Dschungel-Königin Brigitte Nielsen: Die Rocky-Braut

Sie dinierte mit Ronald Reagan, sie schluckte Kakerlaken bei Dirk Bach. In ihrer Karriere nahm Brigitte Nielsen, was sie kriegen konnte. Wer wie ein Raubtier lebt, muss auch den Dschungel besiegen. Rockys Ex geht nie K.o.

Brigitte Nielsen: Die Blondine schafft sie alle
Fotos
AP

Sie war dürr und hatte ein schiefes Gebiss, ihr Haar war dünn, ihr Körper früh auf 1,82 Meter aufgeschossen. Wie ein Fohlen mit Zahnspange stakste die kleine große Brigitte durchs Leben. Erst fand nur sie selbst sich doof, dann schlossen sich die Mitschüler ihrer Meinung an. Konnte es schlimmer kommen? Ihre Wirbelsäule verkrümmte sich, vielleicht hilft Schwimmen, sagte ein Arzt. Brigitte Nielsen schwamm um ihr Leben, da war sie vierzehn Jahre alt.

Im kommenden Jahr wird sie 50, und von allem, was dazwischen passierte, würde nur ein Augenblick genügen, um die Karriere eines B-Promis von heute zu begründen. Im Dschungelcamp stieß sie auf Kim Debkowski, berühmt für ihre Schminke. Auf Radost Bokel, die einmal Momo war und sonst nichts mehr. Sie musste sich messen mit einem Rocco, der seine Halbbrüder hasst und einem Castingshow-Siebtplatzierten namens Daniel Lopes.

Legt man Bilder der jungen Nielsen neben aktuelle Aufnahmen von Micaela Schäfer, dann schlägt selbst im Dschungel die Stunde der Kulturpessimisten. Niemand hätte Brigitte Nielsen in den Achtzigern "Erotik-Model" genannt. Wozu aussprechen, was jeder sehen konnte?

Als unförmiger Teenager sprang Nielsen ins Schwimmbecken ihrer dänischen Heimat Rødovre. Heraus stemmte sich eine junge Frau mit Idealfigur. Ihr Gesicht war ebenmäßig, nicht zu markant, ihre Rundungen für die Achtziger wie gemacht. Die Modelagenturen riefen an. Meinten die wirklich Gitte Nielsen, Backfisch aus Dänemark? Am meisten über das plötzliche Interesse staunte die Schwimmerin selbst.

Die Aura der Unnahbaren

Was man im Model-Beruf können muss, lernte die Nielsen schnell. Lächeln für die Fotografen, schreiten für den Laufsteg. Sie tat das mit einer Grazie, die zu viel war für Dänemark. Mit sechzehn ging Gitte nach Frankreich und Italien, sie nannte sich "Brischitt". Giorgio Armani, Gianni Versace und Gianfranco Ferré ließen sie für sich laufen.

Die Pariser Zeit ist lange vorbei, aber bewahrt hat sich Brigitte Nielsen aus der Zeit ganz oben die innere Haltung des echten Stars. Die Aura der Unnahbaren nimmt bei ihr Gestalt an in der kompromisslosen Begeisterung für die Versuchsanordnung Dschungelcamp. Ihr fröhliches "Whoooooooooow!" gellte durch den Dschungel, als wolle sie fragen: "Wo ist die Party, wo das Koks?" Die Prüfungen nahm sie humorvoll verbissen, sie rannte ihren Aufgaben entgegen und biss vorher noch schnell einer Raupe den Kopf ab. Nielsen verschonte die Zuschauer mit den larmoyanten Monologen eines Casting-Sängers oder den in der Apotheken-Umschau angelesenen Zipperlein der Fernsehmoderatorin Ramona Leiß. Nielsen sagte: "I feel good."

Mit 19 heiratete sie den dänischen Popmusiker Kasper Winding und brachte ein Jahr später ihren ersten Sohn Julian auf die Welt. Sollte es das schon gewesen sein? Wie heftig es Nielsen nach oben drängte, musste ihr kleiner Sohn bald spüren. Als er zwei war, zog Mutti in die USA, ohne ihn und den Vater. "Männer dürfen mir nicht zu Füßen liegen", sagte sie damals in einem Interview.

Sie ließ sich fotografieren und schickte das Bild an den Mann, der in den Achtzigern alle auf die Bretter schickte. Sylvester Stallone fiel das Foto der blonden Dänin tatsächlich in die Hände, es zeigte nicht zu viel, aber genug, um den Rocky in ihm herauszufordern: Er schlug zu. Hochzeit 1985.

"Bronzener Otto" für Brigitte

Jetzt ist Nielsen drin in der Clique, jedenfalls glaubt sie das. Stallone verdient zu der Zeit zehn Millionen Dollar pro Film, er verschafft ihr Rollen in "Cobra", "Beverly Hills Cop II". Dann schießt ihn Nielsen ab, Rocky muss ihr neun Millionen zahlen, genug für einen Start in Hollywood, denkt sie.

Mit dem Schauspielern haut es aber nicht hin. Dreimal "Goldene Himbeere" statt Oscar, das ist Hollywoods Urteil über die Dänin. Nur die Deutschen machen sie zur "Besten Schauspielerin", der Preis heißt "Bronzener Otto", die "Bravo" verleiht ihn. Richtig gut läuft es für die junge Brigitte nur, wenn sie wenig trägt. Im Playboy taucht sie gleich mehrfach auf, und schließlich entdeckt Helmut Newton die blonde Herbe: Fotostrecke in der "Vanity Fair".


