber aus fränkischem Dorf "Schanzenfest" beim Drachenlord mit Großaufgebot verhindert

Ein beschauliches Dorf in Franken wird regelmäßig von Demonstranten heimgesucht. Auch für dieses Wochenende kündigten die Gegner des umstrittenen YouTubers "Drachenlord" Proteste an. Die Polizei kam ihnen zuvor.

Das idyllische Altschauerberg
SPIEGEL ONLINE

Das idyllische Altschauerberg


Mit einem Großaufgebot ist die Polizei am Wochenende erneut im beschaulichen Ort Altschauerberg angerückt. Die Einwohner des 40-Seelen-Dorfes müssen regelmäßig von den Beamten geschützt werden - zuletzt Ende August.

Dort, etwa eine halbe Autostunde von Nürnberg entfernt, lebt nämlich der YouTuber "Drachenlord1510" - und der hat viele Feinde. "Im Internet hatte es mehrere Termine gegeben, an denen hier Veranstaltungen stattfinden sollten. Der Samstag ist als wahrscheinlichster übriggeblieben", sagte Polizeisprecher Rainer Seebauer vom Präsidium Mittelfranken laut "tz". Der Einsatz dauerte bis Sonntagmorgen.

Mehreren Medienberichten zufolge standen an jeder Ecke Polizeifahrzeuge, um das im Netz angekündigte "Schanzenfest" zu verhindern. Zufahrten zu dem Dorf wurden abgesperrt, Uniformierte patrouillierten auf den Straßen, Einwohner mussten sich ausweisen. Die befürchteten Proteste blieben aus.

"Ich prügel' die Scheiße aus euch raus"

"Drachenlord", der eigentlich Rainer Winkler heißt, hatte 2013 in einem Video seine Wohnadresse preisgegeben. "Kommt zu mir und legt euch mit mir an, ich prügel' die Scheiße aus euch raus", hatte er damals gesagt, offenbar nachdem seine Schwester von einem seiner Zuschauer einen einschüchternden Anruf erhalten hatte.

Zwischen Winkler und seinen Kritikern gibt es seit mehreren Jahren Streit. Er veröffentlicht Videos über sein Leben und provoziert auch mit extremen Ansichten - einmal bezeichnete er etwa den Holocaust als "nice Sache". Seine Kritiker beschimpfen ihn und machen sich über sein Aussehen, sein Gewicht und seine Ansichten lustig.

Seither fuhren immer wieder Unbekannte zu Winklers Haus und wurden teilweise übergriffig. Er wurde geschlagen und von einem Maskierten mit Eiern beworfen. Videos der Aktionen landeten im Netz.

Etwa rund 800 Gegner kamen in den Ort

2016 verurteilte das Landgericht Nürnberg einen damals 24-Jährigen zu einer mehrjährigen Haftstrafe. Neben etlichen anderen Straftaten hatte er einen falschen Notruf abgesetzt und damit einen großen Polizei- und Feuerwehreinsatz bei dem "Drachenlord" ausgelöst.

Beim Einsatz Ende August waren etwa 600 bis 800 überwiegend junge Männer in den Ort gekommen. Die Polizei sprach etwa 300 Platzverweise aus.

mhu

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