Pop-Aufsteigerin Dua Lipa "Mein Cello war ein Ausdruck von Rebellion"

Dua Lipa zog mit 15 allein nach London, um dort professionell Musik zu machen - mit Anfang 20 ist sie heute eine der meistgehörten Sängerinnen weltweit. Im Interview erzählt sie, was sie am Erfolg stört.

Luc Coiffait

  • Markus Pritzi
    Die britische Sängerin Dua Lipa (Jahrgang 1995) ist eine Senkrechtstarterin im Pop.Ihr Musikvideo "New Rules" verzeichnet mittlerweile fast 1,5 Milliarden Aufrufe auf YouTube, in diesem Jahr wurde sie bei den Brit Awards als beste weibliche Künstlerin ausgezeichnet. Dua Lipa wuchs in London auf und besuchte dort die Sylvia Young Theatre School, die auch auf Musikkarrieren vorbereitet. Ihre Eltern stammen aus dem Kosovo.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind mit 15 Jahren bei Ihren Eltern im Kosovo ausgezogen und nach London gegangen. Wieso?

Lipa: Das war eine Rückkehr. Mit elf Jahren musste ich mit meinen Eltern von London in den Kosovo ziehen. Als ich gemerkt habe, dass ich dort nicht dieselben Möglichkeiten haben würde, professionell Musik zu machen, bin ich mit fünfzehn allein zurück nach London gegangen.

SPIEGEL ONLINE: Fühlten Sie sich dort nicht ein wenig verloren?

Lipa: Ganz und gar nicht, meinen Eltern fühlte ich mich näher als zuvor. Als wir noch unter einem Dach lebten, habe ich nie auf sie gehört. Aber das änderte sich in der Sekunde, in der ich auszog. Ich suchte ihren Rat.

SPIEGEL ONLINE: Wer hat Sie in London unterstützt?

Lipa: Zunächst habe ich bei der Tochter einer befreundeten Familie gewohnt. Sie war etwas älter als ich. Später bin ich mit Freunden zusammengezogen. Ich ging zur Schule, habe nebenher gejobbt, in Restaurants, im Verkauf, in Bars, als Babysitter. Nach dem Schulabschluss habe ich mich dann gegen ein Studium und für die Musik entschieden.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Lipa: Mein Vater ist auch Musiker, er zeigte mir neue Musik, stellte mir damals noch Minidisks zusammen. Musik war von Anfang an eine große Sache in meinem Leben.

SPIEGEL ONLINE: Spielen Sie ein Instrument?

Lipa: Ich habe mal Cello gespielt. Meine Eltern wollten, dass ich Klavier und Gitarre lerne. Aber ich nahm eins der größten Instrumente. Das war wohl ein Ausdruck von Rebellion. Wenn ich mein Cello zur Schule trug, stieß es die ganze Zeit oben an meinen Kopf und unten in die Kniekehlen. Ich war die Kleinste in der Klasse und hatte das größte Instrument.

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Dua Lipa: "Sie legen meine Musik unter ein Mikroskop"

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie es in die professionelle Musikszene geschafft?

Lipa: Ich habe Coversongs online gestellt und sehr intensiv Social Media genutzt. Es gab viele positive Reaktionen, vor allem von jungen Produzenten. Schließlich wurde mir ein Vertrag angeboten. Aber ich hatte keine Ahnung davon. Also bat ich einen Freund, den ich von Twitter kenne, um Hilfe. Ich hatte ihn nie persönlich getroffen, aber er empfahl mir einen guten Anwalt. Der riet mir ab, das zu unterschreiben. Stattdessen habe ich mit seiner Hilfe meinen jetzigen Manager Ben Mawson gefunden.

SPIEGEL ONLINE: Und der suchte ein Label für Sie aus?

Lipa: Wir wollten erst mal herausfinden, was mein Genre ist, was ich wirklich will. Er stellte mich jeden Tag in ein Studio, jeden Tag! Mit vielen verschiedenen Produzenten. Mit denen schrieb ich dauernd neue Songs, schließlich auch "Hotter Than Hell". Und da dachten wir: In die Richtung könnte es gehen. Das war ein Team, das zu meinen Vorstellungen passte, anstatt mir einen Stil aufzudrücken.

SPIEGEL ONLINE: Warum betrieb Mawson diesen Aufwand mit Ihnen?

Lipa: Ich hatte ihm einige meiner Songs vorgespielt. Nach nur fünf Minuten sagte er: Lass es uns versuchen, kein Vertrag, nichts. Wir gehen einfach ins Studio und probieren. Nach dem Erfolg von "Hotter Than Hell" unterschrieb ich einen Vertrag.

