Extravaganter "Life Ball" in Wien Sturm fegt Topmodels weg

Dem guten Zweck kam nur das Wetter in die Quere: Weil Wien am Samstagabend von einem schweren Unwetter heimgesucht wurde, musste der legendäre "Life Ball" seine Modeschauen streichen. Statt Heidi Klums "Topmodels" wollte das Publikum aber eh viel lieber sich selbst feiern.

DPA

Schwere Regenfälle haben die glamouröse Eröffnung des Wiener "Life Ball" gestört. Gerade als Stargast Whoopi Goldberg im Zuge der Performance einer riesigen Erdkugel entstieg, öffnete der Himmel seine Schleusen, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. Auch die geplanten Modenschauen unter anderem von Calvin Klein fielen aus - sehr zum Missfallen der dafür engagierten "Germany's Next Topmodel"-Gewinnerinnen Sara Nuru und Alisar Ailabouni. Dafür feierten die Partygäste in häufig deutlich fantasievollerem Outfit ausgelassen bis zum Morgen weiter.

Organisator Gery Keszler hatte die Eröffnung der Veranstaltung zugunsten von HIV-infizierten Menschen bereits um eine Stunde auf 21.00 Uhr vorverlegt, um dem Regen zu entgehen. Es half nichts. Neben dem Auftritt von Goldberg wurden auch eine Videobotschaft von US-Schauspielerin Sharon Stone und Modenschauen von Kenneth Cole, Calvin Klein und Diane von Fürstenberg gestrichen.

Zu den zahlreichen prominenten Gästen zählten der früheren US-Präsident Bill Clinton, die Tänzerin Dita Von Teese und Sängerin Patti LaBelle. Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl erschien gemeinsam mit seinem Berliner Kollegen Klaus Wowereit. Der bezeichnete den "Life Ball", der in diesem Jahr zum 18. Mal stattfand, als "herausragendes internationales Ereignis".

"Das übersteigt unsere wildesten Erwartungen", lobten die US-Schauspieler Rebecca Romijn ("X-Men") und Jerry O'Connell das Spektakel. Romijn war im tief ausgeschnittenen, roten Paillettenkleid erschienen, seine Zwillinge hatte das Paar bei den Großeltern gelassen. "Das ist wohl nichts für Kinder", spielte O'Connell auf den Ruf der Veranstaltung an. Der Visagist und PR-Experte Gery Keszler hatte den wohltätigen Partyball 1993 ins Leben gerufen und jedes Jahr mit seinen extravagant ver- oder kaum bekleideten Gästen für Aufsehen gesorgt.

Adam, Eva und die Na'vis

In diesem Jahr bildete der "Life Ball" den Auftakt zur am Sonntag beginnenden Weltaidskonferenz in Wien. Wohl aus Rücksicht auf die zahlreichen wegen der Konferenz erschienenen Würdenträger bot man im Burgtheater eine konservative Alternative zum exaltierten Ball an. In der Burg feierte man bei einem "Red Ribbon Cotillion" in klassischer Abendkleidung eher festlich. 6000 handgemachte Riesenblüten schmückten die in weiß und rot gehaltenen berühmten Hallen.

Im Wiener Rathaus zeigte sich hingegen das diesmal zum Thema Erde verkleidete Partyvolk. Ein großer Transvestit kam im hautengen Leopardendress, ein Wiener Pärchen gab blau angemalt Na'vis aus dem Kinofilm "Avatar", andere Gäste gefielen sich als Elfen, Kobolde oder Blumenmädchen. Er glaube mehr an "Adam and Steve" statt an "Adam and Eve" bekannte ein nur sehr spärlich bekleideter Besucher, der mit Schlange um den Hals und Apfel auf der Schulter den Sündenfall darstellte.

"So etwas gibt es nur hier oder in New York City", sagte die Sängerin Suzanne Vega ("Luka") angesichts des bunten Treibens. Edelstripperin Dita von Teese sah sich als Botschafterin gegen Aids und betonte, dass auch die kleinen Dinge im Kampf gegen die Krankheit wichtig seien. "Charity bedeutet mir viel", sagte der in ein gelb glänzendes Corsagenkleid gehüllte Star. Soul-Diva Patti LaBelle ("Lady Marmalade") kam im weißen Wickelkleid mit großen Lilien im streng zurückgebundenen Haar: Für sie sei der Besuch eine sehr persönliche Reise, da schon viele ihrer Freunde an Aids gestorben seien.

hpi/dapd/dpa



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