Drogenvorwürfe gegen Topmodel-Kandidatin "Das war dumm von mir"

Diese Sendung lässt nichts aus: Schlankheitswahn, Zickenalarm und jetzt auch noch ein Drogenskandal. "Germany's Next Topmodel"-Kandidatin Gisele soll Haschisch konsumiert und verkauft haben. In der neuesten Folge musste sie den Laufstegwettbewerb verlassen.


Hamburg - Es ist mal wieder an der Zeit für Tränen: Gisele O., 21, Kandidatin der ProSieben-Castingshow "Germany's Next Topmodel" (GNT) ist für ihre zahllosen Heulattacken aus nichtigem Anlass berüchtigt. Jetzt hätte sie Grund genug. Die brünette Halbbrasilianerin wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert: Gisele O. soll als Schülerin Drogen verkauft und konsumiert haben, berichtete die "Bild"-Zeitung.

"Es wurden auch ganz junge Schüler mit reingezogen", zitiert das Blatt den ehemaliger Direktor der Lehranstalt. Demnach soll Gisele O. auch an Siebtklässler einer Realschule im niedersächsischen Goslar Haschisch verkauft haben. Sie sei deshalb von der Schule geflogen, erklärt der Schulleiter in der "Bild".

SPIEGEL ONLINE fragte bei ProSieben eine Stellungnahme der 21-Jährigen an, die für ein Interview nicht zur Verfügung stand. In einem knappen Statement räumte Gisele O. einen Teil der Vorwürfe indirekt ein, wehrt sich jedoch gegen Anschuldigen, sie habe gedealt.

"Ich habe auf der Schule Mist gebaut", so die 21-Jährige. "Das war dumm von mir. Aber ich habe nie gedealt. Gegen diese Verleumdung werde ich juristisch vorgehen."

Kein Foto für Gisele - "zu pummelig"

Die Kandidatinnen und ihr Vorleben - in der laufenden dritten Staffel des erfolgreichen Formats mit Heidi Klum ist es nicht das erste Mal, dass über eine der Model-Anwärterinnen Peinliches bekannt wird. So hatte Kandidatin Aline, 20, für Nacktaufnahmen posiert. Das wurde in der Show thematisiert - der freizügige Twen wenig später aus dem Wettbewerb geworfen.

Konsequenzen für die Sendung sollte Giseles Drogenbeichte nicht haben: "Gisele verhält sich während der Produktion tadellos", sagt Sendersprecher Christoph Körfer SPIEGEL ONLINE. "Mutmaßungen über ihre Zeit als Schülerin haben keine Auswirkungen auf den Wettbewerb." Giseles Drogenkonsum werde in der Sendung kein Thema sein, so Körfer.

Ob nun gewollt oder Zufall - das Problem mit der Problemkandidatin hatte sich nur Stunden später von selbst erledigt. Für die Halbbrasilianerin kam das Aus für den Modeltraum am Donnerstagabend. In der neuesten Folge von GNT bekam sie kein Foto von der Jury überreicht - und schied damit aus dem Laufstegwettbewerb aus.

Ihr Abschied von der Sendung war alles andere als sanft: Gisele soll während der vergangenen Wochen über zwanzig Pfund zugenommen haben - und erntete bösen Spott von ihren Mitkandidatinnen. Ein Kunde wies die 21-Jährige gar bei einem Casting mit den Worten ab, sie sei "viel zu pummelig".

Germany's Next Topmodel: Eine abgekartete Show?

Glaubt man der Internet-Seite factorfake.de, stehen die Finalistinnen der Castingshow ohnehin längst fest. Den Ausstieg Giseles in der aktuellen Folge tippte die Seite jedenfalls richtig. Kandidatin Christina dagegen, die sich bislang allenfalls geringe Chancen ausrechnen durfte, soll es ins Finale schaffen.

ProSieben-Sprecher Körfer: "Die Sendung ist so begehrt, dass in vielen Medien darüber spekuliert wird, wer gewinnt. Die Entscheidung fällt die Jury erst am 5. Juni im Finale."

Weiteren Wirbel verursacht Ex-Kandidatin Fiona Erdmann, die der Show eine verzerrte Darstellung der Teilnehmerinnen unterstellt. "Jede wird von der Redaktion in ein Schema gepresst, damit es für die Zuschauer interessanter wird", sagte die Vierte der zweiten Staffel der Zeitschrift "TV Movie".

"Die Zuschauer sollten nicht alles für bare Münze nehmen"

"In unserer Staffel wurde ich von Anfang an als total gemeine Zicke hingestellt", klagte die 19-Jährige. Dazu seien die Szenen entsprechend geschnitten worden. "Einmal wurde ich genötigt, zwei andere Kandidatinnen am Strand zur Rede zu stellen", berichtete Erdmann.

In den Konflikt sei sie "regelrecht reingeschubst" worden. Die Zuschauer sollten darum "nicht unbedingt alles für bare Münze nehmen". Über ihre Erfahrungen in der Sendung sagte sie weiter: "Man befindet sich in einer komplett abgeschotteten Welt. Sogar das Handy wurde uns abgenommen."

Bei Gesprächen mit Freunden und Verwandten sei stets jemand aus der ProSieben-Redaktion dabeigewesen. "Privatsphäre gab es nie", sagte Erdmann.

Auch diesen Vorwürfen begegnet man beim Sender ProSieben betont gelassen. Christoph Körfer zu SPIEGEL ONLINE: "Worüber würde Fiona heute sprechen, wenn sie letztes Jahr nicht an der Show teilgenommen hätte?"

jjc/ddp



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