SPIEGEL ONLINE: Kommt zuerst die Musik oder erst der Text?

Lipa: Der Text, immer. Ich würde eher die Melodie ändern, damit die Verse passen, als umgekehrt.

SPIEGEL ONLINE: Ist es für Sie wichtig, Alben zu produzieren?

Lipa: Seit die Streamingdienste so wichtig sind, muss man häufig Singles veröffentlichen, damit die Aufmerksamkeit des Publikums nicht nachlässt. Aber ich persönlich liebe es, ein Album vom ersten bis zum letzten Stück anzuhören. So lerne ich einen Musiker kennen. Mir selbst bedeutet es viel, ein zusammenhängendes Arbeitsprodukt abzuliefern. Mit einem Album zeige ich das nächste Kapitel meines Lebens.

SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet es, mit 23 die meistgehörte Künstlerin eines Streamingdienstes zu sein?

Lipa: Es ist ein total verrücktes Abenteuer!

SPIEGEL ONLINE: Und die Schattenseiten?

Lipa: Ich muss mich vielen Meinungen stellen. Das ist Segen und Fluch zugleich. Ich liebe es zwar, von meinen Fans zu hören, was ihnen gefällt und was nicht. Doch die Medien sind zu sehr an meinem Privatleben interessiert. Ein neues Album wird unter ein Mikroskop gelegt, um Personen zu identifizieren und herauszufinden, welche Verbindungen es zu meinem Alltag gibt. Aber Musik ist einfach Musik. Ich möchte zeigen, dass wir alle durch ähnliche Erfahrungen gehen.



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k.k.laake 03.10.2018
1. Ich finde sie klasse
Sie ist keine dumme Hupfdohle und ihre Songs sind einfach gute Popmusik.
m.s.schneider 03.10.2018
2. ...
Zum Glück ist sie sehr hässlich und die Videos sehr reduziert, gerade was Körperlichkeit und so angeht. Da kann man sich besser auf die gute Musik konzentrieren. Die ja wirklich sehr gut ist. Und auch mal was ganz anderes. Und sehr gut. Mit Anspruch.
starboy 03.10.2018
3. Jimmy Fallon
Ihr Auftritt in der Tonight Show hat mir den Kopf weggepustet. Eine klasse Frau und eine heftige Stimme.
der_bulldozer 03.10.2018
4. Macht Spass
Habe mir gleich ein ein ihrer Videeos angeschaut. Einfach Klassde. Sieht gut aus und hat eine tolle Stimme. Und außerdem... aus dem Kosovo kommen sowieso die schönsten Frauen.
m.s.schneider 04.10.2018
5.
Was ich richtig gut finde, ist der Dreh, der in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat. Irgendwann haben singende Frauen (später dann auch Männer) angefangen, sich für ihre Musikvideos auszuziehen oder ihren Körper sonstwie zu inszenieren/präsentieren. Für Formel Eins und MTV sozialisierte pubertierende Jungs war das was Gutes. Galt dann aber irgendwann als Zeichen der Unterdrückung durch den Mann, der die Frau zwingt, sich ihm in gefälliger Art und Weise zu zeigen. Das ging dann über die Jahre ein bisschen hin und her und dann hieß es auf einmal: "Das machen wir nicht für die Männer, das machen wir, weil wir uns selber so gefallen. Das machen wir nur für uns.", wobei sie sich noch ein bisschen mehr auszogen, mehr schlängelten und hin und her warfen. Die pubertierenden Jungs fanden, es wurde besser. Es ging dann über gar in ein: "Das ist Zeichen der Selbstermächtigung und Rückeroberung unserer Körper." Mehr Fleisch, noch mehr Geschlängel. Schulterzucken bei den Jungs. Läuft. Dann wurde es richtig wild: "Das ist ein Zeichen des Widerstandes gegen die Vorgaben, die uns mächtige, weiße Männer machen wollen! Damit wehren wir uns gegen Macht und Herrschaft!" Jetzt schon fast richtig nackig, letzte schmale, fast durchsichtige Stoffstreifen, das Singen ein Stöhnen und Schmachten, Bildschirme explodieren, von rotierenden Hinterteilen von innen aufgedrückt. Die pubertierenden Jungs, deren oberster Haarzipfel gerade noch so aus einem Berg von Kleenex herausragte, kommentierten das nicht. Es wurde besser und besser. Zum Glück ist Dia Lupa da ganz anders.
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