Fashion Week Berlin: Nena, sind Sie es?

Von Antje Wewer, Berlin

Bei der Fashion Week in Berlin war die "Hugo Boss"-Schau ein erstes echtes Highlight. Selbst die gewöhnlich schwarz wie die Nacht gekleidete Nena strahlte dort heller als der Schnee. Die Mode war sehenswert - und die Männerkollektion nichts für Weicheier.

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Berlin Fashion: Was ist schon schön?
Wenn etwas sehr deutlich wurde in Berlin am zweiten Tag der Fashion Week, dann das: Es hilft sehr, wenn ein Designer die richtigen Freunde hat.

Da wäre zum Beispiel der bei uns vollkommen unbekannte Italiener Tom Rebl, der gerade seine belanglose Jeansmode bei der Fachmesse "Bread & Butter" ausstellt. Er ließ verbreiten, dass sein "enger Freund und Vertrauter" Jesus Luz, besser bekannt als Toyboy von Popstar Madonna, auf einen Cocktail vorbeischauen wird. Plötzlich raunte man sich im Fashionzelt, beim "Burda Style Cocktail" und später bei der "Boss"-Show, den Namen Tom Rebl zu. Einige meinten schon, Madonna durch die Messehallen des Tempelhofer Flughafens wandeln zu sehen. Bisher ist sie dort nicht aufgetaucht. Der Name Rebl wurde also kurz mal interessant, seine Mode allerdings nicht.

Ein Positivbeispiel mit Substanz wäre die Münchner Designerin Andrea Karg, die tatsächlich die richtigen Freunde zu haben scheint. Die Kaschmir-Königin erzählte ihrer Freundin Judith Milberg, dass sie bei der Präsentation ihres Labels "Allude" gerne Mode mit Literatur in Verbindung bringen würde.

Daraufhin stellte ihr Kulturmanagerin Milberg Albert Ostermaier vor. Der Dichter und die Designerin "klickten" - und er schrieb für ihre Show das Gedicht "Verstrickungen".

Das wiederum las dann der Schauspieler Axel Milberg ein, und so wurde - unterlegt mit elektronischen Klängen - der Catwalk-Soundtrack kreiert. Ganz klar, die Münchner halten gerne zusammen, besonders dann, wenn sie nach Berlin müssen.

"Ich wollte etwas Neues und Poetisches ausprobieren, gerade weil wir an einem historisch so bedeutenden Ort wie dem Bebelplatz zeigen", erklärt Karg. Das Konzept ging auf, der fließende Strick und die poetische Ansprache passten zusammen. Ganz egal, dass zwischendurch nur Halbsätze wie "Schlange aus dem Schatten" oder "Beine bis zum Himmel" hängenblieben.

Bei der Aftershow-Lesung von Milberg und Ostermaier im Keller des "Borchardt" wurde das ganze Gedicht vorgetragen. Auch gut, aber mit schönen, in hauchzartem Kaschmir gekleideten Models noch eindrucksvoller. Designerin Karg bezahlte ihre Freunde übrigens in Naturalien, sprich Kaschmir.

Was Mann bei Boss trägt: Hornbrille, große Fliegen, gegelte Haare

Wesentlich mehr dürfte der Auftritt der Hollywoodstars Matt Dillon und Hilary Swank bei der Hugo Boss Show im "Hamburger Bahnhof" gekostet haben. "Wieviel Gage ein Star, abgesehen vom Privatjet und der Übernachtung im Luxushotel, für so einen Auftritt bekommt, ist ein sehr gut gehütetes Geheimnis. Die deutschen Schauspieler erhalten in der Regel kein Geld, sie werden lediglich für Premieren oder Partys von den Labels ausgestattet", sagt Ute Zahn.

Die Besitzerin der Agentur "Artist Network" bringt Stars und Marken zusammen und war bei der Modewoche für die VIP-Gäste der Joop!-Show zuständig.

Auch bei der Präsentation seiner Linie "Black" ließ sich Hugo Boss nicht lumpen. Die Haupthalle des "Hamburger Bahnhofs" wurde zum Catwalk umfunktioniert, die Models traten aus einer opulenten Lichtinstallation hervor.

Ja, der Abend hatte Klasse. Was am meisten überraschte: Die Mode verblasste nicht, wie oft in den Jahren zuvor, neben dem Staraufgebot. Der neue Creative Consultant, Graeme Black, scheint einen äußerst positiven Einfluss zu haben.

Besonders auffällig waren die extravaganten, detailverliebten Anzüge der Männer. Die Models erinnerten mit ihren Hornbrillen, großen Fliegen und gegelten Haaren an die Protagonisten der Serie "Mad Men". Beim Frauen-Look überzeugten die kurzen, glitzernden Ballonröcke, farbige Wildleder-Overknees und die Variationen grauer Abendkleider. Alles sehr glamourös, aber dennoch tragbar.

Der Schauspieler Matt Dillon, der mit seinen knapp 45 Jahren immer noch so gut aussieht wie damals in Francis Ford Coppolas "Outsiders", war seine Gage in jedem Fall wert.

"Was seine Anzüge angeht, hat Jürgen Trittin exzellenten Geschmack"

Erst schüttelte Dillon dem Regierenden höflich die Hand, machte Smalltalk mit seiner Sitznachbarin Devon Aoki, spendete ausgiebig Beifall und poste mit Hilary Swank geduldig für die Fotografen.

Auf der Aftershowparty erzählte er dann, warum es ihn zu Boss nach Berlin verschlagen hat: "Ich habe gerade nichts zu drehen, in Los Angeles ist das Wetter katastrophal und noch dazu habe ich eine Schwäche für deutsche Mädchen." Ein erfrischend heiteres bis ehrliches Statement für einen Star. Vielleicht ist er aber auch nur ein verdammt guter Schauspieler.

Philip Wolff, Kommunikationsdirektor bei Hugo Boss, bezeichnete die prominenten Gäste mal als "Freunde des Hauses Boss". Noch besser ist natürlich, wenn man Freunden kein Geld bezahlen muss, damit sie "Front Row" sitzen.

Die Politikerin Claudia Roth kam direkt aus dem Bundestag zur Show von "Allude". Ihr alter Freund Albert Ostermaier hatte sie eingeladen. Da saß sie also vergnügt in der ersten Reihe und erzählte anschließend jedem, der es hören wollte, wie wunderbar die Kollektion gewesen sei. "Die Grünen haben mehr für modischen Stil von Politikern getan als alle anderen. Wir haben das schnöde Grau durchbrochen. Und eins muss man Jürgen Trittin lassen. Was seine Anzüge angeht, hat er exzellenten Geschmack."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
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1. Wer?
Gegengleich 22.01.2010
Wer sind bitte Minu Barati-Fischer und Maria Konteneva? Ich will jetzt nicht als Antwort die Funktion ("Ehefrau von XY" o.ä.). Wer ist das und Wer bei SpOn denkt, darüber muß man berichten?
2. Fashion Week Berlin
hanico von sylt 22.01.2010
zum Online-Video: Vorallem geht es bei der Fashion Week darum neue, deutsche Mode und Modemacher bekannt zu machen und zu etablieren. Ein kleiner Überblick über die verschiedenen, zum Teil sehr guten Shows wäre mal informativ gewesen. Stattdessen wurden in dem Beitrag gefühlte 2/3 von Hugo Boss belegt... Was für eine journalistische Meisterleitung!
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