Fanatische Fans Stars und Stalker

Schauspieler, Musiker, Sportler - sie stehen im Rampenlicht, verdienen viel Geld und werden von ihren Anhängern gefeiert. Doch wenn die Verehrer zu fanatisch werden, können Prominente sogar in Lebensgefahr geraten.


Hamburg - Beim Schlagerduo Marianne und Michael liegen die Nerven blank. Seit einem Jahr erhält das Paar Drohbriefe. Der Letzte kam am 10. Mai, wie Marianne der Zeitschrift "Super Illu" verriet: "Wir waren immer sehr selbstbewusst, weil wir wussten, die Fans lieben uns. Und dann so was." Der Unbekannte schrieb: "Wir lieben dich nicht und versetzen dich jetzt in Todesangst."

Bereits 2005 wurde das Paar von einem Unbekannten verfolgt. Er brach in das Haus der beiden ein, wohnte eine Zeit lang darin und nahm persönliche Gegenstände mit. Es folgte eine Anzeige. Daraufhin gab der Mann alles zurück und entschuldigte sich.

Marianne traute sich in dieser Zeit nicht, im Dunkeln vor die Tür zu gehen. Und auch heute ist sie in großer Sorge: "Wenn ich alleine mit dem Auto zu Hause ankomme, laufe ich wie eine Irre ins Haus aus Angst, mir könnte etwas passieren."

Marianne und Michael wollen nun die Drohbriefe der Staatsanwaltschaft München übergeben und Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Die Schreiben wurden allesamt in Hamburg aufgegeben. Marianne mutmaßt, dass es sich bei dem Verfasser um einen Wahnsinnigen handelt.

"Sadistische Fantasien"

Laut einer Studie des Kriminalpsychologen Jens Hoffmann wurden acht von zehn Stars bereits belästigt. "Manche Stalker fahren prominenten Opfern nicht nur Hunderte von Kilometern hinterher und belagern ihre Wohnung. Sie übermittlern auch sadistische Fantasien oder Racheschwüre oder kündigen an, sie würden den Star mit Waffengewalt holen, um mit ihm zusammenzuleben", sagte Hoffmann der "Süddeutschen Zeitung".

Wie Expertin Julia Bettermann in einem Artikel für die Zeitschrift "Deutsche Polizei" schrieb, sind Stalker oft Menschen, die eine Beziehung mit demjenigen eingehen wollen, von dem sie glauben, dass er sie bereits liebe. "Sie beharren auf ihren Annäherungen und Kontaktgesuchen ungeachtet negativer Resonanz. Viele dieser Stalker fallen in das Krankheitsbild der Erotomanie, auch Liebeswahn genannt." Selbst Gefängnis könne sich nicht von ihrer fixen Idee abbringen - einige seien sogar stolz, wenn sie sich einbilden, ihre Liebe ließe sich nicht einmal durch einen Aufenthalt hinter Gittern unterbinden.

Hollywoodschauspielerin Sandra Bullock und Ehemann Jesse James lebten monatelang in Angst vor einem besessenen Fan. Wie das Magazin "People" berichtete, lungerte Marcia Valentine, 46, ständig vor dem Anwesen des Paares in Sunset Beach herum und legte sich immer wieder in die Einfahrt.

James forderte Valentine mehrmals auf, den Weg freizumachen. Da platzte der 46-Jährigen der Kragen, sie setzte sich in ihr Auto und versuchte Bullocks Mann zu überfahren. Nach der Tat raste sie in ihrem silbernen Mercedes davon. Später gelang es der Polizei, die Frau festzunehmen: "Wir behandeln den Fall als Angriff mit einer tödlichen Waffe", so der Beamte. Gegen Zahlung einer Kaution von 25.000 Dollar befand sich Valentine wenig später wieder auf freiem Fuß.

Ein Familienmitglied der Frau sagte dem Magazin "People": "Es tut uns von ganzem Herz leid, was Jesse James, Sandra Bullock und dem Rest der Familie passiert ist." Ein Gericht entschied, dass Valentine der Schauspielerin und ihrer Familie für drei Jahre nicht näher kommen dürfe als 500 Meter.

