Ellen Pompeo Lieber reich und mächtig als ein armer Star

Bei "Grey's Anatomy" mitzuspielen, ist im Vergleich zu Hollywood-Blockbustern vielleicht langweilig - aber es lohnt sich, meint Hauptdarstellerin Ellen Pompeo. Und zwar nicht nur finanziell.

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Ellen Pompeo hat sich in die Debatte über unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen in der TV- und Filmbranche eingeschaltet. Die Hauptdarstellerin der Serie "Grey's Anatomy" hat für die Staffeln 15 und 16 unterschrieben - und soll dann 575.000 Dollar pro Folge verdienen, was sie laut "Hollywood-Reporter" zu einer der Top-Verdienerinnen im TV-Geschäft macht.

Sie werde zwar nicht als Filmstar angesehen, sagte Pompeo dem "Hollywood Reporter". Bei einer 24-Jährigen mit ein paar großen Filmen sei das der Fall, "obwohl sie wahrscheinlich scheiße bezahlt wird - auf jeden Fall schlechter als ihr männlicher Kollege". Bis 33 oder 34 werde die Schauspielerin ausgebeutet "und dann ist sie draußen wie der Müll von gestern. Und was hat sie dann, um für sich zu sorgen? Diese armen Mädchen haben nicht wirklich Geld, das Studio verdient ein Vermögen und führt sie auf dem roten Teppich vor wie Ponys."

Bereits vor zwei Jahren hatte Pompeo gesagt, es sei schrecklich, sich im Fernsehen altern zu sehen: "Mit 33 war ich klug genug zu wissen, dass meine Uhr in Hollywood bereits tickte." Sie sei sich bewusst gewesen, "wie herausfordernd es sein würde, mit Ende 30 oder Anfang 40 neue Rollen zu finden".

Pompeo ist nach eigener Aussage inzwischen nicht mehr zurückhaltend, wenn es um Gehaltsforderungen geht. Sie sei nun 48 Jahre alt, sagte Pompeo. "Also bin ich jetzt an dem Punkt, an dem ich es in Ordnung finde zu fordern, was ich verdiene, das kommt nur mit höherem Alter."

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"Grey's Anatomy": Teure Treue

2015 kam für Pompeo ein entscheidender Moment: Patrick Dempsey, größter männlicher Star bei "Grey's Anatomy", verließ die Serie. Die Produzenten hätten ihn bei Gagenverhandlungen immer gegen sie ausgespielt, sagte Pompeo. Einmal habe sie nur aus Prinzip 5000 Dollar mehr als er gefordert - schließlich spiele sie die namensgebende Figur der Serie. Man habe ihren Wunsch nicht erfüllt.

Sie wolle nicht gierig wirken, sagte Pompeo. Als Frau frage man sich, ob man 600.000 Dollar pro Folge verlangen könne. Ein Mann tue das einfach. Dann habe sie aber gesehen, dass der Disney-Konzern mit der Serie schon eine Riesensumme verdient habe. "Wenn dein Gesicht und deine Stimme Teil von etwas sind, das einem der größten Konzerne der Welt drei Milliarden Dollar eingebracht hat, fängt man an zu denken: 'Okay, vielleicht steht mir ein Teil davon zu.'"

Sie habe im Zuge der "Time's Up"-Kampagne viele Schauspielerinnen getroffen. Es sei beängstigend, in einem Raum voller Oscargewinnerinnen zu sitzen und zu hören, wie sie belästigt worden seien. Das habe sie auf ihrem Weg bestätigt, finanziell mächtig zu werden, um sich nicht vor Sextätern wegducken und Preise sammeln zu müssen.

Ein ziemlicher Sinneswandel für jemanden, der ursprünglich gar nicht in der Serie mitspielen wollte. Als ihr Manager ihr 2004 das Drehbuch gezeigt habe, sei sie skeptisch gewesen, sagte Pompeo. "Ich will nicht fünf Jahre lang in einer Arztserie festhängen", habe sie gesagt. Der Manager habe sie schließlich umgestimmt - schließlich sei ihre Karriere damals an einem Tiefpunkt gewesen.

"Grey' Anatomy" wurde erstmals 2005 ausgestrahlt. Auch nach mehr als 300 Folgen erreicht die Serie ein großes Publikum. "Die Show geht weiter, solange Ellen es will", sagte Drehbuchautorin und TV-Produzentin Shonda Rhimes.

ulz/AFP



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