Vorwurf Antisemitismus "Basic Instinct"-Autor attackiert Mel Gibson

Mel Gibson hat mal wieder Ärger - und ausnahmsweise nicht mit einer Ex-Frau. Drehbuchautor Joe Eszterhas macht dem Schauspieler schwere Vorwürfe: Der "Braveheart"-Darsteller soll erneut gegen Juden gehetzt haben. Gibson schlägt seinerseits zurück.

AFP

Hamburg - Das Schreiben hat es in sich: In einem neun Seiten langen Brief, den das Hollywood-Portal "TheWrap" veröffentlichte, wirft Drehbuchautor Joe Eszterhas dem Schauspieler Mel Gibson Antisemitismus vor. Hintergrund des Streits ist das Scheitern eines gemeinsamen Filmprojekts, für das Eszterhas den 56-Jährigen verantwortlich macht.

"Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass du 'The Maccabees' (Name des geplanten Films, die Red.) aus dem schlimmstmöglichen Grund nicht machen willst: Du hasst Juden", schreibt Eszterhas an Gibson.

Warner Brothers hatte das Drehbuch kurz zuvor abgelehnt, Gibson sollte in dem Film Regie führen. Der Streifen soll die Geschichte eines jüdischen Freiheitskämpfers im zweiten Jahrhundert vor Christus erzählen.

Eszterhas schreibt, Gibson habe sich ihm gegenüber mehrfach abfällig über Juden geäußert. Der "Braveheart"-Darsteller habe ihn und das Filmprojekt nur ausgenutzt, um von andauernden Antisemitismus-Vorwürfen abzulenken, die ihn verfolgt und seine Karriere ruiniert hätten, so Eszterhas.

Tatsächlich hat sich Gibson in dieser Hinsicht nicht mit Ruhm bekleckert. 2006 wurde er betrunken am Steuer von einer Polizeistreife gestoppt und überzog die Beamten mit antisemitischen Schmähungen. Auch seine Darstellung der Juden in seinem Film "Die Passion Christi" ist umstritten. Schauspielerin Winona Ryder berichtete von antisemitischen Pöbeleien und ein Engagement Gibsons für die Komödie "The Hangover 2" scheiterte am Veto der Filmcrew.

Allein die Nachricht, dass Gibson am Projekt "The Maccabees" beteiligt sein wird, löste laut "Guardian" im vergangenen Jahr Diskussionen aus.

Der Brief von Eszterhas geht jedoch weit darüber hinaus, er wirkt generell wie eine persönliche Abrechnung. Der Drehbuchautor zitiert auch Schimpftiraden und Morddrohungen Gibsons gegen seine Ex-Freundin Oksana Grigorieva. Angeblich soll Gibson auch gesagt haben, John Lennon habe es verdient gehabt, erschossen zu werden.

Gibsons Antwort kam schnell: Er werde nicht Punkt für Punkt auf den Brief eingehen, heißt es in einem Schreiben, das auf "Deadline.com" veröffentlicht wurde. Die große Mehrheit der Vorwürfe seien völlige Hirngespinste. "Ich glaube, du hast nur ein Problem damit, dass Warner Brothers dein Skript abgelehnt hat", schreibt Gibson an Eszterhas gewandt.

Er arbeite seit zehn Jahren an dem Projekt "Maccabees" und wolle den Film unbedingt machen, so Gibson. "Es ist nur so: Weder Warner Brothers noch ich wollen den Film mit deinem Drehbuch machen." Man sei sehr enttäuscht über die Arbeit von Eszterhas gewesen. "Die Entscheidung, die Zusammenarbeit zu beenden, basierte auf nichts anderem als der Qualität deines Drehbuchs."

Gibson räumte ein, in einem Streit mit Eszterhas überreagiert zu haben, dafür habe er sich bereits entschuldigt. Sein Schreiben schließt mit dem Satz: "Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass dies unser letztes Gespräch war."

hut



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