"Jeder kann gestalkt werden"

"Jeder kann zum Stalker werden und jeder kann gestalkt werden", so drastisch formulierte es Staatsanwältin Rhonda Saunders in einem Interview mit der kailfornischen Universitätszeitung "USC News". Die Amerikanerin ist Expertin auf diesem Gebiet.

Ein Jahr, nachdem 1991 die Fernsehschauspielerin Rebecca Schaeffer von einem Stalker ermordet worden war, trat Saunders vor den Rechtsausschuss des kalifornischen Senats. Ihr Antrag auf ein härteres Anti-Stalking-Gesetz wurde mit der Begründung zurückgewiesen, man könne niemanden einsperren, nur weil er einem anderen auf die Nerven ginge.

1993 hatte die Staatsanwältin endlich Erfolg - von nun an konnten Stalker mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden. Auf die Frage, warum sie sich so engagiere, antwortete Saunders: "Wenn man sich klarmacht, welchen Schaden diese Menschen anrichten, wenn man mit Opfern spricht und merkt, dass sie keine Hoffnung mehr auf ein sicheres Leben haben, dann engagiert man sich."

Uma Thurman nachgestellt

Zwei Jahre lang verfolgte Jack Jordan Hollywoodstar Uma Thurman. Der 35-Jährige hatte die Schauspielerin mit Briefen und E-Mails bombardiert und ihr nachgestellt. Immer wieder lauerte er dem "Kill Bill"-Star vor ihrem Domizil im New Yorker Stadtteil Greenwich Village auf.

Jordan drohte mit Selbstmord, wenn er sie mit einem anderen Mann sähe. Trauriger Höhepunkt der Verfolgungen: Im November 2005 versuchte der 35-Jährige bei Dreharbeiten in Manhattan in Thurmans Umkleidekabine einzudringen.

Vor Gericht sagte Jordan später aus, er sei dem Star verfallen, seit er sie vor Jahren im Film "Die Abenteuer des Baron von Münchhausen" gesehen habe. Durch Visionen sei ihm klar geworden, dass sie füreinander bestimmt seien.

Vor zwei Wochen verurteilte das Gericht Jordan zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe. Laut Urteil muss er sich in psychiatrische Behandlung begeben und darf sich der Schauspielerin fünf Jahre lang nicht mehr nähern.

Der Schreck ihres Lebens

Auch Sängerin Jeanette Biedermann erlitt den Schreck ihres Lebens, als sie kurz vor Weihnachten in ihre Wohnung kam und Spuren eines Einbrechers fand, wie die "BZ" 2004 berichtete.

Stalker Eckerhardt O., 39, war durch das Fenster eingestiegen, um der damals 22-Jährigen rote Rosen zu schenken. Biedermann war nicht zuhause, und so machte es sich der gescheiterte Autohändler gemütlich.

Der 39-Jährige setzte sich an ihren Computer, aß eines ihrer Fertiggerichte und rauchte die Zigaretten seiner vermeintlichen großen Liebe. Am nächsten Morgen hinterließ er Biedermann einen Brief und verließ die Wohnung.

Vor dem Einbruch hatte O. die Sängerin mehr als ein Jahr lang verfolgt. Er schickte ihr zahlreiche E-Mails und SMS. Ein Gericht verurteilte O. schließlich wegen Hausfriedensbruchs und Diebstahls zu einer Geldstrafe von 3600 Euro.

In Deutschland galt Stalking lange Zeit als Kavaliersdelikt. Letztes Jahr trat dann ein neues Gesetz in Kraft, um die Fanatiker strenger bestrafen zu können - in schweren Fällen drohen Tätern bis zu zehn Jahre Haft.

Starregisseur Steven Spielberg entkam seinem Peiniger nur knapp. Der 31-jährige Jonathan Norman wurde 1998 in der Nähe von Spielbergs Haus festgenommen. In seinen Taschen: Klebeband, ein Messer und Handschellen.

Ein Gericht in Santa Monica, Kalifornien, verurteilte Norman zu 25 Jahren Haft. Spielberg hatte ausgesagt, er sei überzeugt, der Mann hätte ihn vergewaltigt, verstümmelt oder sogar getötet, wenn es eine Gelegenheit gegeben hätte.

sha



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