Erotik-Fotoshooting "Carla Bruni spielt mit unseren Nerven"

Carla Bruni international: Die Freundin des französischen Staatspräsidenten macht Werbung für italienische Autos, posierte nun - nur mit Lederstiefeln bekleidet - für ein spanisches Herrenmagazin. Die Reaktionen sind auffällig eisig.

Von Henning Lohse, Paris


Paris - Es ist ein Rückschlag für die "Zurück zur Seriösität"-Kampagne des französischen Turtelpräsidenten Nicolas Sarkozy, 52. Der umtriebige Staatschef aus dem Elysée, der so gerne Freund und Feind mit unkonventionellen Ideen und Initiativen überrumpelt, sieht seine jüngsten Bemühungen, endlich wieder als Politiker wahrgenommen zu werden, pulverisiert.

Seine Glamourfreundin Carla Bruni, 39, hat sich für das spanische Männermagazin "DT" ausgezogen und in einladender Pose fotografieren lassen. Was für ein Ex-Topmodel Routine ist, kann sich bei einer zukünftigen First Lady zur Staatsaffäre auswachsen.

Zuerst räkelte sich die langbeinige Carla für eine TV-Autowerbung auf Lancia-Ledersitzen, zur Freude von Millionen Zuschauern in Frankreich, Deutschland und Italien. Dann äußerte sich Sarkozys Freundin überraschend in der Zeitung "Libération" zum anstehenden Indien-Staatsbesuch und den Hochzeitsgerüchten. Zitat: "Wir sind nicht verheiratet, aber es gehört zu unseren Plänen."

Nun gibt sich Frankreichs First Lady in spe in der Februarausgabe des spanischen Herrenmagazins "DT" die Ehre. Sie liegt auf schwarzen Lederkissen, die - ebenfalls schwarzen - Stulpenstiefel reichen übers Knie, an der linken Hand blitzt ein Diamantenring - so lächelt Carla Bruni als lockende Leder-Eva in die Kamera.

Während die Tageszeitung "El País" die spanischen Leser schon mit dem erotischen Schwarzweißfoto erfreut hat, sind die französischen Medien sehr zurückhaltend. TV und Radio verschweigen den Scoop. In den französischen Zeitungen gibt es selbst am Tag danach keine Hinweise, keine Zeile, kein Fotopixel über die nackte Carla. Selbst die schnellen Online-Ausgaben der renommierten Blätter halten sich zurück. Verständlich, gehören doch die Besitzer der großen Mediengruppen zu den engen Freunden des amtierenden Präsidenten. Dafür vibriert der weniger offizielle Teil des Internets. Hier werden die Fotos herumgeschickt und in vielen französischen Blogs vor allem mit Häme kommentiert.

Sind die Fotos gemacht worden, nachdem Carla Bruni den französischen Präsidenten näher kennenlernte? Vielleicht sogar im Elysée, wo Carla Bruni im Dezember Quartier bezogen hat? "Wir wollen zu der Fotoproduktion nichts sagen", erklärte Maria Sanchez vom "DT"-Magazin SPIEGEL ONLINE. Und verriet dann doch, dass die Fotos kurz vor der offiziellen Bekanntgabe der Bruni-Sarkozy Romanze Mitte Dezember entstanden sind. Sanchez: "Es ist Carla Brunis letztes Fotoshooting."

"Nackt, mit Stiefel, Ring am Finger - was halten Sie davon?"

Die nicht als ausgesprochen mutig bekannte Fernsehzeitung "7sur7" stellte die Carla-Bilder als erstes seriöses französisches Medium ins Internet. Die Frauenzeitschrift "Femme Actuelle" traute sich das zwar nicht, steht aber schon in den Startlöchern. "Carla Bruni spielt mit unseren Nerven. Die künftige Erste Dame Frankreichs posiert nackt, nur mit Stiefeln und ... einem Ring am Finger. Was halten Sie davon?", fragt man dort die geneigten Leserinnen.

Dabei wollte Sarkozy nicht mehr den ersten Lover der Nation geben, sondern endlich wieder den ersten Mann im Staate - und das ganz ernsthaft. Zuletzt gab es kein Geturtel mehr vor den Objektiven der Paparazzi, stattdessen seriöse Politstatements und öffentliche Auftritte, wie sie sich für ein Staatsoberhaupt geziemen.

Grund dieses radikalen Kurswechsels sind die desaströsen Umfrageergebnisse für den kleinen Mann im Elysée. Nach seinen luxuriösen Liebesreisen mit der schönen Carla zu den Pyramiden der Pharaonen und ins exotische Jordanien ist Sarkozy tief gestürzt. Nur noch 49 Prozent der Franzosen vertrauen dem Politiker und seiner Politik, 63 Prozent missbilligen die öffentliche Zurschaustellung seines Privatlebens.

Besonders bitter für den selbstverliebten Sarkozy: Sogar der farblose Premierminister François Fillon liegt inzwischen vor seinem mächtigen Chef in der nach unten offenen Zustimmungsskala.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.