Das ist die Bilanz der Brigitte Nielsen: Sie floppte mit dem, was sie sein wollte, und der berühmteste Fotograf seiner Zeit fotografierte sie als das, was sie immer war: eine blonde Versuchung. "Über zweitklassige Actionfilme kam der männermordende Vamp nie hinaus", schrieb der "Stern" später über ihre Filmkarriere und druckte ein Bild von ihr als Doppelseite. Es wird heute noch nachbestellt.

Dann biegt Nielsen falsch ab. Wie vielen Frauen um die Vierzig gelingt es auch ihr nicht, als Schauspielerin in Hollywood wenigstens eine auskömmliche Nische zu besetzen. Also versucht sie es als Protagonistin der aufkommenden Reality-Formate. Sie zieht in den Container von "Celebrity Big Brother", versucht eine Alkohol- und Drogenentzugskur bei "Celebrity Rehab". Auf unglücklich folgerichtige Art lässt sie sich in der RTL-OP-Doku "Aus alt mach neu" rundumsanieren, um bei "Let's Dance" die neu erworbenen Körperteile übers Parkett zu schwingen.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Nielsen nun ausgerechnet ihre Reality-Erfahrung zum Sieg im Dschungelcamp führte und sie dabei über sich selbst hinauswuchs. Es gelang ihr sogar, das Gesetz der Serie umzudrehen.

Bei Dschungelstars wie Vincent Raven oder Daniel Lopes handelt es sich um Menschen, deren Rückverwandlung vom Star zum Jedermann den Reiz der Show ausmacht. Brigitte Nielsen aber verstand die Rückverwandlung in die Gegenrichtung zu drehen: Sie kam als Wrack und ging als Königin. "Ich danke so viel die deutsche Leude", sagte sie nach ihrer Ernennung immer wieder und schien wirklich gerührt.

Auf dem Höhepunkt ihres Ruhms fragte ein verschämter Reporter 1987 die Nielsen nach den Zutaten, die es brauchte, um ein Star zu werden. Die Blondine lachte über die Frage, sie schien ihr wohl zu leicht. Einfach sei das, sagte sie. "Man muss gute Laune verbreiten."

jbr

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 65 Beiträge
Warum schaffen es so viele "Promis" nicht?
Warum schaffen es so viele "Promis" nicht?
Anvil2k8 29.01.2012
wie der Spiegel nun das 'gloria' trompetet, nachdem er sich schon tag fuer tag nicht zu schade war mit im fahrwasser der privaten zu schwimmen, das man doch in leitartikeln meist eher als uebelriechend darstellt. das [...]
wie der Spiegel nun das 'gloria' trompetet, nachdem er sich schon tag fuer tag nicht zu schade war mit im fahrwasser der privaten zu schwimmen, das man doch in leitartikeln meist eher als uebelriechend darstellt. das beschaedigt auch die reputation jedes anderen journalisten Ihres hauses, die sich diesem boulevard verweigern. und uebrigens, die sowieso besseren claquere fuer all die austauschbaren fernsehgesichter machen es dem plebs doch schon fuer 60 Cent - und besser!
Cotti 29.01.2012
Warum sollte ihm das Porträt eines Menschen peinlich sein?
Zitat von Anvil2k8Rudolf Augstein waers peinlich... wie der Spiegel nun das 'gloria' trompetet...
Warum sollte ihm das Porträt eines Menschen peinlich sein?
Sie kannten Rudolf Augstein? Und was hat DER Spiegel mit SpOn zu tun? Und warum tauchen solche Themen wie das "Dschungelcamp" bei einem Online-Magazin auf? Fragen über Fragen....
Zitat von Anvil2k8Rudolf Augstein waers peinlich, wie der Spiegel nun das 'gloria' trompetet, nachdem er sich schon tag fuer tag nicht zu schade war mit im fahrwasser der privaten zu schwimmen, das man doch in leitartikeln meist eher als uebelriechend darstellt. das beschaedigt auch die reputation jedes anderen journalisten Ihres hauses, die sich diesem boulevard verweigern. und uebrigens, die sowieso besseren claquere fuer all die austauschbaren fernsehgesichter machen es dem plebs doch schon fuer 60 Cent - und besser!
Sie kannten Rudolf Augstein? Und was hat DER Spiegel mit SpOn zu tun? Und warum tauchen solche Themen wie das "Dschungelcamp" bei einem Online-Magazin auf? Fragen über Fragen....
gbk666 29.01.2012
das SPON über derlei Sendungen schreibt. Und das fast jeden Tag. Als jemand der schon jahrelang kein fernsehen mehr schaut hatte ich eigentlich gehofft ich würde von diesem Mist verschont bleiben. Die Online Version des [...]
das SPON über derlei Sendungen schreibt. Und das fast jeden Tag. Als jemand der schon jahrelang kein fernsehen mehr schaut hatte ich eigentlich gehofft ich würde von diesem Mist verschont bleiben. Die Online Version des Spiegelts nähert sich immer mehr der Boulevardpresse.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
alles aus der Rubrik Leute
alles zum Thema Dschungelcamp

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Sonntag, 29.01.2012 – 16:33 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 65 Kommentare






TOP



TOP