Drogenverharmlosung Kolumbien kritisiert Carla Brunis Kokain-Song

Seit der französische Präsident Nicolas Sarkozy die Sängerin Carla Bruni geheiratet hat, gehen Politik und Showbusiness in Frankreich Hand in Hand. Jetzt sorgt ein neues Liebeslied der First Lady sogar für außenpolitische Irritationen.


Bogotá - Der kolumbianische Außenminister Fernando Araújo ist verärgert. Bei der Liedzeile "Deine Liebe ist gefährlicher als kolumbianisches Kokain" denkt er keineswegs an leidenschaftliche Abhängigkeitsverhältnisse in einer Liebesbeziehung, sondern sehr konkret an die gesellschaftlichen Probleme im eigenen Land.

"Schmerzlich" sei für ihn diese Verquickung von "Politik und Kunst", erklärte der Minister am Donnerstag vor Journalisten. In Kolumbien stehe Kokain für Tod und Gewalt, und statt das zu verniedlichen, solle die ganze Welt lieber im Kampf gegen das Rauschgift mitwirken.

Araújo spricht aus leidiger Erfahrung: Er selbst war sechs Jahre lang in der Gewalt kolumbianischer Farc-Rebellen, nachdem er am 4. Dezember 2000 beim Joggen gekidnappt und in den Dschungel verschleppt worden war. Die Guerillagruppe wollte mit seiner Entführung inhaftierte Genossen freipressen. Am 31. Dezember 2006 konnte Araújo bei einem Befreiungsversuch der kolumbianischen Streitkräfte fliehen. Die Farc-Rebellen finanzieren ihren Kampf mit Gewinnen aus dem Kokainhandel. Kolumbien gilt als größter Kokainproduzent der Welt.

Am 21. Juli soll das neue Album der Präsidentengattin Carla Bruni erscheinen - eine Sammlung autobiografisch gefärbter Liedtexte, in denen sie offenbar gleich Dutzende alte Amouren verarbeitet.

Schon die Zeile "Ich bin ein Kind - trotz meiner 40 Jahre - trotz meiner 30 Liebhaber - ein Kind" hatte die britische Öffentlichkeit in helle Aufregung versetzt. Die Sängerin hatte daraufhin betont, die Songs seien entstanden, bevor sie den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy kennengelernt und geheiratet habe. Ein Sprecher des Elysée-Palastes erklärte nonchalant: "In Frankreich ist man nicht so prüde wie in den angelsächsischen Ländern. Die Menschen werden nicht entsetzt sein über derart poetische Liedtexte."

ala/AFP/Reuters



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