BBC-Gespräch mit Elizabeth II. Who's that Queen?

Sie habe geglaubt, in der Westminster Abbey gebe es "Wundernebel": Was klingt wie ein Drogentrip, ist eine Kindheitserinnerung von Elizabeth II. In einem Interview gibt die Queen rare Einblicke in ihr Leben.

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Was passiert, wenn man Intimes aus dem britischen Königshaus ausplaudert? Das konnte gerade erst der langjährig BH-Ausstatter der Queen erfahren - die Wäschefirma verlor Ende der Woche ihren Status als Hoflieferant, weil die frühere Unternehmenschefin in ihrer Autobiografie von Treffen mit Queen Mum und Prinzessin Margaret erzählt hatte.

Während die jüngeren Generationen des britischen Königshaus zunehmend mit Medien sprechen - zuletzt Prinz Harry über seine Hochzeitspläne -, ist über die 91-jährige Regentin selbst kaum etwas zu erfahren: Nur in absoluten Ausnahmefällen gibt Elizabeth II. Interviews.

Es ist deshalb ein Großereignis, wenn die BBC an diesem Sonntagabend anlässlich des 65. Jubiläums der Krönung von Elizabeth II. eine Dokumentation ausstrahlt, in der auch die Queen selbst zu Wort kommt.

Bereits vorab waren nach und nach Schnipsel aus der einstündigen Dokumentation "The Coronation" (Die Krönung) veröffentlicht worden. In dem Gespräch - es handelt sich dabei strenggenommen nicht um ein Interview, da der Gesprächspartner Alastair Bruce laut Hofprotokoll keine Fragen stellen durfte - erzählt die Regentin unter anderem von ihren Erinnerungen an die Krönung ihres Vaters George VI. im Jahr 1937.

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Königin Elizabeth II: Royaler Kopfschmuck

"Mein Vater wollte, dass ich meine Erinnerungen an seine Krönung niederschreibe. Das war sehr nützlich." In ihrem Übungsheft trug sie als Elfjährige ein: "Die Gewölbe und Balken an der Decke (der Westminster Abbey) waren mit einer Art Wundernebel bedeckt, als Papa gekrönt wurde, zumindest dachte ich das."

Als König George VI. im Alter von 56 Jahren starb, wurde Elizabeth 1952 seine Nachfolgerin. Die pompöse Krönungszeremonie fand aber erst am 2. Juni 1953 statt, Millionen Menschen verfolgten damals an ihren Fernsehgeräten das Mega-Event.

Bei ihrer Krönung salbte der Erzbischof von Canterbury die 27-jährige Elizabeth mit geweihtem Öl. Für die Dauer dieser heiligen Prozedur hielten vier Männer einen Baldachin über den Kopf der Monarchin.

Reste des Öls von 1953 sind immer noch vorhanden, wie der Dekan von Westminster, John Hall, in der Dokumentation berichtet. "Es liegt sehr sicher im Dekanat, an einem sehr versteckten Ort in einer kleinen Schachtel mit einem Fläschchen drin. Und es ist nicht nur Olivenöl, es ist eine komplexe Mixtur verschiedener Dinge." Dazu gehörten auch Sesam und Parfüm unter anderem aus Rosen und Jasmin.

In einem bereits Anfang der Woche veröffentlichten Ausschnitt hatte die Queen sich über die unbequeme königliche Kutsche beschwert. Die Fahrt zu ihrer Krönung sei "schrecklich" gewesen. Zudem bezeichnete die Queen die Imperial State Crown in einem weiteren Schnipsel als "sehr schwer" und erzählte von den Schwierigkeiten beim Tragen: "Man kann nicht nach unten gucken, um eine Rede zu lesen. Wenn man das täte, würde das Genick brechen oder sie (die Krone) würde herunterfallen." Außerdem sei das gute Stück "sehr unhandlich". Kronen hätten also einige Nachteile, fügte die Monarchin hinzu, "aber sie sind recht wichtige Dinge".

Zudem berichtet die BBC in der Dokumentation, dass britische Kronjuwelen während des Zweiten Weltkriegs in einer Keksdose versteckt am Schloss Windsor vergraben wurden, unter ihnen auch der berühmte "Rubin des Schwarzen Prinzen" aus der Imperial State Crown. Elizabeths Vater, König George VI., ordnete die Aktion an, um die Steine nicht in die Hände der Nazis fallen zu lassen. Dabei handelte es sich um ein solch strenges Geheimnis, dass nicht einmal Elizabeth II., welche die Kriegszeit im Schloss verbracht hatte, eingeweiht war.

eth/AFP/dpa



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