Ellen Page über ihr Outing "Ich fühlte es in jeder Zelle meines Körpers"

Am Valentinstag vor zwei Jahren machte Ellen Page ihre Homosexualität öffentlich. Ihr Schweigen zuvor bedauert sie: "Ich war aktive Teilnehmerin eines ekelhaften Elements von Hollywood."

AP

Ellen Page hat eine schöne Formulierung gefunden für das Leben, das sie in Hollywood führte, bevor sie auf einer Konferenz ihre Homosexualität öffentlich machte. Sie tat lange, als stünde sie auf Männer. Oder, wie sie nun dem "Guardian" erzählte: Sie habe "durch Unterlassen gelogen".

Sie unterließ es, ihre wahre Sexualität auch öffentlich zu leben, obwohl ihre engsten Vertrauten längst davon wussten. Sie habe damals ihre Ziele in der Schauspielerei erreichen wollen und keine Aufmerksamkeit für andere Themen gebrauchen können, heißt es in dem Bericht.

Doch es ging Page nicht gut damit und so entschied sie sich, im Februar 2014 auf einer Konferenz in Las Vegas über ihre Homosexualität zu sprechen. "Ich dachte: Lass uns dieses Kapitel des Unbehagens, der Traurigkeit und der Angst einfach abhaken", sagte Page nun dem "Guardian". Sie habe sich schuldig gefühlt, ihre Privilegien nicht für die Rechte Homosexueller einzusetzen. "Ich war aktive Teilnehmerin eines ekelhaften Elements von Hollywood. Ich würde niemals jemanden verurteilen, der sich nicht outet. Aber für mich fühlte es sich wie etwas an, das ich aus moralischen Gründen tun musste."

Nach ihre Rede in Las Vegas sei sie für Dreharbeiten zurück nach Montreal geflogen. Alle dort hätten ihr gesagt, sie wirke so anders. "Und ich war wirklich total anders. Unmittelbar. Ich fühlte es in jeder Zelle meines Körpers."

Seither setzt sich Page, die etwa durch ihre Rollen in "Juno" und "Inception" einem breiten Publikum bekannt wurde, unter anderem für Transgender ein, für den Kampf gegen häusliche Gewalt oder Ungleichheit. Das schlimmste Feedback, die meisten Beschimpfungen bekomme sie im Internet, wenn sie sich für Frauenrechte starkmache. "Das macht mich fassungslos", so Page.

Noch fassungsloser mache sie, wie man sich heute nicht als Feministin bezeichnen könne. Immerhin gebe es inzwischen mehr Frauen, die dazu stehen, Feministin zu sein. Aber dass man dies überhaupt in Frage stellen könne, sei für sie schwer zu begreifen, so Page.

hut



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