Liebe Oberstudienräte, Theologen, Rechtsgelehrte: Rufen Sie nicht mehr für Micaela Schäfer an, wählen Sie die Nummer von Vincent Raven, lassen Sie ihn im Dschungelcamp! Die Sendung braucht ihn. Sonst droht sie in Belanglosigkeit abzudriften.
Oh Vincent, wie groß muss das Leiden sein! Sind wir mal ehrlich: Der Gaukler aus der Schweiz ist der Einzige, der den Untertitel der Sendung rechtfertigt. Nicht dass er ein Star wäre, aber immerhin will er raus. Alle anderen haben Spaß. Sie sagen das zumindest oft von sich. Und machen entsprechende Gesten: Sie lachen manchmal und klatschen sich ab.
Vincent tut nichts dergleichen. Kein großer Jubel, als die Prüfung des Tages (Sterne aus einem Aquarium friemeln) bestanden ist. Standhaft ist er, selbst als der Gruppenzwang ihn einzuschnüren droht: Brigitte Nielsen zeigt, wie toll sie den Unterarm baumeln lassen kann und fordert dann Muffkopf Vincent auf, seine Fähigkeiten im "Robo-Dance" zu beweisen. Der kontert mit dem Standardsatz aller Thekenkletten: "Ich kann nur tanzen, wenn ich Lust dazu habe." Jawohl!
Vincent lässt sich auch nicht zum Unterarm-Baumeln bewegen, als Brigitte gemeinsam mit Rocco Stark singend behauptet, er sei ein Mädchen. Nichts da! "Bin ich Kindergartenlehrer", murmelt er und geht dann zum Angriff über: "Ich habe in Theaterstücken mitgemacht, da warst du noch gar nicht geplant im Universum", zischt es in Richtung Rocco. Im Universum! Das sitzt.
Schon zu Beginn der Staffel hielt Vincent einen Monolog, als sei da einer aus der Höhle gestiegen, habe das Licht gesehen, und müsse nun zu solchen sprechen, die nur Schatten kennen. Doch die Aufklärung der anderen lässt er inzwischen sein, er ist nur noch in eigener Mission unterwegs: Als er sich an die Zuschauer wendet, fleht er um Missachtung seiner Nummer - "ich muss das Camp verlassen".
Es kam zum Glück anders (Vincent lief im Kreis, schüttelte den Kopf, Verzweiflung, Ratlosigkeit), wobei auch "das" Ailton gerne hätte bleiben dürfen (er fing gerade an, sich warmzulaufen). Durfte er aber nicht.
Übrigens, falls es hier jemand vermisst: Es hat heftig geregnet im Dschungelcamp. Und die zuvor rausgewählte Radost Bokel ist in der Realität angekommen: Sie erfuhr aus der "Bild"-Zeitung, dass ein Ex-Freund mit einem privaten Video der beiden Kasse machen soll, die Leichtigkeit des Dschungeldaseins war von jetzt auf gleich verflogen. Dirk Bach bewies, dass die Sendung nicht der richtige Ort und er nicht der richtige Moderator ist, um dies zu thematisieren: "Der böse Mann kommt in ein Gefängnis", sagte er zu Radost, und morgen werde bestimmt "die nächste Sau durchs Dorf getrieben". Auf seinem Hut saß eine Plastikspinne.
Ekelfaktor: Der händeringende Versuch von Sonja Zietlow, Micaelas Ankündigung, sie werde Nipplepads tragen, als Werbung für die nächste Folge auszuschlachten.
Erotikfaktor: Sollte wohl Micaelas Ankündigung sein, sie werde in der nächsten Folge Nipplepads tragen. Moment, Sie wissen nicht, was das ist? Googeln Sie. Es könnte allerdings Erklärungsbedarf entstehen, sollte Ihnen zufällig gerade ein Kollege oder eine Kollegin über die Schulter schauen.
Entertainment-Faktor: Hoch, sollten Sie gerade Nipplepads gegoogelt haben und Ihnen ein Kollege oder eine Kollegin über die Schulter schauen.
Dschungelweisheit des Tages: "Jeder, der hier drin war, weiß um was geht." (Vincent, wähnt sich schon draußen)
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