Condoleezza Rice: Elitärer Golfclub nimmt erstmals Frauen auf

Erstmals in seiner Geschichte hat der elitäre amerikanische Augusta National Golf Club weibliche Mitglieder aufgenommen. Dabei handelt es sich nicht einfach um zwei Frauen, die hervorragend putten können, sondern um zwei sehr illustre Damen.

Condoleezza Rice golft: Willkommen im Club! Fotos
AFP

New York - Lange haben sie sich gesträubt, jetzt hält der Fortschritt Einzug: Augusta National, einer der elitärsten Golfclubs der Welt und Austragungsort der US-Masters, nimmt zum ersten Mal Frauen als Mitglieder auf - und ausgesprochen prominente noch dazu: Die Ex-Außenministerin der Vereinigten Staaten, Condoleezza Rice, darf sich fortan rühmen, Mitglied zu sein, außerdem die millionenschwere Unternehmerin Darla Moore aus Lake City, im Bundesstaat South Carolina. Beide dürfen nun bei der Saisoneröffnung im Herbst das traditionelle grüne Jackett tragen.

"Begeistert" begrüßte der Club-Vorsitzende Billy Payne am Montag die beiden Damen zu diesem "freudigen Anlass", betonte gleichzeitig, wie ungeheuer seriös die Mitgliederfrage intern gehandhabt werde. Die Kandidaten würden mit Bedacht und streng vertraulich über einen längeren Zeitraum hinweg geprüft, so Payne: "Das Verfahren bei Condoleezza und Darla lief genauso."

Rice war unter US-Präsident George W. Bush die erste weibliche Sicherheitsberaterin und die erste afroamerikanische Außenministerin. Darla Moore ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Investmentgesellschaft Rainwater Inc., die von ihrem Ehemann Richard Rainwater gegründet wurde. Sie gilt als eine der 50 einflussreichsten Unternehmerinnen im Land.

"Dies ist eine bedeutende und positive Zeit in der Geschichte unseres Clubs", sagte Club-Chef Payne. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit wenig Anlass zu liberalem Jubel. Der 1932 gegründete Augusta National Golf Club war aufgrund seiner restriktiven Aufnahmebedingungen häufig in der Kritik. Erst seit 1990 nimmt man hier schwarze Mitglieder auf. Dafür durften die Caddies der Mitglieder jahrzehntelang ausschließlich afroamerikanischer Abstammung sein. Dieser Job durfte laut interner Clubregel nicht von Weißen ausgeübt werden.

Die Ankündigung, jetzt auch Frauen aufzunehmen, kommt zehn Jahre nachdem die US-Frauenrechtlerin Martha Burk dem damaligen Präsidenten von Augusta National, Hootie Johnson, schriftlich aufforderte, seine diskriminierende Aufnahmepolitik zu ändern. Johnson antwortete damals, die Regel stehe nicht zur Diskussion, selbst wenn man "mit dem Bajonett auf ihn zielen würde".

Im Internet verbreitete sich die Nachricht von den neuen Mitgliedern sehr schnell. Gary Player, Golflegende und dreimaliger Masters-Sieger in Augusta, sprach in einem Tweet von "großartigen Neuigkeiten". Der US-Golfjournalist Jason Sobel twitterte, dass die Aufnahme der beiden Frauen "wie ein Doppel-Eagle nach Jahrzehnten voller Triple-Bogeys" sei. Lawrence Donegan, britischer Buchautor und ehemaliger Golfreporter des "Guardian", nutzte einen Tweet als Wink mit dem Zaunpfahl. Er bemerkte, dass die British Open im kommenden Jahr im ehrenwerten Muirfield Golf Club in Schottland stattfinden - einem Club nur für Männer.

Der amtierende Masters-Sieger Bubba Watson kommentierte lakonisch im Interview mit dem britischen Moderator Piers Morgan: "Ich glaube, heutzutage gibt es keinen Grund, warum man Frauen nicht aufnehmen sollte."

dkr/ala

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Leute
RSS
alles zum Thema Golf
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback